
In der letzten Woche konzentrierte sich der Markt auf KI-Disruptionsrisiken. Softwareaktien standen dabei im Fokus, wobei der MSCI Software and Services Index während der vergangenen Woche um 4% einbrach (im Vergleich zu –2,6% für den IT-Sektor insgesamt). Der Rückgang seit Jahresbeginn betrug 16% (gegenüber +4,5% für den IT-Sektor). Über den Markt hinweg wurden Aktien aus datenintensiven Branchen (so auch Medien, Ausbildung und Unternehmensdienstleistungen) ebenso wie einige Vermögensverwalter durch den Ausverkauf erfasst. Wir erwarten, dass die Volatilität in den kommenden Wochen anhalten wird, während die Monetarisierung wahrscheinlich im Fokus bleibt und die Anlegerinnen und Anleger die möglichen Disruptionen von Geschäftsmodellen durch die KI abwägen.
Die Märkte differenzieren zunehmend nach KI-Nutzniessern und -Nachzüglern. Nach einer 3-jährigen kräftigen KI-Rally, die durch höhere Investitionen befeuert wurde, belohnen Anleger KI-Ausgaben nun nur noch, wenn diese mit einem starken Umsatzwachstum einhergehen. Wir wiesen auch darauf hin, dass Unternehmen, die neue Technologien zur Steigerung ihrer Geschäftsergebnisse nutzen, wahrscheinlich ebenso wie in der Vergangenheit greifbare finanzielle Vorteile erzielen werden. Da einige Branchen durch die KI fortgesetzt verändert werden, wird der jüngste Ausverkauf unseres Erachtens wohl kaum ein einmaliges Ereignis bleiben. Anleger dürften Unternehmen bevorzugen, die ihre Umsätze und Gewinne mithilfe von KI-Investitionen und dem Einsatz von KI erfolgreich steigern.
Die Bewertungen von Softwareunternehmen sind stark gesunken, obwohl in den Kennzahlen nach wie vor hohe Wachstumsschätzungen der Analysten berücksichtigt werden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für Softwareunternehmen ist von 35x im Jahr 2025 auf aktuell 26x gesunken. Das ist das niedrigste absolute Niveau seit dem Jahr 2019 und der geringste Aufschlag gegenüber der durchschnittlichen Aktienbewertung des S&P 500 seit zehn Jahren. Die aktuellen Gewinnmargen und Konsensschätzungen für das Umsatzwachstum liegen aber auf dem höchsten Stand seit mindestens 20 Jahren. Implizit spiegelt der Bewertungsrückgang die Erwartung wider, dass auch die Schätzungen nachgeben werden.
Das Problem sind also nicht die gegenwärtigen Gewinne, sondern die zukünftigen Margen und die mit ihnen verbundene Unsicherheit. Die Analystenschätzungen bleiben stabil, was dafür spricht, dass die Analysten keine unmittelbare Bedrohung der Unternehmensgewinne erkennen. Es gibt jedoch eine zunehmende Unsicherheit über die zukünftigen Gewinnmargen. Softwareunternehmen und IT-Dienstleister profitieren gegenwärtig von sehr hohen Margen, wobei die wesentlichsten Zuwächse während der letzten zehn Jahre erzielt wurden. Dadurch ist der Sektor anfällig für einen stärkeren Wettbewerbsdruck.
KI-Fortschritte senken die Kosten und den Zeitaufwand für die Softwareentwicklung drastisch, was zu einem exponentiellen Zuwachs an verfügbaren Lösungen führen könnte. Aufgrund der Komplexität der bestehenden Systeme ist es unwahrscheinlich, dass Unternehmen den Anbieter rasch wechseln werden. Eine Flut an neuen Angeboten könnte aber den Wettbewerb verstärken und die Preise sowie Margen im Laufe der Zeit unter Druck setzen. Wenn sich das Angebot entsprechend den Erwartungen vergrössern sollte, sind wir der Meinung, dass zumindest die Hälfte der Softwareunternehmen innerhalb von fünf Jahren beträchtlichen Disruptionsrisiken ausgesetzt sein könnten.
Wir stufen den IT-Sektor von «Attraktiv» auf «Neutral» herab. Disruptionen in der Softwarebranche, ein starker Anstieg der Investitionsausgaben, der möglicherweise den gesamten operativen Cashflow aufzehrt, und erhöhte Bewertungen im Hardwaresektor könnten die Anlegerstimmung belasten. Andere US-Sektoren, darunter Sektoren mit grossen Technologieunternehmen wie Kommunikationsdienste und Nicht-Basiskonsumgüter, stufen wir weiterhin als «Attraktiv» ein. Auch in Bezug auf KI bleiben wir bei unserer Beurteilung von «Attraktiv» und weisen darauf hin, dass die Gelegenheiten im KI-Bereich über den IT-Sektor des S&P 500 hinausgehen.
Die jüngsten Entwicklungen deuten Produktivitätsgewinne an, die über den Technologiesektor hinausgehen. Ebenso wie vergangene strukturelle Investitionen die Produktivität steigerten, sprechen die jüngsten Fortschritte zunehmend für Effizienzverbesserungen durch den Einsatz von KI. In der letzten Woche meldete eine führende Plattform eine Leistungssteigerung pro Ingenieur von 30% seit Beginn des Jahres 2025 (sowie von 80% bei Power-Usern). Möglich wurde dies durch die Nutzung der agentischen Programmierung. Das Management rechnet überdies mit einer Beschleunigung dieses Produktivitätswachstums. Unabhängig davon, wie breit spezifische Tools genutzt werden, sollte das Potenzial bereichsübergreifender Produktivitätsgewinne den Anlegern eine Rückversicherung über die langfristigen Renditen von KI-Investitionen liefern.
Diversifikation bleibt in einem volatilen Markt essenziell. Der S&P 500 Equal Weight Index erzielte zuletzt eine Outperformance gegenüber der traditionellen Benchmark. Dies signalisiert eine Verbreiterung der Rally, was durch günstige gesamtwirtschaftliche Bedingungen unterstützt wird. Zuwächse der asiatischen und europäischen Märkte deuten ebenfalls auf Gelegenheiten infolge der regionalen fiskalpolitischen Expansion und struktureller Reformen hin. Im gegenwärtigen Umfeld, in dem die Risiken höher und die Ergebnisse weniger vorhersehbar sind, ist eine Diversifikation über Sektoren und Regionen hinweg nach unserer Meinung besonders wichtig.
Während wir also die Aussichten von US-Aktien nach wie vor positiv einschätzen und mit einem Anstieg des S&P 500 rechnen, ist die Diversifikation unseres Erachtens der Schlüssel zum Umgang mit Marktrisiken und zur Steigerung der langfristigen Renditen. Mit Blick auf die Positionierung für eine breiter abgestützte Rally beurteilen wir Finanz-, Gesundheits- und Versorgungstitel sowie Nicht-Basiskonsumgüter-Werte in den USA positiv und erkennen zudem attraktive Gelegenheiten in Asien und Europa.