
Rohstoffe sind nach wie vor eine der wenigen bedeutenden Anlageklassen, die viele Anlegerinnen und Anleger nicht im Portfolio halten. Anders als Aktien, die ein Gewinnwachstum generieren, oder Anleihen, die Erträge bieten, können Rohstoffe komplexer, zyklischer und anfälliger für das Auf und Ab im Konjunkturzyklus erscheinen.
Doch das aktuelle Umfeld ist von hoher Inflationsunsicherheit, geopolitischer Zersplitterung, der Energiewende und zunehmenden Bedenken über die Zuverlässigkeit der traditionellen Diversifikation zwischen Aktien und Anleihen geprägt. Die Anlageargumente für Rohstoffe verdienen daher unseres Erachtens eine erneute Betrachtung.
In diesem Artikel beleuchten wir vier Fragen zur potenziellen Rolle von Rohstoffen in einem breiter ausgerichteten, diversifizierten Portfolio. Wir untersuchen auch, wie Rohstoffpositionen Anlegern möglicherweise helfen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Näheres zu unseren einzelnen Präferenzen bei Rohstoffen finden Sie in unseren «Botschaften im Fokus».
Was können Rohstoffe für ein Portfolio leisten?
Das stärkste Anlageargument für Rohstoffe ist der Aspekt der Diversifikation. Anders als bei Aktien und Anleihen werden die Renditen von Rohstoffen vor allem von der Dynamik aus physischem Angebot und Nachfrage, dem Umfang der Vorräte, Produktionsbeschränkungen und der Wirtschaftstätigkeit beeinflusst. Historisch gesehen weisen Rohstoffe bei den Renditen daher relativ geringe Korrelationen mit traditionellen finanziellen Vermögenswerten auf.
Die Vorteile dieser Diversifikation zeigen sich insbesondere dann, wenn sich Aktien und Anleihen in dieselbe Richtung entwickeln. In den letzten beiden Jahrzehnten profitierten die Anleger lange Zeit von negativen Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen. Doch bei einer erhöhten Inflation können beide Anlageklassen gleichzeitig unter Druck geraten. In einem solchen Umfeld stellen Rohstoffe traditionell eine wertvolle Diversifikationsquelle dar, weil ihre Renditen von grundlegend anderen Faktoren bestimmt werden. Zwischen 1990 und 2024 hätte sich durch eine Position von 10% in Rohstoffen (UBS CMCI Total Return Index) in einem 60/40-Portfolio die annualisierte Rendite laut Daten von UBS und Bloomberg von 6,6% auf 6,8% erhöht. Die Volatilität wäre dagegen von 9,2% auf 8,8% gesunken und die Sharpe Ratio (eine Kennzahl für die risikobereinigten Renditen, bei der ein höherer Wert besser ist) von 0,36 auf 0,39 gestiegen.
Rohstoffe bieten Anlegern zudem eine der klarsten Möglichkeiten zur Absicherung gegen Inflation. Die Energie- und Lebensmittelpreise sind in Kennzahlen zur Inflation direkt enthalten. Das bedeutet, dass die Rohstoffpreise häufig parallel zum Inflationsdruck steigen. Historische Analysen belegen, dass sich breite Rohstoffengagements in Zeiten, in denen die Inflation über den Markterwartungen liegt, besonders gut entwickeln.
Auch die strategischen Rahmenbedingungen bieten Unterstützung. Langfristige Themen, wie zu niedrige Investitionen in die Ressourcenproduktion, Elektrifizierung, Dekarbonisierung, strategische Ressourcensicherheit (Energie, kritische Mineralien) und klimabedingte Versorgungsprobleme, verändern die Rohstoffmärkte. Diese strukturellen Trends können Chancen schaffen, die sich von jenen an den Aktien- und Anleihenmärkten erheblich unterscheiden.
Trotz all ihrer potenziellen Vorzüge sollten Anleger Rohstoffe nicht als ein Instrument zur Verlustbegrenzung betrachten. Einige Rohstoffe wie Gold können bei Marktstress zwar die Resilienz erhöhen. Doch die vorliegenden Belege deuten darauf hin, dass sich die beständigsten langfristigen Vorteile eher aus der Diversifikation und Inflationssensitivität ergeben als aus der Schutzfunktion in einer Krise. Selbstverständlich ist die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für künftige Ergebnisse.
Wie viel Vermögen sollten Anleger in Rohstoffen halten?
Auf diese Frage zur Allokation gibt es keine allgemeingültige Antwort. Das optimale Engagement hängt von den Zielen und der Risikotoleranz des Anlegers, der bestehenden Portfoliozusammensetzung und den gesamtwirtschaftlichen Aussichten ab.
