Exportgeschäfte wie der Bau des «Otjozondjupa Solar Park» in der Wüste Namibias bergen Risiken, gegen deren finanzielle Folgen sich das Schweizer KMU HopSol GmbH mit Akkreditiven absichert.

Im Mai 2016 machte sich ein Schiff mit 52 000 Solarpanels in mehr als 30 Containern auf den Weg von Singapur nach Namibia. Gut zehn Wochen war die Fracht auf dem See- und Landweg unterwegs. Die Firma HopSol in Freienbach SZ wollte damit ihr zweites grosses Solarkraftprojekt realisieren: den «Otjozondjupa Solar Park» in der Wüste Namibias rund 450 km nördlich von Windhoek.

Sechs Fussballfelder gross sollte die Anlage werden: das zu diesem Zeitpunkt grösste Solarkraftwerk Namibias, welches mit 5 Megawatt Leistung rund 3700 Haushalte mit Strom versorgen kann. Insgesamt hatte das Kraftwerk einen Auftragswert von 8 Millionen US-Dollar. Allein die Solarpanels kosteten 3,5 Millionen Dollar. «Vorauszahlung war hier nicht möglich», sagt Bruno Reihl, Geschäftsführer von HopSol.

Käufer und Lieferant wollen Sicherheit

Doch der Lieferant in Singapur wollte entweder eine Vorauszahlung oder eine Sicherheit, dass er bei der Lieferung bezahlt würde. Der Käufer in Namibia beabsichtigte aber erst bei Lieferung zu zahlen. «Niemand wollte die Vorleistung übernehmen, ohne entsprechende Sicherheiten zu erhalten», sagt Didier Furrer, UBS-Spezialist für Handels- und Exportfinanzierung.

Ein Akkreditiv war schliesslich die Lösung: ein Abwicklungs- und Absicherungsinstrument, das bei Exportgeschäften häufig verwendet wird. Dabei handelt es sich um ein an die Präsentation von Dokumenten geknüpftes Zahlungsversprechen der Bank des Käufers an den Verkäufer (vgl. Box). Neben UBS-Spezialist Furrer war Herbert Nigg, Berater von Unternehmenskunden bei UBS, am Prozess beteiligt: «Wichtig war, das Geschäftsmodell der Firma sowie das Finanzierungskonstrukt mit all seinen Facetten zu kennen und frühzeitig den Spezialisten beizuziehen», erklärt Nigg.

Übertragbares Zahlungsversprechen

Akkreditive gibt es in verschiedenen Formen. Im Falle der HopSol wurde ein durch UBS bestätigtes, übertragbares Akkreditiv gewählt. Der Vorteil: «Mit dieser Akkreditivform konnte die Zahlungssicherheit problemlos weitergegeben werden», sagt Furrer; von der Bank in Namibia an UBS, die Hausbank von HopSol in der Schweiz, und dann weiter an die Bank des Lieferanten in Singapur.

Der Solarpark in Otjozondjupa ist die zweite grosse Anlage, welche HopSol von der Schweiz aus mit ihrer lokalen Vertretung in Namibia projektiert und erstellt hat. Begonnen hatten Reihl und sein langjähriger Geschäftspartner Robert Hopperdietzel im Jahr 2010 ganz klein mit Dachanlagen. Diese Ausgangslage sei typisch im KMU-Geschäft, so Nigg. Solche Finanzierungsfragen stellten sich oft bei schnell gewachsenen Startups, die plötzlich an einen Grossauftrag kommen.

Schnelle Amortisation der Anlagen

Namibia als Markt für Solarstromerzeugung hatte HopSol gewählt, weil im südwestafrikanischen Land die Sonne viermal stärker scheint als in der Schweiz – und das an 360 Tagen im Jahr. Die lokalen Strompreise sind hoch und eine Anlage deshalb bereits nach knapp vier Jahren amortisiert. In der Schweiz dauert dies an die 15 Jahre. Und HopSol hat es geschafft, in Namibia zum Marktführer zu werden: «Unsere Anlagen sind etwas teurer als diejenigen der Konkurrenz, doch die höhere Qualität und damit längere Lebensdauer haben überzeugt», sagt Reihl.

Fehlende Stromnetze und extreme Temperaturschwankungen

Die Projektierung von Grosskraftwerken in der Wüste sei aber Neuland für sie gewesen, so Reihl. Es brauchte Zufahrtsstrassen, Hochspannungsleitungen und grosse Transformatoren – und insgesamt ein anderes Knowhow als für Kleinstanlagen. Zu bewältigen galt es auch die häufigen Sandstürme, welche die Solarpanels mit Sand bedeckten. Um Diebstähle zu verhindern, wurden Sicherheitsfirmen engagiert. «Und manchmal werfen auch Affen Steine auf die Solarpanels», erzählt Reihl.

Das weitaus Schwierigste waren aber die riesigen Temperaturunterschiede: In der Nacht gefriert es, am Tag kann es über 50 Grad heiss werden. HopSol wählte Dünnschichtmodule, die in der Hitze geringere Produktionsverluste haben und auch bei hohen Temperaturschwankungen langlebig sind, so Reihl.

Noch grössere Anlagen und neue Märkte

Der dritte Solarpark in der namibischen Wüste ist bereits im Bau, und ein nächstes Projekt in Sambia mit einer 20-Megawatt-Anlage ist geplant. Und es geht weiter: Vor einem Jahr hat HopSol eine Niederlassung in Brasilien gegründet. «Brasilien ist bezüglich der Solarstromerzeugung auf dem Stand von Namibia vor 10 Jahren», sagt Reihl. Ein vielversprechender neuer Markt für HopSol.

Absicherung mit Akkreditiven

Akkreditive werden bei Exporten häufig verwendet. Sie gewährleisten Sicherheit: dem Verkäufer für die Zahlung und dem Käufer für die Lieferung. Dabei verpflichtet sich die Bank des Käufers im Ausland, dem Verkäufer via dessen Bank in der Schweiz einen vereinbarten Betrag zu zahlen. Je nach Ausgestaltung des Exportgeschäftes kommen unterschiedliche Formen und Kombinationen von Akkreditiven zum Einsatz:

  • Unbestätigt: Von den am Akkreditiv beteiligten Banken übernimmt nur die eröffnende Bank (des Käufers) eine Zahlungsverpflichtung.
  • Bestätigt: Zusätzlich übernimmt auch die Bank des Verkäufers eine Zahlungsverpflichtung und deckt damit das politische Risiko sowie das Transferrisiko ab.
  • Auf Sicht: Die Zahlung erfolgt unmittelbar nach Vorlage der entsprechenden Dokumente.
  • Mit aufgeschobener Zahlung: Die Zahlung erfolgt zu einem im Akkreditiv festgelegten Fälligkeitstag, zum Beispiel 180 Tage nach Lieferung.
  • Übertragbar: Das Akkreditiv kann, wie im Falle von HopSol als Generalunternehmer, einmal übertragen werden – insgesamt sind also drei Banken und drei Geschäftsparteien involviert.

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