Bild: Ferienregion Lenzerheide/Johannes Fredheim

Für beide Parteien ist das eine gute Lösung. Peter Frey ist zufrieden. Rückwirkend auf den 1. April hat er sein Unternehmen, die auf Seilbahnsteuerungsanlagen spezialisierte Frey AG Stans, an die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe verkauft. Und aus seiner Sicht hat alles bestens geklappt.

«Ich könnte eine lange Liste mit positiven Punkten erstellen, aber keine Liste mit negativen»

Peter Frey

«Ich könnte eine lange Liste mit positiven Punkten erstellen, aber keine Liste mit negativen.» Und selbst der Umstand, dass der Name «seiner» Firma nicht mehr auf der neutralen Visitenkarte prangt, scheint den Patron alter Schule nicht zu stören. Das hält ihn nicht davon ab, fast jeden Satz, bei dem es um die Frey AG geht, mit «wir» zu beginnen – sich das abzugewöhnen, falle ihm, wie Peter Frey eingesteht, nicht ganz leicht.

Keine geeigneten Nachfolger

Warum hat der 72-jährige Patron sein Unternehmen verkauft? Wieso haben es nicht seine Nachkommen übernommen? Von den vier Kindern sind zwei frühzeitig verstorben, und den zwei anderen fehlt das technische Rüstzeug, das aus der Sicht von Peter Frey eine Voraussetzung für die Führung der Firma ist. Eine Tochter ist zwar seit rund fünfzehn Jahren im Bereich Personal und Marketing für die Frey AG tätig, aber die Nachfolge wollte und konnte die mittlerweile über 50-Jährige nicht antreten. Auch ein Management-Buyout kam nicht infrage, weil die Geschäftsleitung weitgehend aus Ingenieuren besteht, die das unternehmerische Risiko nicht tragen wollen. Damit verblieb als Möglichkeit nur der Verkauf des Betriebs, den Peter Freys Vater 1966 gegründet hatte.

Anders als in anderen Fällen ist der Käufer, Doppelmayr/Garaventa, kein Unbekannter – ganz im Gegenteil. Über drei Viertel der Aufträge in den Büchern der Frey AG stammen vom österreichisch-schweizerischen Seilbahnhersteller und Weltmarktführer. Damit ist dieser der weitaus gewichtigste Kunde des Schweizer Zulieferers. Umgekehrt ist die Frey AG mit einem geschätzten Umsatz von 20 Mio. Fr. und rund hundert Mitarbeitern in der Schweiz der führende von nur zwei Anbietern von Seilbahnsteuerungen. Weil erst diese eine Seilbahn in Bewegung setzen, kann man auf sie nicht verzichten. Und wenn sie einmal installiert sind, müssen sie in den nächsten 20 bis 25 Jahren gewartet werden. Das macht den Zulieferer Frey AG für Doppelmayr/Garaventa zu einem schwer ersetzbaren Partner. Deshalb nimmt sich das Zusammenspannen der beiden Unternehmen als Vernunftehe aus, die zwar nicht im Voraus arrangiert, aber stets als langfristig sinnvolle und logische Lösung in den Hinterköpfen verhaftet war.

«Wir haben ganz klare Aufgaben gefasst, und wir haben sie gelöst»

Peter Frey

Die ersten Annäherungsversuche unternahm Peter Frey vor über einem Jahrzehnt. Doppelmayr/Garaventa zeigte zwar durchaus Interesse, wollte sich aber nicht festlegen. Vielmehr stellte sie die Frey AG vor die Aufgabe, sich herauszuputzen, technologisch und kostenmässig zum unbestrittenen Marktführer aufzusteigen. Das zog organisatorische Anpassungen und beträchtliche Investitionen nach sich. «Wir haben ganz klare Aufgaben gefasst, und wir haben sie gelöst», sagt Peter Frey im Rückblick.

Die erfolgreiche Fitnesskur mündete vor zwei Jahren in eine strategische Partnerschaft der beiden Unternehmen. In der Folge bündelten sie das beiderseitige Know-how in der Entwicklung von Steuerungsanlagen, ersannen gemeinsam neue Produkte und brachten sie auf den Markt. Der Erfolg der Kooperation im eigentlichen Kerngeschäft der Frey AG beseitigte die letzten Zweifel von Doppelmayr/Garaventa – die beiden Partner trieben die Übernahmeverhandlungen zielstrebig voran.

