Einblicke in die Anlagestrategie Anlagethese für Anleihen ungeachtet der Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin intakt

Wenngleich die Situation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ungewiss bleibt, sind wir nach wie vor der Meinung, dass die Anlegerinnen und Anleger sich die derzeit hohe Renditen bei Qualitätsanleihen sichern sollten.

von Matthew Carter 01. Jul 2026

Die Anleger und Zentralbanker bleiben sehr anfällig für die rasanten Entwicklungen im Nahen Osten – und deren Folgen für die Ölpreise, Inflation und Anleihenkurse.

Die Preise für Rohöl der Sorte Brent sind letzte Woche um beinahe 11% gefallen, nachdem wieder Öl durch die Strasse von Hormus floss. Dies führte zu einem Rückgang der Renditen massgeblicher Staatsanleihen und nachlassenden Spekulationen über Zinserhöhungen durch die Zentralbanken in diesem Jahr. Am Wochenende kam es jedoch zu gegenseitigen Angriffen zwischen mit den USA und dem Iran verbundenen Streitkräften, was zu einer erhöhten Bedrohung der Sicherheit auf See führte und das US Joint Maritime Information Center dazu veranlasste, die Gefahrenstufe auf «erheblich» hochzustufen. Bislang haben sich die USA und der Iran am 29. Juni auf eine vorläufige Deeskalation der Angriffe geeinigt, wobei Rohöl der Sorte Brent zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts zu rund USD 72.50 pro Barrel gehandelt wurde. Die Märkte und geldpolitischen Entscheidungsträger hoffen wohl darauf, dass das Risiko sowohl eines unmittelbaren Inflationsschocks als auch aggressiver Zinserhöhungen durch die Zentralbanken abnehmen wird, unter der Voraussetzung, dass Preisniveaus dieser Art von Dauer sind.

Geldpolitische Erwartungen in der Eurozone: von Unstetigkeit geprägt
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf die positiveren Inflationsaussichten eher zurückhaltend reagiert. In ihren Reden in der vergangenen Woche bekräftigten EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Chefökonom Philip Lane ungeachtet eines nachlassenden Wachstums ihren Einsatz im Kampf gegen die Inflation.

Der Energiepreisschock infolge des Nahostkonflikts liess die Gesamtinflation auf 3,2% steigen. Zugleich deuten der zugrunde liegende Druck im Dienstleistungssektor und die Frühindikatoren auf weitere Risiken hin. Allerdings bleiben die längerfristigen Inflationserwartungen im Gegensatz zum Inflationsschub der Jahre 2022–2023 stabil, und die durch Lohnanstiege bedingten Zweitrundeneffekte sind derzeit begrenzt. Wir gehen davon aus, dass die Anleger über die Inflationsdaten vom Juni hinaus den weiteren Inflationsverlauf als einen der wichtigsten Faktoren für die Performance am Anleihenmarkt genau im Auge behalten werden.

Nach unserem Dafürhalten haben die sinkenden Energiepreise die These für eine umgehende Zinserhöhung durch die EZB geschwächt. Die Öl-Futures notieren derzeit rund 15% unter den Annahmen der EZB für 2026, und auch die Gaspreise sind tiefer verortet, was uns dazu veranlasst hat, unsere Erwartung für die nächste Zinserhöhung der EZB von Juli auf September zu verschieben, während die Anleihenmärkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September mit rund 65% bepreisen. Wenngleich die EZB nach einer letzten Zinserhöhung eine Pause einlegen dürfte, bleibt Unsicherheit bestehen. Die geldpolitischen Entscheidungsträger werden voraussichtlich von Sitzung zu Sitzung agieren, weshalb die Anleger Flexibilität an den Tag legen müssen. Insbesondere eine vorteilhaftere Inflation oder ein schwächeres Wachstum könnten die EZB davon abhalten, eine weitere Zinserhöhung vorzunehmen.

