Die jüngsten Gespräche in Busan zwischen Präsident Trump und Präsident Xi haben zu Schritten geführt, die die Handelskonflikte entschärfen und Zölle zwischen den USA und China reduzieren dürften. Auch wenn keine umfassende Einigung erzielt wurde, signalisieren die Verlängerung von Zollausnahmen, die Senkung von Zöllen zur Eindämmung des Fentanyl-Handels sowie die Aussetzung neuer Strafmassnahmen in Sektoren wie Seltene Erden und Schifffahrt eine konstruktive Wende in den US-chinesischen Beziehungen. Im Vergleich zur verschärften Rhetorik von Anfang Oktober stellen diese Entwicklungen eine moderate, aber wesentliche Verbesserung dar.

Die Verhandlungen finden statt, während China seinen 15. Fünfjahresplan vorantreibt – einen strategischen Fahrplan für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von 2026 bis 2030. Auch wenn die Details noch nicht veröffentlicht wurden, lassen sich ehrgeizige Ziele zur Modernisierung der Wirtschaft und zur Stärkung der Eigenständigkeit erschliessen, insbesondere im Technologiesektor. Zentrale Bestrebungen sind der Aufbau eines modernen Industriesystems, die Stärkung der Binnennachfrage und die Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes. Diese Massnahmen sollen die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken, nachhaltiges Wachstum fördern und Chinas Führungsrolle bei digitalen Innovationen ausbauen. Der Plan könnte zudem wertvolle Hinweise darauf geben, wie China auf die jüngsten Veränderungen der US-Politik reagieren wird.

Das heisst jedoch nicht, dass es keine Herausforderungen gibt. Druck auf Immobilienpreise, Überkapazitäten in bestimmten Branchen, lokale Staatsverschuldung und anhaltende US-Exportbeschränkungen sind einige der offensichtlichen Gegenwinde. Diese Faktoren belasten die Industrieproduktion und den Binnenkonsum und beeinflussen die Stimmung sowie die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Viele dieser Probleme sind struktureller Natur und werden voraussichtlich bestehen bleiben, was die Marktdynamik während Chinas Modernisierung prägt. Ein allmählicher Rückgang des Wachstums ist eine natürliche Folge dieses Wandels.

Insgesamt sind wir jedoch optimistisch hinsichtlich der Zukunft der chinesischen Wirtschaft. Auch wenn die Exporte in die USA weiterhin unter dem Niveau von vor dem «Liberation Day» liegen, hat das weltweite Exportwachstum insgesamt zugelegt und erreichte 8,3 Prozent im Jahresvergleich. Diese Widerstandsfähigkeit wird durch gezielte fiskalische Anreize gestützt, die darauf abzielen, die Binnennachfrage zu stabilisieren und weiteres Wachstum zu fördern.

Chinesische Aktien bieten attraktive Perspektiven, gestützt durch eine robuste Liquidität (mit einem M2-Geldmengenwachstum von 8,4 Prozent im Jahresvergleich im September), gezielte politische Unterstützung und eine verstärkte Beteiligung privater Anleger. Der MSCI China Index wird mit einem deutlichen Abschlag gegenüber globalen Vergleichsindizes gehandelt, während niedrige inländische Anleiherenditen institutionelle Investoren dazu bewegen, in dividendenstarke Sektoren wie Finanzen, Telekommunikation und Versorger umzuschichten. Erwartete politische Massnahmen und der neue Fünfjahresplan dürften qualitativ hochwertiges Wachstum priorisieren und die heimische Technologie-Supply-Chain stärken.

Der Hang Seng Tech Index ist seit Jahresbeginn um über 30 Prozent gestiegen und spiegelt Chinas strategischen Fokus auf technologische Eigenständigkeit und Innovation wider. Technologiebezogene Branchen treiben mittlerweile einen Grossteil der Performance des MSCI China an, wobei führende Unternehmen ein starkes Gewinnwachstum verzeichnen, das durch Fortschritte bei künstlicher Intelligenz, Cloud-Computing und der Entwicklung eigener Chips beflügelt wird. Für den Technologiesektor wird 2026 ein signifikantes Gewinnwachstum erwartet, was seine Rolle als Kernbereich für Chancen im globalen Aktienmarkt unterstreicht. Die jüngsten Marktrückgänge haben potenziell attraktive Einstiegsgelegenheiten für Anleger geschaffen, die von diesen Trends profitieren möchten.

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