
In den letzten Wochen hat der Marktoptimismus nachgelassen. Die guten Ergebnisse führender Technologieunternehmen wie Nvidia konnten den breiteren Abwärtstrend an den Aktienmärkten nicht umkehren. Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass die Anlegerinnen und Anleger zunehmend infrage stellen, ob die hohen Bewertungen und das rasante Wachstum − insbesondere bei den Gewinnen und KI-bezogenen Investitionen − nachhaltig sind. Die zentrale Frage für das kommende Jahr ist, ob die Dynamik der KI-Revolution die Märkte weiter nach oben treiben kann oder ob Faktoren wie die steigende Verschuldung, die Inflation und die geopolitischen Spannungen eine Korrektur auslösen werden.
Technologieaktien machen mittlerweile über ein Drittel der globalen Aktienindizes aus, was den Anstieg der KI-Investitionen widerspiegelt. Die entscheidende Frage dürfte sein, ob die künftige Nachfrage und die effektive Monetarisierung den Umfang der jüngsten Ausgaben rechtfertigen können. Es wird zwar weiteres Wachstum erwartet, doch es ist wichtig zu erkennen, dass nicht jedes Unternehmen die hohen Erwartungen erfüllen wird und sich der Sektor noch immer in einer Reifephase befindet. Für Anleger, die sich auf langfristige Ergebnisse konzentrieren, bleiben die Chancen im Technologiesektor attraktiv. Dabei sind Selektivität und Diversifikation über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg entscheidend für die Risikosteuerung.
Für Anleger, die nach Alternativen zu KI-fokussierten Strategien suchen, erweist sich Langlebigkeit als widerstandsfähiges strukturelles Thema. Das Wachstum der Weltbevölkerung und Fortschritte im Gesundheitswesen deuten auf einen wachsenden Markt hin, der laut unseren Schätzungen jährlich bis zu 8 Billionen US-Dollar erreichen könnte, angetrieben durch Innovationen in Bereichen wie Adipositas-Behandlung, Onkologie-Pharmazeutika und Medizintechnik. Dieses Thema bietet die Aussicht auf längere, gesündere Leben und kann eine defensive Positionierung innerhalb von Portfolios ermöglichen.
Der Ausblick für Anleihen wird zunehmend relevant, da die Staatsverschuldung voraussichtlich steigen wird. Laut IWF-Prognosen könnte bis 2030 die Verschuldung der G7-Länder 137 Prozent des BIP erreichen. Traditionelle Ansätze zur Defizitreduktion, wie höhere Steuern oder geringere Ausgaben, erweisen sich als schwierig. Die politischen Entscheidungsträger könnten sich zunehmend auf «finanzielle Repression» verlassen und mit den Zentralbanken zusammenarbeiten, um die Zinssätze niedrig zu halten und die Kreditkosten zu steuern. In diesem Umfeld dürften Qualitätsanleihen mit mittleren Laufzeiten (vier bis sieben Jahre) eine stabilisierende Rolle in Portfolios spielen und 2026 möglicherweise mittlere einstellige Renditen erzielen. Diese Instrumente können Diversifikation und Resilienz bieten, insbesondere in Zeiten von Marktstress. Vorsicht ist in risikoreicheren Segmenten wie Hochzinsanleihen geboten, wo die Kreditspreads eng sind und die Risiken hoch bleiben.
Politische Ereignisse werden voraussichtlich auch im kommenden Jahr die Marktstimmung weiterhin prägen. Die jüngsten Erfahrungen haben gezeigt, wie schnell politische Veränderungen – etwa Zollanpassungen oder fiskalische Massnahmen – die Märkte beeinflussen können. 2026 dürfte das Augenmerk auf Entwicklungen in der Handelspolitik, Veränderungen in der US-Notenbank-Führung, die US-Zwischenwahlen und anhaltende geopolitische Spannungen in Regionen wie dem Nahen Osten und Osteuropa gerichtet sein. Zwar kann politische Unsicherheit die Volatilität erhöhen, doch ist ihr Einfluss auf die Finanzmärkte meist nur vorübergehend und diversifizierte Portfolios haben sich in der Vergangenheit als widerstandsfähig erwiesen.
Die Aussichten für Aktien bleiben in Regionen wie den USA, Japan, Europa und China attraktiv, da sie von einem robusten Gewinnwachstum und einem unterstützenden politischen Umfeld profitieren. Rohstoffe, insbesondere Industriemetalle, dürften von Angebotsengpässen und einer steigenden Nachfrage profitieren, während sich die Bedingungen für Öl ab Mitte 2026 verbessern könnten. An den Devisenmärkten wird eine fortgesetzte Schwäche des US-Dollars erwartet, da Zinssenkungen seinen Vorteil verringern. Der Euro und der australische Dollar sind gut positioniert, um von der Diversifikation und den Rohstofftrends zu profitieren.
