
Die jüngste Ankündigung von Präsident Trump, chinesische Importe mit einem 100-prozentigen Strafzoll zu belegen, hat die Märkte erneut in Aufruhr versetzt. Doch bei genauerer Betrachtung spricht einiges dafür, dass diese Drohung auch diesmal nicht umgesetzt wird. Zwar dürften die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China auch weiterhin angespannt bleiben, doch eine Eskalation hilft schlussendlich niemandem.
Donald Trump hat in der Vergangenheit oft mit Maximalforderungen gearbeitet, um anschliessend mit Zugeständnissen einen «Deal» als Erfolg zu verkaufen. Im Handelsstreit hält China jedoch ein wichtiges Ass im Ärmel, möglicherweise sogar das «Pik-Ass», also die höchste Karte im Spiel: Chinas effektive Kontrolle über den Export seltener Erden, die für zahlreiche Hightech- und Zukunftsindustrien in den USA von entscheidender Bedeutung sind. Sollte Washington zu drastischen Massnahmen greifen, könnte Peking Gegenmassnahmen ergreifen, die amerikanische Schlüsselbranchen empfindlich treffen würden. China hat bereits früher gezeigt, dass es seine Macht strategisch und entschlossen einsetzen kann.
Darüber hinaus könnten weitere Zölle auf chinesische Konsumgüter den US-Detailhandel vor wichtigen Feiertagen wie Thanksgiving und Weihnachten empfindlich treffen. Lieferschwierigkeiten und Preissteigerungen wären mögliche Folgen – mit negativen Auswirkungen auf die Kaufkraft und das Konsumverhalten der Amerikaner. Politisch wären solche Effekte nur schwer vermittelbar und könnten Trumps eigene Position schwächen, zumal der US-Arbeitsmarkt und der Konsum bereits jetzt unter Druck stehen.
Unser Fazit? Die aktuellen Volatilitätsschübe sind zwar unangenehm für Anlegerinnen und Anleger, bieten aber auch Chancen. Während Trumps zweiter Amtszeit haben sich solche Kursrückschläge immer als Kaufgelegenheiten erwiesen. Insgesamt erscheint es daher wahrscheinlicher, dass sich die Lage nach einer kurzen Phase der Unsicherheit wieder stabilisiert und Investoren selektiv zugreifen sollten – denn das wichtigste Ass im Spiel bleibt Chinas Kontrolle über die seltenen Erden.
Und während zwei sich streiten, freut sich bekanntlich ein Dritter, nämlich Gold. Neben den wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten spiegelt der starke Anstieg des Goldpreises auch die wachsenden Sorgen der Anleger über die Stabilität der aktuellen Fiskal- und Geldpolitik wider. Volkswirtschaften wie die USA, Grossbritannien, Frankreich und Japan haben alle eine hohe Schuldenquote und Defizite, die demografischen Herausforderungen rücken zusehends ins Augenmerk der Investoren, die Inflation ist nicht vollständig unter Kontrolle und es fehlt offensichtlich an politischem Willen und Kapital, Sparmassnahmen wirksam umzusetzen.
Solange die Entscheidungsträger in diesen Ländern nicht bereit sind, diese Herausforderungen ernsthaft anzugehen, können die Goldpreise weiter steigen. Natürlich sind Rückschläge auch hier möglich, aber sie dürften begrenzt und von kurzer Dauer bleiben. Gold bleibt unseres Erachtens also eine sinnvolle Ergänzung für Aktienportfolios. Und für Investoren mit einer höheren Risikotoleranz sind auch Goldminenaktien interessant. Die Betreiber profitieren von den hohen Rohstoffpreisen und von vergleichsweise tiefen Kosten aufgrund der niedrigen Energiepreise.
