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Im Juli tritt in unseren Breitengraden der Sommer jeweils in seine heisseste Phase ein. Ganz ähnlich dürfte im laufenden Jahr Anfang Juli auch an den Finanzmärkten eine erneut heisse Phase anstehen. Auch wenn mit dem ausbrechenden Konflikt in Nahost schon der Juni ein Monat war, in dem es hoch zu- und herging, stehen nun im Juli wichtige Weichenstellungen in Bezug auf die US-Handels- und Fiskalpolitik an. Die bevorstehenden Entscheidungen über die US-Importzölle und das US-Haushaltsgesetz, den sogenannten «One Big Beautiful Bill Act», könnten zu Volatilitätsschüben führen. Allerdings erwarten wir nicht, dass sie die immer noch solide wachsende US-Wirtschaft aus der Bahn werfen oder einen anhaltenden Marktrückgang auslösen werden. Die Schweiz darf sich mit Blick auf die Entwicklungen bei den Zöllen weiterhin Hoffnungen machen, dass entweder schon sehr bald die Eckwerte eines Handelsabkommens mit den USA abgesteckt werden können oder nach Ablauf der «Pause» bei den «reziproken» Zöllen am 8. Juli die USA uns zumindest mehr Zeit einräumen, um zu einem Abschluss eines Handelsabkommens zu kommen. Gleichzeitig sorgen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und in Osteuropa weiterhin für erhöhte Unsicherheit. Doch bislang waren ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte begrenzt und von kurzer Dauer.
Derweil senken die Zentralbanken in Europa und Grossbritannien die Zinsen weiter und die US-Notenbank Fed dürfte im September ebenfalls folgen. Die Schweizerische Nationalbank hat an ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung ihren Leitzins bereits auf 0 Prozent gesenkt. Sie hat dabei betont, dass die Hürde für eine weitere Senkung auf unter 0 Prozent zwar hoch sei. Allerdings dürfte sie nicht um weitere Zinssenkungen herumkommen, sollte sich der EURCHF-Wechselkurs auf 0.90 Rappen oder gar darunter bewegen.
Dieses Umfeld sinkender Zinsen und Renditen dürfte einerseits Aktien und hochwertigen Anleihen, insbesondere in zinssensitiven Sektoren, Unterstützung bieten. Andererseits wird wohl der US-Dollar weiter zur Schwäche neigen, da sich die Zinsdifferenzen verringern, das US-Wachstum sich verlangsamt und die Anlegerinnen und Anleger die Attraktivität des Dollars als Zufluchtswährung neu beurteilen. Für Schweizer Anleger ist dies ein günstiger Zeitpunkt, um ihre Währungsengagements zu überprüfen und überhöhte Dollarbestände zu reduzieren.
Nach starken Kursgewinnen erwarten wir für die globalen Aktienmärkte bis Jahresende nur begrenzte Renditen. Dennoch sollten Anleger, die eine zu tiefe Aktienallokation halten, ihre Positionen in breit diversifizierten Aktien oder ausgewogenen Portfolios schrittweise ausbauen, um sich für bessere Ertragschancen im Jahr 2026 und darüber hinaus zu positionieren. US- und Schwellenländeraktien dürften sich besser entwickeln als ihre europäischen Pendants, gestützt durch stärkeres Gewinnwachstum und eine expansive Geldpolitik. Die besten Chancen bieten unseres Erachtens US-Technologie und das Gesundheitswesen sowie der Technologiesektor in Taiwan, Indien und China. Unternehmen, die besonders gut in strukturellen Wachstumsthemen wie künstliche Intelligenz, Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit positioniert sind, werden voraussichtlich überdurchschnittlich abschneiden.
Da die Zinsen für liquide Anlagen gerade im Franken äusserst niedrig sind oder in Fremdwährungen sogar weiter sinken, sollten Anleger für höhere Erträge hochwertige Anleihen, diversifizierte Fixed-Income-Strategien und Dividendenstrategien in Betracht ziehen. Darüber hinaus bleibt Gold ein wirksamer Schutz gegen geopolitische Risiken. Und nicht zuletzt können alternative Anlagen wie Hedge Funds, Private Credit und Immobilien zur Diversifikation und Stärkung des Portfolios beitragen.
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