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UBS Outlook Schweiz: Die Bilateralen als goldener Mittelweg

Zürich/Basel Media Releases Switzerland

Nach der Abstimmung zur Personenfreizügigkeit ist die Debatte über den zukünftigen Weg der Schweiz in Europa und die Bedeutung der Bilateralen Verträge wieder aufgeflammt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Bilateralismus ein erfolgreicher Mittelweg zwischen Integration in die europäischen Binnenmärkte und Bewahrung politischer und institutioneller Eigenständigkeit. Für einen sicheren und entwicklungsfähigen Marktzugang in Europa sollte der bilaterale Weg weiter verfolgt werden.

Zürich/Basel, 10. November 2014 – Die Schweiz steht nach der Abstimmung zur Personenfreizügigkeit wie bereits nach dem EWR-Nein 1992 vor einer Weichenstellung in ihrer Europapolitik. Mit der Annahme der Initiative zur Begrenzung der Einwanderung und der damit verbundenen möglichen Einführung von Kontingenten besteht ein gewisses Risiko, dass die EU mit einer Aufkündigung des Personenfreizügigkeitsabkommens über die Guillotine-Klausel die Bilateralen Verträge I zu Fall bringt.

In der Europapolitik prallen in der Schweiz in der aktuellen Debatte zwei Welten aufeinander. Zum einen jene Kräfte, die in der Eigenständigkeit der Schweiz ein Erfolgsmodell sehen. Die andere Seite sieht den Erfolg der Schweiz in der Offenheit und einer möglichst starken Integration in die europäische Binnenwirtschaft. Angesichts der europapolitischen Spaltung des Landes gilt es in der bevorstehenden Debatte abzuwägen, welche Marschrichtung langfristig die erfolgversprechendere sein könnte. Die Bilateralen Verträge können als ein aus der Not des EWR-Nein geborener Mittelweg zwischen den beiden gegenläufigen Standpunkten angesehen werden. Gemäss UBS-Ökonomen bleibt die Zielsetzung der Bilateralen Verträge eine für die Schweiz möglichst vorteilhafte Einbindung in die EU, wobei aber gleichzeitig die politische Eigenständigkeit und die wirtschaftspolitische Unabhängigkeit im grossen Masse bewahrt werden soll.

Der bilaterale Weg war aus einer wirtschaftlichen Optik bisher sehr erfolgreich. Während die meisten Länder infolge der Finanzkrise tiefe Rezessionen erlitten und sich nur langsam wieder erholen, blühte die Schweizer Wirtschaft im gleichen Zeitraum mit einem Durchschnittswachstum von 2 Prozent regelrecht auf. Die Hälfte des Wirtschaftswachstums rechnet UBS der Einwanderung zu, die aufgrund des Personenfreizügigkeitsabkommens stark zugenommen hat. Die Schweiz hat dabei massiv von einem "Brain Gain" aus den europäischen Ländern profitiert.

Die Verunsicherung im Nachgang der Abstimmung zur Begrenzung der Einwanderung droht nun die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz zu beeinträchtigen. Gemäss einer Umfrage von UBS planen 26% der Unternehmen in Folge ihre Investitionen in der Schweiz zu reduzieren. Die Mehrheit der Unternehmen hat Sorgen bezüglich der künftigen Verfügbarkeit von Fachkräften.

Welchen Weg die Schweiz in der Europapolitik einschlagen wird, lässt sich nur schwer abschätzen und hängt auch vom Verhalten der EU ab. Wie Daniel Kalt, UBS Chefökonom Schweiz anlässlich eines Medienfrühstücks in Zürich sagt, sollte der Bilateralismus als bisher erfolgreicher Mittelweg vorderhand weiter verfolgt werden. Dies würde die Unsicherheit im Inland, aber auch international, reduzieren. Zugleich würde dies den Schweizer Unternehmen weiter den Zugang zum europäischen Binnenmarkt sichern und die Beziehungen zur EU wieder auf eine stabile Basis stellen.

UBS revidiert Prognosen für die Schweizer Wirtschaft

Aufgrund der Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hat sich der bisherige Wachstumsverlauf des Bruttoinlandprodukts geändert. UBS passt die Wachstumsprognosen entsprechend an und erwartet, dass das Bruttoinlandprodukt trotz eines eher enttäuschenden zweiten Quartals im laufenden Jahr mit 1,6 Prozent wachsen wird. Für 2015 erwarten die UBS-Ökonomen annualisiert ein leicht tieferes Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. Die wichtigsten Treiber des soliden Wachstums – die niedrigen Zinsen und die starke Einwanderung – sollten über den Prognosehorizont bis Ende 2015 die Wirtschaft weiter stützen. Gleichzeitig dürfte die zunehmende wirtschaftspolitische Unsicherheit die Investitionstätigkeit in Zukunft dämpfen.  

Quelle: Seco, UBS

UBS AG

Kontakt

Daniel Kalt, UBS Chefökonom Schweiz
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Veronica Weisser, UBS Chief Investment Office WM
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Sibille Duss, UBS CIO Wealth Management Research
Tel. +41 44 235 69 54, sibille.duss@ubs.com

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