Nach der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse sprang die Aktie des US-Technologiekonzerns Oracle um 36 Prozent in die Höhe – der grösste Kursanstieg aller Zeiten für eine Firma dieser Grössenordnung im S&P 500. Was war der Grund für die Euphorie? Wohl weniger das Ergebnis selbst, denn die veröffentlichten Zahlen entsprachen ungefähr den Markterwartungen. Die Begeisterung dürfte viel eher auf die prognostizierte Entwicklung im Geschäft mit Cloud-Infrastruktur zurückzuführen sein. Das Management von Oracle skizzierte einen Weg, wie die Umsätze von USD 10,2 Mrd. im Geschäftsjahr 2025 auf USD 144 Mrd. im Geschäftsjahr 2030 steigen könnten. Mathematisch entspricht dies einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von fast 70 Prozent. Ob das tatsächlich klappt oder nicht, wird sich zeigen. Ohne eine Meinung zu einzelnen Wertpapieren abzugeben, ziehen wir aber trotzdem drei Schlüsse aus diesem Ergebnis:

Wir befinden uns bezüglich der künstlichen Intelligenz (KI) noch immer am Anfang der Transformation. Die nächste Wachstumsphase wird wahrscheinlich getrieben werden durch eine breitere KI-Adoption auf Stufe Konsument, Unternehmen und öffentlichem Sektor sowie durch agentenbasierte KIs und steigende Rechenleistung.

Zweitens sind die KI-Rechenkapazitäten weiterhin äusserst knapp, trotz des erheblichen Wachstums in den letzten Jahren. Das deutet auf weiteres Wachstum hin und eine anhaltend hohe Rentabilität für Unternehmen, die solche Dienstleistungen anbieten.

Drittens bestätigt dieses Ergebnis auch, dass Anlegerinnen und Anleger ihr KI-Engagement breit streuen sollten. Wir sehen KI als ein Investment auf drei Ebenen: Die erste ist die Wegbereiter-Ebene («Enabling Layer»), die Unternehmen beinhaltet, die Rechenleistung, Netzwerke, Speicherkapazität, Elektrizität und Kühlungssysteme anbieten. Auf der zweiten, sogenannten Intelligenz-Ebene («Intelligence Layer») sehen wir Anbieter von KI-Modellen, Datenbanken und Cloud-Infrastrukturen. Die dritte Ebene bezieht sich auf die Anwendung («Application Layer»), also zunehmend spezialisierte KI-Dienste und Nutzungen. Mit voranschreitender KI-Akzeptanz sollten Anleger ihr Portfolio über diese drei Ebenen diversifizieren, damit ihre Anlagen von dem breiter werdenden Fächer von Opportunitäten profitieren können.

Während vielerorts der Fokus auf den USA als führender Standort für künstliche Intelligenz gerichtet bleibt, eröffnen sich auch in Asien neue Chancen. Viele Regionen, darunter Festlandchina, Japan, Taiwan und Korea, investieren stark in Forschung, Infrastruktur und Entwicklung, um das Potenzial von KI für Gesellschaft und Wirtschaft besser auszuschöpfen. Festlandchina hat in den letzten Jahren seine diesbezüglichen Anstrengungen deutlich verstärkt und arbeitet daran, eigene KI-Modelle und Anwendungen zu entwickeln. Damit holt China nicht nur auf, sondern zählt in gewissen Bereichen bereits jetzt zu den globalen Vorreitern. Vieles deutet also darauf hin, dass Asien eine immer grössere Rolle spielen wird – als Ort für Innovationen, aber auch für die Vermarktung und den Absatz von KI-Produkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wer sich heute mit den Chancen von KI beschäftigt, sollte daher den Blick nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten richten.

Die erwartete weitere Abschwächung des US-Dollars dürfte zudem die Attraktivität von Aktien in den kommenden Monaten unterstreichen. Mit der Zinssenkung letzte Woche hat die US-Notenbank Fed einen neuen Zyklus gestartet, während wir von der Europäischen Zentralbank, der Schweizerischen Nationalbank sowie von vielen asiatischen Zentralbanken vorerst keine weiteren Zinssenkungen mehr erwarten. Für Anleger bedeutet das einerseits, dass die Absicherung von Wechselkursrisiken günstiger werden dürfte. Und falls sich mehr Investoren gegen einen schwächeren Dollar absichern, dürfte sich das dann tatsächlich negativ auf die Währung auswirken. Andererseits bedeuten tiefere Zinsen auch, dass US-Aktien einen frischen, positiven Impuls bekommen, was sich günstig auf die Kurse auswirken dürfte. Das ist zwar nicht ganz so perfekt wie auf Wolke sieben, aber die letzten Jahre zeigen eindrücklich, dass sich US-Aktieninvestitionen auch dann lohnen, wenn sich der Dollar abschwächt. Und wir glauben nicht, dass sich daran in absehbarer Zukunft etwas ändern wird.

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