Wie gestaltet sich der Ausblick in den USA?
Unseres Erachtens war die Konjunkturaktivität im 1. Halbjahr 2026 solide – mit einem Wachstum im 2. Quartal von ca. 2,5% bis 3% dank robuster Konsumausgaben, lockerer finanzieller Rahmenbedingungen und fiskalischer Impulse. Die Investitionsausgaben der Unternehmen fielen stark aus, angetrieben durch Investitionen in KI und steuerliche Anreize. Allerdings schlagen die höheren Energiepreise allmählich auf die Realeinkommen und den Konsum durch. Angesichts der nachlassenden fiskalpolitischen Unterstützung und anhaltender Störungen im Energiesektor dürfte das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte auf ein Trendniveau (von ca. 2%) zurückgehen.

Die Inflation in den USA stieg im Mai an, was in erster Linie Energieeffekten geschuldet war. Unseres Erachtens wird die US-Notenbank Fed vorerst eine abwartende Haltung einnehmen. Für diese Einschätzung sprechen auch eine hartnäckige Kerninflation und ein stabiler Arbeitsmarkt. Zwar rechnen wir unvermindert damit, dass der nächste Schritt eine Zinssenkung sein wird, doch dies dürfte erst im Jahr 2027 eintreten, da die geldpolitischen Entscheidungsträger Anzeichen einer anhaltenden Desinflation abwarten. Die Risiken sind ausgewogen: Versorgungsengpässe könnten eine Lockerung hinausschieben, während eine hartnäckige Inflation oder eine starke Nachfrage dafür sorgen könnten, dass die Geldpolitik länger restriktiv bleibt.

Was bedeutet dies für Anleiheninvestoren?
Den Anlegern bieten sich nach wie vor Gelegenheiten, sich attraktive Renditen zu sichern, insbesondere bei hochwertigen Anleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit. Dem CIO zufolge verleihen die Märkte aktuell einer weiteren geldpolitischen Straffung durch die massgeblichen Zentralbanken zu viel Gewicht. Vielmehr dürften die Renditen in den kommenden zwölf Monaten sinken. Wir glauben, dass hochwertige Anleihen mit kurzer bis mittlerer Laufzeit ein attraktives Risiko-Rendite-Profil aufweisen, wobei die Anfangsrenditen ein guter Anhaltspunkt für die längerfristigen erwarteten Renditen sind. Anleihen mit längerer Duration sind mit höheren fiskalischen Risiken und Inflationsrisiken behaftet. Aus diesem Grund sind Qualitätsanleihen eine gute Wahl für mehr Widerstandsfähigkeit.

Über Anleihen hinausblicken
Im Rahmen einer ganzheitlichen und gut diversifizierten Ertragsstrategie halten wir zudem ein selektives Engagement in wachstumssensitiven und renditestärkeren Segmenten wie Schwellenländeranleihen, Hochzinsanleihen und nachrangigen Schuldtiteln für attraktiv. Schwellenländeranleihen profitieren vom resilienten globalen BIP-Wachstum und der Stärke der Rohstoffpreise, wobei hohe Realzinsen und eine unterstützende Geldpolitik der Zentralbanken den positiven Ausblick untermauern. Ein diversifiziertes Engagement in nachrangigen Schuldtiteln, einschliesslich hybrider Unternehmensanleihen, kann in einem unsicheren Umfeld einen defensiven Zugang zu höheren Renditen bieten.

Anleihen sind indes nicht die einzige ertragsorientierte Anlageklasse. Ertragsorientierte Aktienstrategien, renditegenerierende strukturierte Anlagen und ertragsorientierte Multi-Asset-Ansätze können die Ertragsquellen weiter diversifizieren. Anleger sollten sich der besonderen Risiken bewusst sein, die mit Optionen und strukturierten Anlagen einhergehen. Trotzdem können diese Strategien dabei helfen, Ertragsziele über verschiedene Anlageklassen hinweg zu erreichen.

Ungeachtet geopolitischer Unsicherheiten und sich verändernder Erwartungen an die Zentralbanken besteht unseres Erachtens weiterhin ein günstiger Zeitpunkt, um sich die derzeit hohen Renditen von Qualitätsanleihen zu sichern. Eine Diversifikation über verschiedene ertragsorientierte Anlageinstrumente hinweg kann dazu beitragen, in einem unsteten makroökonomischen Umfeld widerstandsfähige Portfolios aufzubauen, Risiken zu steuern und Chancen zu nutzen.

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