
Schweizer Aktien gehören für hiesige Anlegerinnen und Anleger oft zum Kern ihres Portfolios. Innerhalb des heimischen Marktes lohnt sich unserer Ansicht jetzt ein genauerer Blick auf eine oft unterschätzte und auch ignorierte Anlageklasse: Schweizer Mid Caps. Sie verbinden die Stabilität des Standorts Schweiz mit einem attraktiven Wachstumsprofil. In den kommenden Quartalen könnten sie die grossen Blue Chips übertreffen. Diese Kombination dürfte sie auch für internationale Anleger äusserst spannend machen.
Mid Caps sind oft in spezialisierten Nischen aktiv, zum Beispiel in Industrie, Gesundheitswesen oder Konsumgütern. Sie wachsen häufig schneller als viele etablierte Grosskonzerne. Gründe sind Innovation, internationale Expansion und steigende Marktanteile. Zwischen 2016 und 2025 erzielten Schweizer Mid Caps ein durchschnittliches organisches Umsatzwachstum von 7,4 Prozent pro Jahr. Bei den Large Caps waren es 5,1 Prozent. Der Vorsprung liegt damit bei 2,3 Prozentpunkten pro Jahr.
Dazu kommt: Viele Mid Caps verfügen über sehr solide Bilanzen. Gemessen an der Kennzahl Nettoverschuldung zu EBITDA liegt der Durchschnitt der SMIM-Unternehmen knapp unter dem Faktor eins. Die SMI-Konzerne liegen leicht darüber. Rund 17 Prozent des SMIM-Gewichts entfallen auf Unternehmen mit Netto-Cash-Position, beim SMI sind es 8 Prozent. Diese finanzielle Stärke gibt Mid Caps Spielraum, auch in schwierigeren Phasen weiter zu investieren und Wachstumschancen zu nutzen.
Auch der Zeitpunkt ist interessant. Führende Einkaufsmanagerindizes deuten auf eine Beschleunigung der globalen Konjunktur hin. Historisch reagieren die Margen von Mid Caps sensibler auf den Konjunkturzyklus als jene der eher defensiven Grosskonzerne. Nach Belastungen durch einen starken Franken, höhere Inputkosten und geopolitische Unsicherheiten erwarten wir für 2026 und 2027 eine deutliche Erholung der operativen Margen im SMIM. Das kann Gewinne und Kurse zusätzlich antreiben.
Ein weiterer möglicher Auslöser sind die anstehenden Indexanpassungen nach Börsenschluss am 18. September. Der SMIM wird zyklischer ausgerichtet sein. Industrie- und IT-Werte erhalten höhere Gewichte, defensive Gesundheits- und Basiskonsumtitel eine deutlich geringere Gewichtung. Gleichzeitig wird der SMI noch defensiver. Damit sind Mid Caps aus Indexsicht besser positioniert, um von einer globalen Erholung in Handel, Produktion und Investitionen zu profitieren.
Auch die Bewertung spricht für einen selektiven Aufbau. Die Prämie der Mid Caps gegenüber den Large Caps hat seit ihrem Hoch im Jahr 2018 deutlich nachgelassen. Über die letzten 20 Jahre handelten SMIM-Titel im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis, das rund 22 Prozent über dem des SMI lag. Dieses Plus lässt sich durch höheres Wachstum und stärkere Bilanzen begründen. Nach der Entfernung eines hoch bewerteten Indexmitglieds sehen wir zusätzlichen Spielraum für eine Neubewertung, wenn sich die Gewinnentwicklung verbessert.
Welche Risiken sollten Anleger im Blick behalten? Die höhere Konjunktursensitivität von Mid Caps ist Chance und Risiko zugleich. Sollte sich die globale Wirtschaft eintrüben, könnten Umsatzwachstum und Margenerholung hinter den Erwartungen zurückbleiben. Ein deutlich stärkerer Schweizer Franken – insbesondere gegenüber dem Euro – würde zudem die Wettbewerbsfähigkeit exportorientierter Unternehmen belasten und sich negativ auf ausgewiesene Gewinne auswirken. In Phasen erhöhter Risikoaversion oder sinkender Marktliquidität tendieren Investoren häufig zu grossen, defensiven Titeln. Das kann die relative Entwicklung von Mid Caps zeitweise dämpfen und zu stärkeren Kursschwankungen führen. Diese Faktoren sprechen für einen gut diversifizierten, schrittweisen Aufbau der Positionen und eine Einbettung in eine breit aufgestellte Gesamtstrategie.
Unser Fazit? Wenn Sie Ihr Schweizer Aktienengagement breiter aufstellen und das Potenzial einer konjunkturellen Erholung nutzen möchten, bieten Mid Caps derzeit interessante Chancen. Statt auf einzelne Titel zu setzen, kann ein breit gestreuter Zugang über den SMIM-Index helfen, das spezifische Unternehmensrisiko zu reduzieren. Gleichzeitig profitieren Sie von den strukturellen und zyklischen Stärken dieses Segments. Im Rahmen Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und Anlagestrategie kann eine schrittweise Übergewichtung von Schweizer Mid Caps gegenüber Large Caps sinnvoll sein, auch, um die Auswirkungen von global Risikofaktoren auf die Aktienmärkte zu reduzieren.