Unsere Analysen deuten jedoch darauf hin, dass für viele Anleger eine Allokation im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich ein angemessener strategischer Ausgangspunkt ist. Eine solche Allokation ist gross genug, um die Diversifikation zu verbessern und die Inflationssensitivität zu erhöhen, aber auch klein genug, um die Auswirkungen der Volatilität an den Rohstoffmärkten auf die Gesamtentwicklung des Portfolios zu begrenzen.
Rohstoffe können sich über längere Zeit schwächer entwickeln als Aktien und Anleihen. Anleger sollten ihre Allokation daher so wählen, dass sie realistischerweise bei unterschiedlichen Marktlagen an ihr festhalten können.
Aus welchen Anlageklassen sollten Anleger Rohstoffengagements finanzieren?
Die potenziellen Vorteile von Rohstoffengagements hängen nicht nur davon ab, wie viel Anleger investieren, sondern auch davon, wie sie dies finanzieren.
Historische Analysen deuten darauf hin, dass bei einer Finanzierung von Rohstoffengagements zu rund einem Drittel aus Aktien (S&P 500) und zwei Dritteln aus Anleihen (Bloomberg US Aggregate) die Gesamtvolatilität im Portfolio weitgehend unverändert bleibt. Wir sind überzeugt, dass bei diesem Ansatz das Renditepotenzial grösser bleibt als bei einer rein proportionalen Reduzierung aller Anlageklassen. Zugleich dürften Rohstoffe damit ihre Diversifikationsvorteile ausspielen können.
Welche Finanzierungsquelle für den jeweiligen Anleger am besten geeignet ist, hängt jedoch von seinen Zielen ab.
Anleger, die vor allem über die Inflation besorgt sind, möchten ihr Rohstoffengagement vielleicht überwiegend aus Anleihen finanzieren. Die Inflation ist für Anleihen gewöhnlich eine Herausforderung, wohingegen Rohstoffe häufig von ihr profitieren.
Andererseits finanzieren Anleger, die den Schwerpunkt auf Wachstumsrisiken und Rückgänge an den Aktienmärkten legen, ihre Rohstoffengagements möglicherweise lieber verstärkt aus Aktien.
Wie schneidet der Rohstoffansatz des Chief Investment Office (CIO) im Vergleich zu anderen Anlageinstrumenten ab?
Ein Engagement in Rohstoffen lässt sich über breite Rohstoffindizes, börsengehandelte Fonds oder aktiv verwaltete Strategien erreichen. Passive Ansätze zeichnen sich zwar durch Einfachheit aus, nutzen die Chancen, die sich in verschiedenen Rohstoffsektoren und unterschiedlichen Marktumfeldern bieten, aber möglicherweise nicht in vollem Umfang aus.
Dies ist die Überlegung, die der CIO Active Commodity Strategy zugrunde liegt.
Bei der Konzeption dieser Strategie standen drei sich ergänzende Renditetreiber im Vordergrund. Erstens verwaltet sie das Gesamtengagement in Rohstoffen aktiv anhand einer systematischen Beurteilung der Konjunktur- und Marktbedingungen. Zweitens stützt sie sich auf eine aktive Sektorallokation auf Basis der Einschätzungen des CIO für Bereiche wie Energie, Industriemetalle, Landwirtschaft, Vieh und Edelmetalle. Drittens strebt sie an, die Renditen durch aktives Management der Sicherheiten zu erhöhen, mit denen Positionen in Rohstoff-Futures hinterlegt sind.
Dieser Ansatz spiegelt den Umstand wider, dass sich die Attraktivität von Rohstoffen mit der Zeit verändert. Die Inflationserwartungen entwickeln sich, das Wirtschaftswachstum beschleunigt und verlangsamt sich und die sektorspezifische Dynamik von Angebot und Nachfrage ändert sich ständig. Ein aktives Management versucht, sich an diese veränderlichen Bedingungen anzupassen, anstatt über den gesamten Zyklus hinweg ein statisches Engagement beizubehalten.
Anleger sind mittlerweile mit einem komplexeren Umfeld konfrontiert als in einem Grossteil des letzten Jahrzehnts. Die Inflationsrisiken bleiben erhöht, die geopolitischen Spannungen beeinflussen weiterhin die Märkte und Diversifikation zwischen Aktien und Anleihen ist nicht garantiert.
Vor diesem Hintergrund können Rohstoffe unserer Ansicht nach eine attraktive Ergänzung für traditionelle Portfolios sein.
Weitere Einzelheiten zu Rohstoffen in einem Portfoliokontext finden Sie in unserem Blog «10-4 on commodities: 10 takeaways, including 4 investment rationales» (vom 30. Juni 2026, nur auf Englisch verfügbar).