Das 2014 revidierte SERV-Gesetz und die in diesem Jahr beschlossenen Änderungen in der Verordnung über die Schweizerische Exportrisikoversicherung traten am 1. Januar 2016 gemeinsam in Kraft. Welche Neuerungen damit einhergehen und was diese für Schweizer Exporteure bedeuten, wird im Folgenden erklärt.

Fabrikationskreditversicherung und Bondgarantiedeckung unbefristet

Die Fabrikationskreditversicherung und die Bondgarantiedeckung der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (SERV) wurden als befristete Massnahmen im Jahr 2009 im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise dem Leistungskatalog der SERV hinzugefügt. Beide Produkte haben sich in der Praxis bewährt und der Exportwirtschaft in schwierigen Zeiten gute Unterstützung geleistet. Die anhaltend starke Nachfrage nach diesen Produkten sowie die weiterhin angespannte Wirtschaftslage haben dazu geführt, dass beide Produkte ab 2016 fest ins SERV-Gesetz aufgenommen und unbefristet angeboten werden. Die Fabrikationskreditversicherung und die Bondgarantiedeckung sind somit künftig fester Bestandteil der SERV-Palette.

Deckungssätze ändern und Zukauf von Deckung möglich

Der übliche SERV-Deckungssatz beträgt aktuell 95 Prozent, beim Versicherungsnehmer verbleiben 5 Prozent Selbstbehalt. Die Bondgarantie wird heute im Deckungsumfang von 100 Prozent ohne Selbstbehalt gesprochen.

Per 1. Januar 2016 änderten sich die Deckungssätze.

Lieferantenkredite werden vor allem von kleineren und mittleren Unternehmen nachgefragt, deren Geschäfte in der Regel deutlich unter einem Lieferwert von 10 Millionen Franken liegen. Um diese Unternehmen nicht zu benachteiligen, ist nach wie vor eine Deckung bis zu 95% möglich. So verbleibt der Selbstbehalt des Versicherungsnehmers bei 5%.

Bei der Fabrikationskreditversicherung und der Bondgarantie werden die Deckungssätze gesenkt. In begründeten Fällen können sie aber durch Zukauf erhöht werden.

Deckungszukäufe sind für den Exporteur kostenlos; es fällt keine zusätzliche Versicherungsprämie an.

Eine Erhöhung des Deckungssatzes bei der Fabrikationskreditversicherung kann beispielsweise dann gerechtfertigt sein, wenn die Bank im Rahmen der Kreditsprechung vom Exporteur Sicherheiten verlangt, die dieser nicht bringen kann.

Selbstbehalt kann zur Risikoabsicherung beim Fabrikationskredit eingesetzt werden

Kann der Exporteur keine oder nicht genügend Sicherheiten für den ungedeckten Teil eines Fabrikationskredits stellen, hat die finanzierende Bank neu die Möglichkeit, lediglich den versicherten Teil des Kredits auszuschütten und den Betrag in Höhe des Selbstbehalts sicherzustellen. Diese Neuregelung lässt sich am besten anhand eines Beispiels veranschaulichen (siehe Box unten).

Schweizerische Wertschöpfung – mehr Handlungsspielraum

Die Internationalisierung der Wertschöpfungskette von Schweizer Unternehmen setzt sich stetig fort. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, kommen viele Schweizer Unternehmen nicht umhin, Teile ihrer Wertschöpfungskette ins Ausland zu verlagern oder die für die Produktion benötigten Rohmaterialien sowie Halb- und Fertigfabrikate von ausländischen Lieferanten zu beziehen. Die Aufwertung des Schweizer Frankens in den Jahren 2011 und 2015 hat diesen Trend verstärkt.

Um den Absicherungsbedürfnissen der Schweizer Exporteure in einem zunehmend internationalen Kontext gerecht zu werden, gelten ab 2016 zwei grundlegende Neuerungen, die es erlauben, mit dem Begriff der schweizerischen Wertschöpfung flexibler umzugehen. Die Regelung, wonach Exportlieferungen einen schweizerischen Wertschöpfungsanteil von mindestens 50 Prozent enthalten müssen, bleibt grundsätzlich bestehen.

Die Internationalisierung der Wertschöpfungskette von Schweizer Unternehmen setzt sich stetig fort.

Hinzu kommen folgende Neuerungen:

  • Neu wird der Anteil der schweizerischen Wertschöpfung im Verhältnis zum tatsächlichen SERV-gedeckten Risiko berechnet. Bisher erfolgte die Berechnung im Verhältnis zum gesamten Auftragswert. Damit fliessen beispielsweise nicht gedeckte An- und Zwischenzahlungen und das Restrisiko von 5 Prozent nicht mehr in die Berechnung ein. Da der effektiv versicherte Betrag stets geringer ist als der Auftragswert, reduziert sich der für eine SERV-Deckungszusage erforderliche betragsmässige schweizerische Wertschöpfungsanteil.
  • Es wurden Ermessensregeln für die SERV geschaffen. Diese bieten der SERV mehr Flexibilität in der Deckungsvergabe und in der Bewilligung von Ausnahmefällen. Den Ermessensregeln liegen definierte Beurteilungskriterien zugrunde. Sie ersetzen die aktuelle Ausnahmeklausel, die schon heute Deckungen für Exportgeschäfte mit einem schweizerischen Wertschöpfungsanteil von weniger als 50 Prozent zulässt.

