Einblicke in die Anlagestrategie Was bedeutet der neu entfachte Konflikt zwischen den USA und dem Iran für Anleihen und Rohstoffe?

Qualitätsanleihen und Rohstoffe spielen angesichts der Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran nach wie vor eine wichtige Rolle in Portfolios.

von Matthew Carter 15. Jul 2026

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran eskalierten in der letzten Woche erneut. Beide Seiten griffen mit Raketen und Drohnen Ziele in der Golfregion an. Der Iran behauptet, die Strasse von Hormus gesperrt zu haben, die für die globalen Öllieferungen von grosser Bedeutung ist. Die USA antworten mit Angriffen auf militärische Ziele im Iran und eskortieren weiterhin Handelsschiffe mit der eigenen Marine. Diese Entwicklungen wecken Zweifel hinsichtlich der kürzlich geschlossenen Übergangsvereinbarung über die Wiederöffnung der Meerenge und die Beendigung des Konflikts. An den Energie- und Finanzmärkten wächst indes die Nervosität.

Die globalen Anleihenrenditen stiegen am 9. Juli auf den höchsten Stand seit einem Monat, als die Ölpreise infolge der erneuten Angriffe zulegten und das Protokoll der Juni-Sitzung der US-Notenbank Fed auf anhaltende Inflationssorgen in den USA hinwies. Zum Zeitpunkt der Niederschrift am 14. Juli lag die Rendite 10-jähriger US-Treasuries bei knapp 4,57% und jene der 10-jährigen deutschen Bundesanleihen bei 3,09%. Sie bewegten sich damit in etwa auf den Niveaus vom Mai. Die Preise für Brent-Rohöl legten unterdessen auf USD 85.50 pro Barrel zu, bleiben damit aber deutlich unter der Marke von USD 120 pro Barrel zu Beginn des Konflikts.

Werden die Ölpreise und Renditen in die Höhe schnellen?
Trotz des neu entfachten Konflikts dürften die Ölpreise und Anleihenrenditen nach Ansicht des CIO nicht wieder die extremen Niveaus wie nach Kriegsausbruch erreichen. Sowohl die USA als auch der Iran haben ein grosses Interesse daran, eine erneute Eskalation des Kriegs zu vermeiden. Es wird geraume Zeit dauern, bis der Glaube an ungestörte Schiffstransporte zurückkehrt und die Produktion sich erholt. Wir glauben jedoch, dass der Markt überschätzt, wie schnell sich das Energieangebot wieder normalisiert. Das CIO geht davon aus, dass Brent-Rohöl am Jahresende bei USD 85 pro Barrel notieren dürfte – deutlich unter dem im Verlauf des Kriegs erreichten Höchstwert. Die Auswirkungen auf die Kerninflation dürften gering sein. Laut vorläufigen Daten schwächte sich die Inflation in der Eurozone im Juni ab und in den USA sind ähnliche disinflationäre Muster zu erkennen.

Zentralbanken, darunter die Fed und die Europäische Zentralbank (EZB), haben bestätigt, dass der Inflationsdruck nachlässt, und bleiben in Bezug auf weitere Zinserhöhungen vorsichtig. Während der Markt davon ausgeht, dass die Politik der Zentralbanken auf weitere Zinserhöhungen im Jahr 2026 ausgerichtet bleibt, hält das CIO dies für zu restriktiv. Denn die geldpolitischen Entscheidungsträger dürften sanftere Töne anschlagen, wenn die Zuversicht wächst, dass die Zweitrundeneffekte bei der Inflation begrenzt ausfallen. Wir erwarten, dass die EZB nach einer weiteren Erhöhung (höchstwahrscheinlich im September) pausieren wird, und glauben, dass die Fed an ihrer aktuellen Geldpolitik festhalten wird, bis sie Anfang 2027 die Zinsen senkt. Deshalb sprechen unseres Erachtens weniger eindeutige Gründe für höhere Renditen.

Anleihen könnten weiterhin Wertpotenzial bieten
Die Renditen könnten auf kurze Sicht volatil bleiben. Das CIO betrachtet den jüngsten Abverkauf an den globalen Anleihenmärkten jedoch als eine gute Gelegenheit, sich attraktive Renditen zu sichern. Angesichts der Outperformance von Aktien gegenüber Anleihen in diesem Jahr und der erhöhten Renditen können Anlegerinnen und Anleger Qualitätsanleihen wieder zur Portfoliodiversifikation und als Renditequelle in Betracht ziehen. Das CIO bevorzugt kurz- bis mittelfristige Qualitätsanleihen in US-Dollar und britischen Pfund und erkennt Wertpotenzial bei ausgewählten europäischen Anleihen mit längeren Laufzeiten. Bei Staatsanleihen der Eurozone ist das CIO stärker davon überzeugt, in längere Laufzeiten zu investieren, weil die jüngste Zinserhöhung der EZB die längerfristigen Renditen begrenzen dürfte, vor allem angesichts des schwachen Konjunkturumfelds und der begrenzten Inflationsrisiken.

Kann es bei Rohstoffen erneut zu einer Rally kommen?
Breite Rohstoffpreisindizes notieren zwar etwa 8% unter ihren kriegsbedingten Höchstständen vom Mai (Bloomberg Commodity Index), die Gründe für Rohstoffengagements sind unseres Erachtens aber nach wie vor intakt. Rohstoffe liegen im laufenden Jahr im Grossen und Ganzen noch immer im Plus. Die Anlageklasse eignet sich weiterhin zur Diversifikation von Portfolios, sichert Portfolios potenziell gegen eine hartnäckige Inflation ab und bietet Engagements in strukturellen Nachfragetrends wie künstliche Intelligenz (KI) und Elektrifizierung.

Wir merken an, dass die Ölmärkte die Beeinträchtigungen in letzter Zeit besser verkraftet haben als erwartet, was der Freigabe von Reserven und der geringeren Nachfrage aus China zu verdanken war. Die Reserven bleiben aber niedrig, was den Markt bei einer erneuten Eskalation anfällig macht. Gold erhält Unterstützung durch die Zentralbanknachfrage und die Diversifikation von Reserven. Die KI-Infrastruktur, die Elektrifizierung und wetterbezogene Risiken kommen unterdessen den Aussichten für Industriemetalle und ausgewählte Agrarrohstoffe zugute.

Eine breite, aktiv verwaltete Allokation in Rohstoffen bietet unserer Ansicht nach Wertpotenzial. Rohstoffe weisen traditionell eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen auf, sodass sie sich zur Diversifikation von Portfolios gut eignen, insbesondere wenn sich die Renditen von Aktien und Anleihen parallel entwickeln. Anleger können über eine Vielzahl von Instrumenten ein Engagement in Rohstoffen aufbauen.

Anleger mit bedeutenden Allokationen in Gold, das aufgrund der höheren inflationsbereinigten Renditen, des stärkeren US-Dollars und der weniger moderaten Erwartungen an die Geldpolitik der Fed weiterhin deutlich unter dem Höchststand vom Januar notiert, könnten durch die Ausweitung ihres Engagements auf Kupfer, Aluminium und Agraranlagen die Quellen künftiger Renditen diversifizieren.

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