Vor zwei Wochen haben die Schweiz und die USA angekündigt, dass sie sich auf die Eckpunkte eines Zoll-Deals verständigt haben. Die Reaktionen fielen gemischt aus: Einerseits war Erleichterung zu spüren, dass der Zollsatz von 39 Prozent der Vergangenheit angehören könnte. Andererseits stellt dieser «Deal» trotzdem eine starke Verschlechterung im Vergleich zur Zeit vor dem «Tag der Befreiung» dar.

So blicken wir mit gemischten Gefühlen auf das Jahr 2026. Ein Zollabkommen reduziert zwar das Risiko einer Rezession hierzulande, dennoch erwarten wir nur ein unterdurchschnittliches Wachstum von 1 Prozent im nächsten Jahr. Gemischte Gefühle sind nicht nur in Bezug auf die Schweizer Wirtschaft vorhanden, sondern auch hinsichtlich der globalen Wirtschaft und Finanzmärkte.

Letzte Woche haben wir den Year Ahead veröffentlicht (auf Deutsch ab dem 1. Dezember verfügbar), unseren Ausblick für Wirtschaft und Finanzmärkte für das Jahr 2026. Die Publikation trägt den Titel Schwerkraft überwunden?, der auf den ersten Blick wenig mit Wirtschaft und Finanzmärkten zu tun hat.

Auf den zweiten Blick lassen sich jedoch einige Parallelen zwischen der Physik sowie Wirtschaft und Finanzmärkten ziehen. 2026 gibt es verschiedene «Kräfte», die die Finanzmärkte nach unten drücken können. Dazu gehören steigende Staatsschulden, politische Unsicherheit und die relativ hohe Inflation in den USA.

Aus einer Schweizer Perspektive hört sich das recht weit entfernt an. Die Staatsschuldenquote hierzulande ist niedrig, ebenso die Inflation. Und unser Land ist durch politische Stabilität charakterisiert. Trotzdem gelten die Risiken auch für uns, wenn auch in anderer Form. Steigende Schulden und höhere Inflation im Ausland könnten zu einer weiteren Frankenaufwertung führen. Die politische Unsicherheit in den USA macht sich auch hierzulande durch höhere Zölle bemerkbar, auch wenn mit dem Zoll-Deal das Schlimmste abgewendet werden könnte.

Gleichzeitig sehen wir aber auch Faktoren, die Wirtschaft und Finanzmärkte unterstützen und ihnen ermöglichen, die negativen Kräfte zu überwinden. Dazu gehören Fortschritte in der künstlichen Intelligenz (KI) sowie eine expansive Geld- und Fiskalpolitik. Die US-Notenbank Fed dürfte ihre Leitzinsen weiter senken und in Deutschland sowie den USA werden grosse Fiskalpakete aufgelegt.

Letztendlich erwarten wir, dass es der Weltwirtschaft dank der positiven Kräfte gelingt, die Schwerkraft der negativen Kräfte zu überwinden: Wir sehen 2026 Aufwärtspotenzial für den Aktienmarkt. Allerdings sind wir uns auch dem Risiko bewusst, dass es anders kommen könnte – und die Abwärtskräfte überwiegen und die Kurse nach unten drücken.

Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?
Erstens, investieren oder investiert bleiben: KI und eine expansive Geld- und Fiskalpolitik versprechen 2026 Potenzial an den Aktienmärkten. Angesichts der Nullzinsen in der Schweiz ist dies umso wichtiger. Zweitens, diversifiziert sein: Mit einem diversifizierten Portfolio können Anleger einen Rücksetzer an den Märkten abfedern, falls die Weltwirtschaft die «Schwerkraft doch nicht überwindet». Drittens, je länger der Anlagehorizont ist, desto besser können Anleger mit den vorhandenen kurzfristigen Risiken umgehen und desto höher darf die Aktienquote in einem Portfolio sein. Davon profitieren Anleger langfristig. Wir sind davon überzeugt, dass KI die Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend verändern wird und von diesen Innovationen der Aktienmarkt mit am meisten profitiert.

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