
Zum Zeitpunkt der Niederschrift notierten globale Aktien gemessen am MSCI All Country World Index im Bereich ihrer Allzeithochs. Die Öl- und Gaspreise steigen zwar, weil die Hoffnung auf ein dauerhaftes Abkommen zwischen den USA und dem Iran schwindet. Die Kombination aus nachlassender US-Inflation und soliden Gewinnen innerhalb und ausserhalb der KI-Wertschöpfungskette hat Aktien jedoch positive Impulse gegeben. US-Aktien (S&P 500 Index) sind dieses Jahr auf neue Rekordhochs geklettert.
Doch die Rally beschränkte sich nicht auf US-Aktien. Wir erwarten zwar, dass der S&P 500 bis zum Jahresende weiter zulegen dürfte, sind aber auch überzeugt, dass die Anlegerinnen und Anleger die attraktiven Chancen an den europäischen und asiatischen Märkten nicht ausser Acht lassen sollten.
Von besonders grosser Bedeutung ist dies in einem Umfeld, in dem die US-Märkte weiterhin sehr stark abhängig von KI sind und hohe Konzentrationsrisiken bestehen. Nun könnte der richtige Zeitpunkt sein, sich für eine Ausweitung der Aktienrally zu positionieren.
Erstens sollten europäische Anleger auf den eigenen Kontinent blicken. Wir sind überzeugt, dass europäische Aktien Spielraum haben, um zu steigen und neue Hochstände zu erreichen. Die Unternehmen im Stoxx Europe 600 sind auf dem besten Wege, das stärkste Gewinnwachstum in einem 2. Quartal seit vier Jahren zu erzielen. Die Region profitiert nicht nur von kurzfristig positiven Faktoren, sondern auch von einem beständigeren Investitionszyklus, der von steigenden Ausgaben für Verteidigung, Infrastruktur, KI, Automatisierung, Elektrifizierung und Energiesicherheit getragen wird. Europäische Aktien reagieren weiterhin empfindlicher auf Störungen an den Energiemärkten als US-Aktien. Doch die stärker werdende Geschäftsaktivität, die bessere Auftragsentwicklung und die fiskalpolitischen Impulse in Deutschland dürften die Erholung breiter abstützen. Daher bieten Rückgänge oder Konsolidierungsphasen infolge grösserer geopolitischer Spannungen unseres Erachtens eine Chance, bei Kursschwäche zu kaufen. Dies sollte entweder auf der Grundlage eines Finanzplans oder systematisch anhand von Hilfsmitteln wie strukturierten Strategien erfolgen. Innerhalb des Markts bevorzugen wir Banken, die Sektoren Gesundheitswesen, Industrie und zyklische Konsumgüter sowie Deutschland und Unternehmen in unserem Thema «Führende europäische Unternehmen».
Zweitens finden wir japanische Aktien interessant. Die Unternehmensgewinne in Japan sind robust und das Wachstum der operativen Gewinne lag im 2. Quartal bei mehr als 20% gegenüber dem Vorjahr. Zudem stützen positive Gewinnüberraschungen die Aussichten. Wir sind der Ansicht, dass der Markt einen zyklischen Boden ausgebildet haben dürfte und sich durch die jüngste Tieferbewertung attraktive Niveaus für einen Einstieg in Qualitätsunternehmen mit beständigem Gewinnwachstum bieten. Wir bevorzugen ausgewogene Engagements in Unternehmen mit KI-Bezug, unter anderem in Halbleiterausrüstern, sowie in Unternehmen, die vom steigenden Strombedarf im Zusammenhang mit Elektrifizierung, Digitalisierung und Investitionen in die KI-Infrastruktur profitieren dürften. Im Einklang mit unserer Einschätzung, dass die Marktentwicklung nach und nach durch weitere Sektoren abgestützt werden dürfte, finden wir auch Gewinner der zyklischen Erholung wie Banken und den Sektor Maschinenbau interessant. Anleger, die selbst nicht in Einzeltitel investieren wollen, können aktiv verwaltete Instrumente in Betracht ziehen, die sich auf Japans grösste Unternehmen konzentrieren. Dazu zählen unter anderem Unternehmen, deren Bewertungen ihr Gewinnwachstumspotenzial nicht ausreichend widerspiegeln.
Drittens lohnt sich ein neuer Blick auf die Region Asien / Pazifik insgesamt. Unsere positive Haltung gegenüber Asien ohne Japan beruht auf unserer Gewinnwachstumsprognose von 72% in diesem und 20% im nächsten Jahr. Dieses Wachstum dürfte von der Lieferkette für KI-Hardware und der Erholung in zyklischen Segmenten in der Region getragen werden. Innerhalb der Region beurteilen wir Aktien aus Festlandchina nach wie vor positiv und bevorzugen A-Aktien gegenüber H-Aktien. Die Verbesserung der Gewinndynamik – angetrieben von den Sektoren IT und Gesundheitswesen – sowie die politische Unterstützung, die robusten Exporte und die fortschreitende KI-Nutzung dürften das Wachstum unterstützen. Zugleich bleiben die Bewertungen attraktiv, insbesondere an den Offshore-Märkten. In Indien stützen das verbesserte makroökonomische Umfeld, das beschleunigte Gewinnwachstum und die attraktiveren Bewertungen unsere Hochstufung auf «Attraktiv». Ausserdem besteht Potenzial für eine relative Erholung, wenn sich das Gewinnwachstum wieder verstärkt. Für Anleger könnte sich ein Blick auf Baustein-Ansätze lohnen, die den Schwerpunkt auf Schwellenländer im Allgemeinen legen (Asien macht einen Grossteil des MSCI Emerging Market Index aus). Vor allem bei Anlagen in weniger gut analysierten Teilen der asiatischen Märkte könnten auch aktiv verwaltete Ansätze interessant sein, die das umfassende Research und den Portfolioaufbau auf andere übertragen.
Im aktuellen Umfeld, in dem sich die Aktien in vielen grossen Indizes überaus unterschiedlich entwickeln und die Differenz zwischen den Spitzenreitern und Schlusslichtern an den Aktienmärkten erheblich ist, scheint uns Diversifikation besonders wichtig. Dies gilt umso mehr für viele eigenverantwortlich agierende Anleger. Grosse Performanceunterschiede zwischen Aktien bedeuten, dass die Portfolioergebnisse mehr denn je von den Beständen der Anleger abhängen. Unter Ausklammerung der strategischen Positionen zeigen unsere Analysen, dass nahezu 40% der Aktienanleger, die ihre Anlagen auf unserer Plattform selbst verwalten, mehr als die Hälfte ihrer Aktienportfolios in nur zehn oder weniger Titeln halten. Dadurch erhöht sich das Risiko. Für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Chancen und Konzentrationsrisiken sollten Anleger sicherstellen, dass ihre Kernallokation in Aktien breit über unsere bevorzugten Regionen, Sektoren und Instrumente diversifiziert ist.