Einblicke in die Anlagestrategie Verlieren Sie in einem regen Marktumfeld nicht die langfristigen Alternativen aus dem Auge

Die Relevanz alternativer Anlagen für langfristig orientierte Anleger bleibt unverändert.

von Matthew Carter 09. Sep 2026

Wenn sich die Nachrichtenlage rasch ändert und die Märkte unruhiger werden, besteht leicht die Gefahr, die Portfolios ausschliesslich auf kurzfristige Risiken und Chancen auszurichten.

Geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche und sich wandelnde geldpolitische Erwartungen haben die Volatilität an den Märkten erhöht.

Allerdings sollten kurzfristige Schwankungen nicht von langfristigen Investitionsplänen ablenken. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass alternative Anlagen unverzichtbar sind, um wirklich diversifizierte Renditequellen zu erschliessen und stabilere, robustere Portfolios aufzubauen.

Hedge Funds können vom aktuellen Stock-Picker-Markt profitieren.
Sie bündeln das Kapital der Anlegerinnen und Anleger und nutzen flexible Mandate, um in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Derivate zu investieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Investmentfonds können Hedge Funds sowohl Long- als auch Short-Positionen eingehen und Strategien anwenden, mit denen sich Chancen in steigenden, fallenden oder verzerrten Märkten nutzen lassen.

Ihr Wertpotenzial geht über die reinen Gesamtrenditen hinaus. Hedge Funds können «Alpha» erzielen, indem sie Fehlbewertungen, Kapitalereignisse, Unterschiede zwischen verwandten Wertpapieren oder globale Wirtschaftstrends nutzen.

Wir bevorzugen unvermindert diskretionäre Manager, da diese über ausreichend Spielraum verfügen, um ihre Positionierung an politische und geopolitische Veränderungen anzupassen.

Ferner erkennen wir weiterhin Chancen bei aktienmarktneutralen und Multi-Strategy-Fonds, die dank ihrer flexiblen Positionierung rund um wirtschaftliche Entwicklungen sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten eine Rendite erzielen können. Die Equity-Hedge-Strategie verzeichnete im 1. Halbjahr die beste Wertentwicklung. Sie erzielte laut HFRI-Daten +9,5%, gestützt durch die hohe Streuung der Aktienrenditen und bessere Möglichkeiten bei der Titelauswahl.

Die Renditemuster solcher Strategien weisen zudem eine potenziell geringere Korrelation zu herkömmlichen Aktien und Anleihen auf, was zur Diversifikation von Portfolios und zur Begrenzung von Verlusten beitragen könnte. Eine Analyse des CIO von Daten aus den Jahren 1997 bis 2024 veranschaulicht den potenziellen Portfolioeffekt: Durch Beimischung einer Allokation von 20% in Hedge Funds in einem Portfolio, das ursprünglich zu jeweils 50% aus Aktien und Anleihen bestand, hätte man die annualisierten Renditen von 5,7% auf 5,9% steigern und die Volatilität von 9,2% auf 8,5% senken können.

Zu den potenziellen Anlageformen zählen Hedge Funds, die Einzelstrategien mit Schwerpunkt auf einem bestimmten Anlageansatz verfolgen, Multi-Strategy-Fonds, die mehrere Strategien unter einem Dach vereinen, sowie Dachfondsstrukturen (Funds of Hedge Funds, FoHF), die in eine Reihe von Hedge Funds investieren und so eine Diversifikation über verschiedene Anlagestile und Teilstrategien hinweg ermöglichen.

Für Erstanleger ist ein Investitionsplan, der auf die eigenen Ziele, die Risikobereitschaft und den Liquiditätsbedarf abgestimmt ist, ein guter Ausgangspunkt. Eine typische Allokation könnte bei 8% bis 12% des Gesamtportfolios liegen, aufgeteilt zwischen «Kern»-Strategien, die eine Diversifikation anstreben, und «Satelliten»-Anlagen, mit denen bestimmte Ziele verfolgt werden. Anleger sollten vor einer Anlage die Manager, Gebühren, Transparenz, Hebelwirkung, Sperrfristen und operativen Kontrollmechanismen prüfen. Einzelstrategie-, Multi-Strategy- und FoHF-Strukturen weisen ein unterschiedliches Mass an Diversifikation und Komplexität auf.

Privatmärkte: Langfristige Überzeugung bei selektiver Vorgehensweise
Die Privatmärkte können Zugang zu Unternehmen, Infrastruktur und Strategien bieten, in die über öffentliche Märkte nicht investiert werden kann. Ihre langfristige Ausrichtung kann Anlegern helfen, von strukturellen Chancen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, Energiesicherheit und Deglobalisierung zu profitieren.

Über einen vollen Konjunkturzyklus dürften Privatmarktanlagen unserer Einschätzung nach Renditen erzielen, die im Durchschnitt 1 bis 2 Prozentpunkte über denen der öffentlichen Märkte liegen. Die höheren Renditen bieten eine Entschädigung für spezifische Risiken wie Illiquidität, Komplexität, weniger vorhersehbare Cashflows und eine langwierigere Wertrealisierung.

Die jüngsten Herausforderungen – darunter schwierigere Bedingungen für Private-Equity-Manager beim Verkauf von Beteiligungen und weniger attraktive kurzfristige Risiko-Rendite-Aussichten bei Private Debt – zeigen, wie wichtig Selektivität bei der Auswahl ist.

Im Private-Equity-Bereich gewinnt die 2025 einsetzende Erholung mittlerweile an Fahrt. Wegen der höheren Zinsen und des verstärkten Wettbewerbs sind jedoch die Auswahl der Manager, die operative Wertschöpfung und eine disziplinierte Herangehensweise ausschlaggebend.

Im Bereich Private Debt spielt die direkte Kreditvergabe nach wie vor eine wichtige Rolle. Allerdings ist angesichts enger Spreads und einer Normalisierung der Ausfallraten Vorsicht geboten.

Im Immobilien- und Infrastrukturbereich sollten Anleger sichtbare Erträge, stabile Cashflows, ein diszipliniertes Zinsmanagement und bestehende Vermögenswerte gegebenenfalls auf Kosten von Entwicklungsprojekten priorisieren.

Zu den praktischen Massnahmen für Erstanleger gehören die zeitliche Staffelung von Kapitalzusagen und die Diversifikation über verschiedene Strategien, Sektoren, Regionen, Manager und Jahrgänge hinweg. Ausserdem sollten sie sicherstellen, dass ausreichende Liquidität für Kapitalabrufe und anderweitige Bedürfnisse vorhanden ist.

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