Kriterien für die Versicherung von Geschäften mit tieferer schweizerischer Wertschöpfung

Die SERV weist darauf hin, dass die Liste der Beurteilungskriterien bewusst nicht abschliessend ist. Man will auf sich verändernde Wirtschaftsverhältnisse, denen sich Schweizer Exporteure künftig stellen müssen, reagieren können. Damit verfügt die SERV in der Praxis über einen erweiterten Handlungsspielraum bei der Bestimmung des schweizerischen Wertschöpfungsanteils im Einzelfall.

  • Herkunft der erfolgsrelevanten Leistungen des Exportgeschäfts

Als erfolgsrelevant gelten das technologische Kernstück respektive die Schlüsselkomponenten des Exportgeschäfts oder andere Know-how-intensive Teile (zum Beispiel Engineering, Planungs- oder Design- und Serviceleistungen). Aber auch Forschungs- und Entwicklungsleistungen (F&E), die in das Exportgeschäft fliessen, gehören dazu. Finden die Erbringung und die Entwicklung dieser Leistungen in der Schweiz statt, werden sie dem erforderlichen schweizerischen Wertschöpfungsteil angerechnet und stellen ein Qualifikationskriterium für eine SERV-Deckung dar.

  • Umfang des schweizerischen Wertschöpfungsanteils am gesamten Exportumsatz innerhalb einer Periode
    Weisen sämtliche Exportgeschäfte eines Unternehmens innerhalb einer bestimmten Periode – zum Beispiel in einem Jahr − durchschnittlich den erforderlichen schweizerischen Wertschöpfungsteil auf, können auch einzelne Exportgeschäfte mit einem geringeren schweizerischen Wertschöpfungsanteil eine Deckungszusage von der SERV erhalten.
  • Export neu entwickelter Produkte sowie Erschliessung neuer Märkte mit dem Exportgeschäft
    Als besonders förderungswürdig gelten Exporte von neu entwickelten Produkten und die Erschliessung neuer Märkte. Dasselbe gilt für neue Technologien, die beispielsweise besonders umweltfreundlich sind, oder Projekte, die einen positiven Einfluss auf die Umgebung im Importland haben. Diese werden nach Möglichkeit von der SERV unterstützt, unter Umständen auch bei vergleichsweise geringer schweizerischer Wertschöpfung.

Generell gilt zu beachten, dass die SERV jedes Projekt einzeln prüft und von Fall zu Fall über die Deckungsmöglichkeiten entscheidet. Dabei spielt auch immer das zu übernehmende Länder- und Projektrisiko eine Rolle. Je geringer diese Risiken sind, desto eher dürften vermutlich auch Projekte mit vergleichsweise wenig schweizerischer Wertschöpfung eine Deckung erhalten.

Fazit

Mit den neuen Rahmenbedingungen der SERV erhalten Schweizer Unternehmen bei ihren Exportgeschäften weiterhin eine adäquate Unterstützung. Die Neuerungen erweitern den Handlungsspielraum der SERV und schaffen mehr Flexibilität bei der Sprechung von Deckungen. Vor allem der breiter gefasste Begriff des schweizerischen Wertschöpfungsanteils lässt mehr Einzelfälle zu. Es ist davon auszugehen, dass die SERV künftig noch mehr Exportgeschäfte versichern kann. Insbesondere kleinere und mittlere Exporteure, aber auch junge Unternehmen, die erst zu exportieren beginnen, erhalten vermehrt Zugang zu den Dienstleistungen der SERV.

UBS als Bank für exportorientierte Unternehmen begrüsst die neuen Rahmenbedingungen der SERV und den damit einhergehenden erweiterten Ermessensspielraum der Versicherung. Wir sehen weiterhin gute Möglichkeiten, die Exportwirtschaft mit der benötigten Liquidität zu unterstützen. In enger Zusammenarbeit mit der SERV bieten wir Schweizer Exporteuren entlang ihrer Wertschöpfungskette verschiedenste Exportfinanzierungen und Absicherungslösungen an.

Beispiel zum Fabrikationskredit

Zur Vorfinanzierung eines Exportgeschäfts benötigt die XY AG in der Schweiz von ihrer Bank einen Fabrikationskredit in der Höhe von 1 000 000 Franken. Die Bank ist nicht in der Lage, diese Finanzierung ohne Sicherheiten zu gewähren. Darum steht bei der SERV das Instrument der Fabrikationskreditversicherung für Banken zur Verfügung.

Die Bank beantragt und erhält von der SERV eine Fabrikationskreditdeckung. Der Deckungssatz beträgt 95 Prozent. Damit sind für die finanzierende Bank 950 000 Franken durch die SERV gedeckt, für den Fall, dass der Exporteur den Kredit nicht zurückzahlt. Der Selbstbehalt von 50 000 Franken verbleibt als ungedecktes Restrisiko bei der Bank. Da im vorliegenden Fall der Exporteur keine Sicherheiten stellen kann und seine Bank den Selbstbehalt nicht tragen möchte, wird folgendermassen verfahren: Die Bank zahlt nur 950 000 Franken an den Exporteur aus. Die nicht ausbezahlten 50 000 Franken werden auf einem gesperrten Konto zurückbehalten.

Diese Lösung bringt sowohl Vorteile für den Schweizer Exporteur als auch für seine Bank. Der Exporteur erhält sein Exportgeschäft zu 95 Prozent von seiner Bank vorfinanziert und muss keine zusätzlichen Sicherheiten bringen. Seine Bank kann für das Exportgeschäft auch bei höheren Risiken, bei denen sie den Selbstbehalt selbst nicht auf ungedeckter Basis übernehmen kann, einen massgeschneiderten Kredit zur Verfügung stellen. Der Fabrikationskredit wird vom Exporteur mittels der Einnahmen aus dem Exportgeschäft bei seiner Bank getilgt.