Der Optimismus zu Jahresbeginn bei europäischen Aktien, der durch die Ankündigungen über erhöhte deutsche Konjunkturimpulse und Verteidigungsausgaben in Europa ausgelöst wurde, wurde schnell durch die US-Zölle, verhaltene Konjunkturdaten und niedrigere Erwartungen an die Verteidigungsausgaben gedämpft. Infolgedessen sind die Kurse europäischer Aktien seit dem Sommer stabil geblieben. Doch die Stimmung wird nun positiver und wir haben unsere Prognose für den Markt auf «Attraktiv» angehoben.

Die europäischen Aktienmärkte wurden aufgrund des begrenzten Engagements in künstlicher Intelligenz (KI) im Vergleich zu den USA und China oft übersehen. Dennoch ist Europa nach wie vor die Heimat von weltweit führenden Unternehmen in verschiedenen Sektoren. Rasche Fortschritte in der Technologie und erneute Investitionen in Sachanlagen treiben Produktivitätsgewinne an und stärken die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Die Einführung von KI, digitaler Fertigung und Robotik treibt eine neue Welle von Industrieinvestitionen an und festigt die Führungsposition Europas bei Automatisierungsausrüstung und Industriesoftware. Gleichzeitig schaffen die Elektrifizierung und die Energiewende eine langfristige Nachfrage nach Netzen, erneuerbaren Energien und Effizienzlösungen − Bereiche, in denen europäische Versorgungs- und Ingenieurunternehmen herausragend sind.

Ein weiterer Grund für die bisherige Vorsicht war das erhebliche Engagement Europas in der Fertigungsindustrie. Die jüngsten Verbesserungen bei den Fertigungsindikatoren und der Industrieproduktion dürften jedoch zusammen mit den fiskalischen Impulsen in Deutschland neue Investitionen anregen und die Auftragsdynamik ankurbeln. Mit der Normalisierung der Wirtschaftstätigkeit dürfte sich das Gewinnwachstum auf verschiedene Sektoren ausweiten und den Weg für einen robusteren und nachhaltigeren Gewinnzyklus ebnen.

Die verbesserten zyklischen Aussichten und die unterstützenden strukturellen Trends gehen nicht mit überhöhten Bewertungen einher. Nach dem Abflauen der früheren Begeisterung notieren europäische Aktien nun knapp über ihrem 10-Jahres-Durchschnitt, was unserer Meinung nach einen attraktiven Einstiegspunkt darstellt. Die nächste Phase einer potenziellen Outperformance dürfte vom Gewinnwachstum angetrieben werden. Darüber hinaus sind europäische Aktien im Vergleich zu ihren globalen Pendants nach wie vor attraktiv bewertet, was zum Teil auf die höhere Gewichtung des US-Marktes in Technologie und KI zurückzuführen ist. Selbst bei einem Vergleich ähnlicher Subsektoren notieren Aktien der Eurozone weiterhin mit einem grösseren Abschlag als ihre US-Pendants.

Die Sektoren Industrie, Technologie und Versorger stechen als Hauptnutzniesser globaler Trends wie der Einführung von KI, dem Ausbau von Rechenzentren, der steigenden Energienachfrage, der Energiewende und der erhöhten Verteidigungsausgaben hervor. Diese Sektoren sind auch gut positioniert, um von den sich verbessernden zyklischen Bedingungen zu profitieren. An anderer Stelle bewerten wir europäische Banken nun als «Attraktiv», unterstützt durch angemessene Bewertungen, verbesserte Gewinnaussichten, erneutes Kreditwachstum und eine fortgesetzte Neubewertung von Vermögenswerten. Wir erwarten, dass sich der europäische Immobiliensektor dank der Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank erholen wird, und haben Deutschland als führende Kraft bei der fiskalischen Lockerung auf «Attraktiv» hochgestuft. Auf Unternehmensebene werden Unternehmen, die sowohl globale als auch europäische strukturelle Veränderungen nutzen, in unserem Thema «Europäische Marktführer» hervorgehoben.

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