
Volatilität im Technologiesektor belastete die Aktienmärkte im Juli. Halbleitertitel gerieten massiv unter Druck und der Philadelphia Semiconductor Index büsste im Monatsverlauf 20,6% ein. Der Abverkauf spiegelte die wachsenden Bedenken über die Nachhaltigkeit und Finanzierung der Investitionen in die KI-Infrastruktur sowie die schärfere Konkurrenz aus China wider. Sorgen weckte zudem die Frage, ob die Hyperscaler in der Lage sein werden, ihr Investitionstempo aufrechtzuerhalten und zugleich die starke Cloud-Nachfrage in ein beständiges Umsatzwachstum zu verwandeln.
Unser Ausblick für den Halbleitersektor bleibt angesichts der robusten KI-Nachfrage positiv. Nach unserer Meinung deckt sich die zuletzt auseinanderdriftende Sektorperformance aber mit unserer Einschätzung, dass es mehr Möglichkeiten gibt, an potenziellen Marktanstiegen teilzuhaben, als über eine kleine Zahl von Aktien mit KI-Bezug. Tatsächlich sank der gesamte US-Aktienmarkt (S&P 500) im Juli um 0,1%, wohingegen der gleichgewichtete S&P 500 um 0,9% stieg. Dies weist darauf hin, dass nicht mehr nur die grössten Unternehmen für die Anstiege verantwortlich sind.
Wir rechnen mit einem fortgesetzten Aufwärtstrend der Aktienmärkte, da sich die guten Unternehmensgewinne über den KI-Bereich hinaus ausweiten dürften. Aufgrund der bedeutenden Performanceunterschiede zwischen einzelnen Aktien hängen die Portfolioerträge jedoch mehr denn je von der Titelauswahl der Anlegerinnen und Anleger ab.
Anleger sollten unseres Erachtens gewährleisten, dass ihre Kernallokation in Aktien breit über unsere bevorzugten Regionen, Sektoren und Renditetreiber diversifiziert ist. Aufgrund der jüngsten Marktschwankungen fragen sich die Anleger aber möglicherweise, wie sie am besten mit der vom Technologiesektor ausgehenden Volatilität umgehen und Rückgänge für Käufe nutzen können.
Wir präsentieren drei Möglichkeiten, wie Anleger, die unsere positive Haltung gegenüber globalen Aktien teilen, die aktuellen Turbulenzen nutzen können, um ihre Aktienpositionen auf disziplinierte Weise zu erhöhen:
Portfolios neu gewichten. Starke Aktienkursbewegungen könnten bedeuten, dass sich die Portfolios von ihren strategischen Allokationen entfernt haben. Das CIO empfiehlt eine Neugewichtung: Titel verkaufen, die eine relative Outperformance erzielt haben, Aktien kaufen, die eine relative Underperformance erzielt haben, und zu den langfristigen Vermögensallokationen zurückkehren. Dieser disziplinierte Ansatz hilft, Gewinne zu sichern, das Risiko zu steuern und in zukünftigem Wachstum engagiert zu bleiben. Er bietet ausserdem eine Möglichkeit, die Positionen in Rohstoffen, Währungen und alternativen Anlagen zu überprüfen und eine ausgewogene Kombination von Anlagen zu gewährleisten, die den aktuellen Marktbedingungen und der persönlichen Risikotoleranz Rechnung trägt.
Die regelmässige Neugewichtung ist ein Kernelement des professionellen Portfoliomanagements institutioneller Anleger. Eigenverantwortlich agierende Anleger können versuchen, diese Routine nachzuahmen, insbesondere bei volatilen Märkten. Dadurch können sie eine emotionsgesteuerte Entscheidungsfindung möglicherweise verhindern und sich weiterhin auf ihre langfristigen Ziele konzentrieren.
Einen stufenweisen Plan entwickeln und befolgen. Historisch gesehen würden Anleger mit überschüssiger Liquidität profitieren, wenn sie diese in ein ausgewogenes Portfolio investieren, selbst wenn sich Aktien mitten in einer Abwärtsbewegung befinden.
Barmittel und kurzfristige Anleihen, die auf Sicht von drei bis fünf Jahren nicht zur Finanzierung von Ausgaben benötigt werden, lassen sich unter Umständen auf bessere Weise an den Märkten einsetzen, sei es auf einmal oder stufenweise mit einer entsprechenden Strategie.
Um die Wirksamkeit einer stufenweisen Strategie zu verbessern, sollten Anleger unseres Erachtens nur die Aktienallokation in ihrem Portfolio sukzessive aufbauen. Ihre Allokationen in Anleihen und alternativen Anlagen sollten sie hingegen umgehend erwerben, weil das Risiko eines schlechten Timings hierbei geringer ist. Ein schrittweiser Plan, der einen Zeitraum von zwölf Monaten abdeckt, kann bei zunehmender Volatilität ein diszipliniertes Vorgehen gewährleisten. Gleichwohl können Anleger bei einem Abverkauf mit einem Marktrückgang um 5% oder 10% erwägen, das Anlagetempo zu erhöhen und die ganze restliche überschüssige Liquidität oder den grössten Teil davon zu investieren.
Wie immer sollte eine stufenweise Strategie mit einem breiter gefassten Finanzplan im Einklang stehen, der auf die persönlichen Ziele und Risikotoleranzen des jeweiligen Anlegers zugeschnitten ist.
Strukturierte Strategien nutzen, um Renditen zu erzielen und Aktien «im Ausverkauf» zu kaufen. Mit Strategien wie strukturierten Anlagen können Anleger während des stufenweisen Portfolioaufbaus von steigenden Märkten profitieren und zugleich die Opportunitätskosten eines schrittweisen Markteinstiegs senken.
Anleger sollten unseres Erachtens insbesondere Reverse Convertibles in Betracht ziehen. Sie sind eine Art von strukturierter Anlage, die eine Anleihe mit einer Put-Option kombiniert, welche auf einen Basiswert wie eine Aktie, einen Index, ein Währungspaar oder einen Rohstoff bezogen ist. Diese Anlagen bieten potenziell höhere Renditen als der Markt und könnten daher für Anleger attraktiv sein, die überdurchschnittliche Erträge anstreben.
Anleger können sie als defensivere Möglichkeit zum Kauf eines Vermögenswerts in Betracht ziehen, vor allem wenn sie erwarten, dass dieser Vermögenswert kurzfristig moderate Erträge abwirft. Die Couponzahlungen bei dieser Art von strukturierter Strategie können für einen Ertrag oder für ein Polster gegen Kursrückgänge sorgen.
Anleger, die einen bestimmten Vermögenswert zwar kaufen wollen, aber günstiger als zum aktuellen Börsenkurs, erkennen in diesem Ansatz möglicherweise auch Vorteile, wenn sie bei der Abrechnung der Struktur den physischen Vermögenswert erhalten.
Anlagen in Reverse Convertibles sind mit Risiken verbunden. Unter anderem könnten Anleger einen Teil des investierten Kapitals verlieren, falls der Kurs des Basiswerts deutlich sinkt. Weitere Risiken sind ein Zahlungsausfall des Emittenten, die begrenzte Liquidität sowie Transparenzprobleme in Bezug auf den Preis.