
Source: UBS
Was war diese erste Jahreshälfte doch für ein wilder Ritt! Selten zuvor sahen sich Anlegerinnen und Anleger gleichzeitig mit derart vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Zwei Kriege vor den Toren Europas, ein eskalierender globaler Zoll- und Handelsstreit und eine drastische Prioritätenverschiebung in diversen Politikbereichen. Aber auch positive «Schocks», wie die disruptiven Entwicklungen in verschiedenen technologischen Feldern, allen voran im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Entsprechend ging es an den Märkten zu und her wie auf einer Achterbahn. Auf den deutlichen Einbruch im April, ausgelöst durch die Bekanntgabe der «reziproken» Zölle, folgte nach Verkündung der Zollpause und dank positiver Unternehmensergebnisse v.a. aus dem Technologiebereich ein ebenso steiler Anstieg der Aktienmärkte und eine Rückkehr auf Niveaus von Anfang Jahr. Einzig der US-Dollar konnte sich bisher nicht erholen – zu sehr lasten die ausufernde Schuldenwirtschaft und die wiederholten Kritiken am Chef der US-Notenbank Federal Reserve durch den Präsidenten auf dem Greenback.
Und es geht offenbar nahtlos so weiter. In der zweiten Jahreshälfte beobachten wir fünf Bereiche, die für den weiteren Verlauf an den Finanzmärkten richtungsweisend sein dürften. Zum einen werden wir in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich mehr Klarheit über die Auswirkungen der US-Handels- und Fiskalpolitik erhalten. Die US-Regierung hat den «Liberation Day 2.0» auf Anfang August verschoben, verbunden mit der erneuten Drohung, «reziproke» Zölle einzuführen. Wir gehen in unserem Hauptszenario davon aus, dass in den meisten Fällen eine Verhandlungslösung gefunden werden kann und sich der durchschnittliche Zollsatz auf US-Importen zwischen 10 und 15 Prozent einpendeln wird. Wir erwarten daher auch keine harte Landung der US-Wirtschaft, sondern lediglich eine verlangsamte Konjunkturdynamik.
Zweitens bleiben die geopolitischen Risiken voraussichtlich hoch, insbesondere durch die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und in Osteuropa. Anleger sollten daher ihre Portfolios möglichst breit diversifizieren und sich gegen weitere Eskalationen absichern.
Drittens nehmen wir an, dass die US-Notenbank ihren Zinssenkungszyklus in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen wird, was zu fallenden Zinsen und Anleiherenditen führen sollte – unterstützt durch schwächeres Wachstum, nachlassende Inflation und eine anhaltende Umschichtung in sicherere Anlagen.
In einem solchen Umfeld dürfte sich, viertens, der US-Dollar weiter abschwächen, auch wenn das Tempo des Rückgangs nachlassen könnte. Der Trend zur «Entdollarisierung » bleibt wohl bestehen.
Und fünftens werden strukturelle Wachstumsthemen wie künstliche Intelligenz, Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit wohl weiterhin die Aktienmärkte antreiben, gestützt durch Innovation und zunehmende Anwendungen innovativer Technologien und Produkte.
In diesem Umfeld bevorzugen wir im Aktienbereich einen Fokus auf Qualitätsaktien, insbesondere auf solche aus den genannten Wachstumsthemen. Unternehmensanleihen mit hoher Bonität (Investment Grade) und ausgewählte ausländische Staatsanleihen bleiben unserer Meinung attraktiv, da diese vom Rückgang der Zinsstrukturkurve profitieren dürften. Ausserdem gefällt uns Gold weiterhin als strategischer Portfoliobaustein zur Absicherung gegen geopolitische Unsicherheiten und als Inflationsschutz. Im Währungsbereich sollten sich gerade Schweizer Anleger Gedanken über ihre USD-Quote machen und Währungsrisiken aktiv steuern. Und nicht zuletzt können alternative Anlagen wie Hedgefonds, Privatmarktanlangen, aber auch Realwerte wie Infrastruktur und Immobilien helfen, das Portfolio robuster aufzustellen und eine noch bessere Diversifikation zu erzielen.
