Der frühere US-Präsident Harry S. Truman soll einst nach einem einhändigen Ökonomen verlangt haben, weil er von keinem seiner vielen Berater klare Empfehlungen bekam. Vielmehr kriegte er stets ein verklausuliertes «on one hand … and on the other» zu hören, also eine Antwort, die mit einem «einerseits …» anfing und mit einem «andererseits …» endete.

Die meisten Leserinnen und Leser dürften sich einig sein, dass guter Rat teuer ist. Und noch kostbarer wird er in Zeiten erhöhter politischer, ökonomischer und geopolitischer Unsicherheit – was zweifelsohne auf Trumans Amtsperiode zutreffen dürfte. Aber auch gegenwärtig gibt es gute Gründe dafür, dass Anlegerinnen und Anleger die Märkte gleichzeitig mit steigendem Optimismus und zunehmender Skepsis betrachten können.

Starten wir mit den positiven Argumenten: Die Dynamik bei den Unternehmen ist weiterhin solide und verbessert sich tendenziell. Die Gewinnsaison steht vor der Tür und die Messlatte für positive Überraschungen ist tief – das gilt speziell auch für viele US-Technologiekonzerne. Für den S&P 500 erwartet der Konsensus ein Gewinnwachstum von 6 Prozent. In den letzten Jahren hat das Gewinnwachstum des S&P 500 die Erwartungen der Analysten im Durchschnitt um 4 Prozentpunkte übertroffen; gut möglich, dass es auch in diesem Quartal ähnlich sein wird. Und möglicherweise können sich Anleger auch über positive Überraschungen in Europa, Japan und in einigen Schwellenländern freuen. Sinkende Zinsen, eine expansivere US-Fiskalpolitik und ein robustes US-Konsumverhalten runden dieses optimistische Bild ab.

Gleichzeitig mehren sich aber die Warnsignale: In den USA führen der Regierungsstillstand, die Abschwächung am Arbeitsmarkt und das sinkende Verbrauchervertrauen zu Vorsicht. Zudem macht der steigende Inflationsdruck die Arbeit der US-Notenbank schwieriger. Angesichts der eingepreisten Erwartungen bezüglich weiteren US-Zinssenkungen und der wenig vorteilhaften Bewertungen an den Aktien- und Anleihenmärkten sind die Märkte anfällig auf negative Überraschungen. In Europa bleibt die politische Lage mit einer fragilen Regierung in Frankreich und schwachen Wachstumsbedingungen angespannt. Zudem drohen weitere Zölle und anhaltende geopolitische Spannungen. Es ist möglich, dass diese Faktoren zu einer Korrektur führen und die Wachstumsaussichten trüben.

Welche Möglichkeiten haben nun Anleger, um trotz diesen Unsicherheiten mit ihrem Portfolio ein ansprechendes und diversifiziertes Einkommen anzustreben? Statt sich auf ein Szenario zu fixieren, von dem wir nicht wissen, ob es eintreten wird, bevorzugen wir eine Portfolio-Ausrichtung, die unter verschiedensten Marktbedingungen optimierte Erträge erzielen kann. Dazu gehört unserer Meinung nach ein gut diversifiziertes Kernportfolio, um längerfristig von steigenden Kursen profitieren zu können. Da die Zinsen niedrig sind und wohl weiter sinken, gefällt uns ein taktischer Fokus, der eher bei Aktien als bei Anleihen oder Geldmarktinstrumenten liegt. Strukturierte Produkte bieten in diesem Umfeld eine attraktive und oft unterschätzte Möglichkeit, von erhöhter Unsicherheit zu profitieren. Gut diversifiziert können sie zu einer soliden Einkommensquelle werden, mit Renditen, die diejenigen von Anleihen deutlich übertreffen. Und im Falle einer grösseren Korrektur könnten Anleger in sorgfältig ausgewählte Aktien umschichten, die sich mittelfristig erholen dürften.

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