Martin Strehl hat als Miteigentümer und CEO wesentlich zum erfolgreichen Wachstum und zur Internationalisierung des Technologieunternehmens Schleuniger AG beigetragen. Heute setzt er seine grosse unternehmerische Erfahrung als Investor und Verwaltungsrat ein. Martin Strehl ist Miteigentümer und VRP beim Startup Eversys AG, Ardon (VS), Miteigentümer und VRP bei der gravuretec SA, Erlach (BE), VR bei der SOTAX AG, Allschwil (BL) sowie Beirat in weiteren Schweizer KMU. Bild: Thomas Knecht

Was sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung von Wachstumsplänen eines Unternehmens?

Erstens braucht es eine gemeinsame und seriöse Einschätzung, wohin die Reise führen kann und wohin sie führen soll. Sprechen wir von einem jährlichen Wachstum von 10 bis 20 Prozent oder wollen und können wir das Volumen in fünf Jahren verzehnfachen?

Darauf basierend braucht es als Zweites eine rollende Mittelfristplanung, welche dem operativen Geschäft immer zwei Schritte voraus ist. Die wichtigen Themen dieses Plans sind durch den VR rechtzeitig und hartnäckig einzuspeisen, damit wegen des hektischen Tagesgeschäfts nicht wachstumsrelevante Projekte vergessen oder vernachlässigt werden.

Drittens braucht es eine ausgewogene operative Umsetzung der Wachstumspläne. Die verschiedenen Bereiche müssen parallel entwickelt werden. Ein Fokus auf den Vertriebsausbau wird implodieren, wenn die Supply Chain nicht frühzeitig auf die höheren Mengen vorbereitet wird. Deshalb gilt es, die stets knappen Ressourcen auf die Wachstumspläne abzustimmen. So gut die Pläne aber auch sein mögen, die Realität entwickelt sich immer anders. Und diese Abweichungen und neuen Signale müssen ernst genommen und bei Bedarf die Pläne hinterfragt und angepasst werden.

Und last but not least braucht es Leadership und eine gute Unternehmenskultur, um mit möglichst wenig interner Abwärme rasch vorwärtszukommen.

Auf welche Punkte achten Sie als Investor bei der Prüfung einer Firma besonders?

Es sind grundsätzlich immer Markt, Produkt und Menschen, die stimmig sein müssen. Ich investiere in Unternehmen, deren Produkte durch Innovation überzeugen und die auf einen bestehenden, interessanten Markt abzielen. Ich investiere nicht in Produkte oder Produktideen, für die der Markt zuerst noch entwickelt werden muss.

Was ist Ihnen als engagierter Verwaltungsrat bei der Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung besonders wichtig?

Bei jungen Unternehmen muss die Schnittstelle der Zusammenarbeit pragmatisch gelöst werden, d.h., ich möchte so nah dran sein, wie ich es für erforderlich und für das Unternehmen und die Zusammenarbeit als hilfreich erachte. Das geht dann meistens über die klassische Aufgabenteilung VR–GL hinaus, muss aber in einvernehmlicher Abstimmung mit CEO/GL erfolgen. Mir ist ein enger regelmässiger Informationsaustausch wichtig und ebenfalls eine gemeinsame Einschätzung, über welche Ereignisse wann informiert werden muss.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Kreditmöglichkeiten für KMU und Jungunternehmen bei Schweizer Banken?

Die Anforderungen an die Kreditmöglichkeiten für KMU haben sich in den letzten Jahren erhöht. Die Kompetenzen für die Kreditvergabe wurden insbesondere bei den Grossbanken vermehrt von der Front weg zur Zentrale verschoben, wodurch sicher die Objektivität der Kreditbeurteilung verbessert wurde. Die Beurteilung des Potenzials eines KMU ist aber nicht nur über objektive Daten und Businesspläne machbar. Hier spielen persönliche Einschätzungen zu den Themen Eigentümer/Management, Produkt und Markt eine ebenso wichtige Rolle. Diese lassen sich aber nur beschränkt durch einen Standardprozess abbilden, sondern erfordern von den Bankern im Firmenkundenbereich eigenes unternehmerisches Urteilsvermögen und von der Bank selber eine gesunde Risikobereitschaft, die sie sich ja über ihre Marge letztlich auch bezahlen lässt. In dieser Hinsicht würde ich mir wieder mehr Kompetenz und Unternehmerspielraum für die Banker an der regionalen Front wünschen.

Wie beurteilen Sie als VRP von Eversys AG, einer mit dem «SEF.High-Potential KMU»-Label ausgezeichneten Firma, die WachstumsinitiativeSEF4KMU?

Den Prozess für das Label hatten wir anfänglich sicher unterschätzt, merkten dann aber rasch, dass dies ein hochprofessionelles und hilfreiches Audit ist, welches einem selber die Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens deutlich vor Augen führt. Wir haben nicht nur vom Erlangen des Labels profitiert, welches uns Zugang zu einer substanziellen Bankenfinanzierung verschafft hat, sondern haben uns selber im Rahmen dieses Prozesses intern verbessern können. Ich kann dieses Programm nur empfehlen.