Schöne Unterwäsche

Eine gewichtige Rolle im Übernahmeprozess spielte Hansruedi Schleiss, seit April 2009 Geschäftsführer der Frey AG – eine Funktion, die er bis auf weiteres auch unter der neuen Eigentümerschaft innehat. Er fungierte gleichsam als Bindeglied und Moderator zwischen Verkäufer und Käufer. Sein technisches Verständnis, aber auch seine Ausbildung als diplomierter Wirtschaftsprüfer erwiesen sich als hilfreich – nicht nur im Verlauf der Fitnesskur vor dem Verkauf, sondern auch bei der Festlegung des Unternehmenswertes und, als Konsequenz daraus, des nicht veröffentlichten Übernahmepreises.

«Es stimmt, wir mussten die Hosen herunterlassen, aber darunter kam schöne Unterwäsche zum Vorschein»

Peter Frey

Peter Frey betont, dass es bei Bewertungsfragen keine grossen Diskrepanzen gegeben habe. «Es stimmt, wir mussten die Hosen herunterlassen, aber darunter kam schöne Unterwäsche zum Vorschein.» Zum einen waren sich er und sein Geschäftsführer über den Wert der Anlagen und des Inventars ziemlich im Klaren, zumal sie sich auf frühere Bewertungen stützen konnten. Zum andern verzichtete Peter Frey darauf, dem Käufer einen Goodwill in Rechnung zu stellen. Dies aus der Überzeugung heraus, dass es unangebracht wäre, einem derart bedeutenden Kunden auch noch eine Entschädigung für immaterielle Vermögenswerte abzuverlangen. Damit fiel ein gewichtiger potenzieller Streitpunkt weg.

Keine bösen Überraschungen

Ein anderer heikler Aspekt war die Ermittlung und Bewertung der Pensionskassenansprüche der Mitarbeiter auf der einen und der angesparten Vermögen der Pensionskasse auf der anderen Seite. Aber auch diese Problematik, die sich bei jedem Unternehmensverkauf stellt, konnte zur beiderseitigen Zufriedenheit bereinigt werden. Das Fabrikgebäude verblieb beim Verkäufer Peter Frey, der es über einen langfristigen Mietvertrag dem Käufer zur Verfügung stellt. Alles in allem gelang es, den Due- Diligence-Prozess ohne böse Überraschungen abzuschliessen. Am 2. Mai setzten die Parteien ihre Unterschriften unter den Übernahmevertrag und besiegelten damit den Eigentümerwechsel.

«Ich habe mir den Abschied komplizierter vorgestellt, ich würde es noch einmal gleich machen»

Peter Frey

Peter Frey ist überzeugt, zum richtigen Zeitpunkt die beste Lösung für die Zukunft seines Unternehmens gefunden zu haben. «Ich habe mir den Abschied komplizierter vorgestellt, ich würde es noch einmal gleich machen», sagt der ehemalige Patron. «Seine» Firma lebt, zumindest vorderhand, in kaum veränderter Form weiter, die Mitarbeiter müssen nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten, die Kunden können auch in Zukunft mit der Wartung ihrer Anlagen rechnen – und auch für Peter Frey selbst scheint die Rechnung aufzugehen. Manchmal ist der Verkauf eines Familienbetriebs an Dritte, wie das Beispiel der Frey AG zeigt, keine schlechte Lösung.

Ein konzentrierter Markt

Zwei Anbieter dominieren den globalen Seilbahnbau: der im vorarlbergischen Wolfurt domizilierte Weltmarktführer Doppelmayr/Garaventa und die Südtiroler Leitner-Gruppe. Mit einem Umsatz von 834 Mio. € hält Doppelmayr/Garaventa einen Marktanteil von etwa 60% und beschäftigt rund 2700 Mitarbeiter. Leitner ist mit einem Umsatz von über 700 Mio. € nicht viel kleiner. In der Schweiz ist die Flumser Firma Bartholet im Seilbahnbau tätig.

Elektronische Steuerungen sorgen dafür, dass sich Seilbahnen bewegen und sie sicher betrieben werden können. Neben den Seilbahnherstellern selbst haben sich einige wenige Unternehmen auf die Entwicklung und Produktion von Steuerungen spezialisiert. Die Frey AG Stans ist in diesem Segment der Marktführer. Ob die Standseilbahn Biel-Leubringen, die Pendelbahn Haukeland-Ulriken im norwegischen Bergen, die Sesselbahn Bode-Chuenisbärgli in Adelboden oder der Monorail des Hilton Waikoloa auf Hawaii – in den Steuerungen all dieser Bahnen steckt das Know-how der Frey AG Stans. Ihr einziger direkter Konkurrent in der Schweiz ist die in Altdorf ansässige Sisag.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung.