
Die Aktienmärkte haben sich im dritten Quartal gut entwickelt und scheinen sich von einer Reihe von Bedenken nicht beeindrucken zu lassen. In den letzten Wochen hat sich die Stimmung jedoch verändert. Die Ankündigung von Nvidias Plänen, bis zu USD 100 Mrd. in OpenAI zu investieren, gefolgt von der Partnerschaft von Oracle mit OpenAI, hat Fragen über die Zirkularität innerhalb des KI-Ökosystems aufgeworfen. Diese Entwicklungen wecken Erinnerungen an die späten 1990er-Jahre, als ähnliche Praktiken zur Entstehung und zum anschliessenden Platzen der Dotcom-Blase beitrugen – was Vergleiche zwischen damals und heute aufdrängt.
Viele Kunden fragen sich nun, ob sie ihr KI- und Aktienengagement nun reduzieren sollten. Das UBS CIO würde hauptsächlich aus zwei Gründen nicht überstürzt handeln. Erstens bleiben die Trends bei den KI-Investitionen robust und sind eng mit den Akzeptanzraten verbunden. Es wird erwartet, dass die Branche bis zum Jahresende eine Akzeptanzrate von 10% erreichen wird, wobei eine weitere Beschleunigung wahrscheinlich ist. Obwohl es sich noch um einen jungen Markt handelt, der bis 2030 ein Volumen von USD 1,5 Bio. erreichen soll, sehen die Vorreiter bereits greifbare wirtschaftliche Vorteile.
Natürlich bleiben Risiken bestehen. Bei keinem Boom in der Vergangenheit waren Angebot und Nachfrage perfekt aufeinander abgestimmt. Es gab es auch noch keinen Anlageboom, der nicht mit Fremdkapital und komplexen Finanzstrukturen sowie den damit verbundenen Risiken einherging. Die KI-Zirkularität ist zwar derzeit begrenzt, aber ein Risiko, das es zu beobachten gilt.
Der zweite Grund für unsere konstruktive Einschätzung von Aktien ist das unterstützende gesamtwirtschaftliche Umfeld. Das US-Wirtschaftswachstum hat die Erwartungen übertroffen und die Aussicht auf niedrigere Zinssätze bis Anfang 2026 dürfte sich positiv auf Aktien auswirken. Wir prognostizieren nun, dass der S&P 500 bis Juni 2026 einen Wert von 7300 Punkten erreichen wird. Wichtig ist, dass es nicht nur um die USA oder KI geht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Zinssenkungen der US-Notenbank Fed den Schwellenländern zugutegekommen, wobei nun China ein Hauptnutzniesser sein dürfte, da sich die Liquiditätsbedingungen verbessern, gezielte politische Massnahmen umgesetzt werden und die Konsumausgaben steigen.
Neben Asien und Technologie bevorzugen wir globale Banken, die von einer verbesserten Kosteneffizienz, einem geringeren Kreditrisiko und überschüssigem Kapital nach Jahren des Schuldenabbaus profitieren dürften. Normalisierte Renditekurven, Rückenwind durch Deregulierung und ein widerstandsfähiges gesamtwirtschaftliches Umfeld machen globale Banken bei den aktuellen Bewertungen attraktiv. Der Sektor ist gut positioniert für eine zyklische Erholung, mit einer erhöhten Kreditvergabe und einem gesunden Wachstum der Nettozinserträge.
Wir sehen auch langfristige Chancen im US-Gesundheitswesen, die durch die jüngste politische Klarheit über die Arzneimittelpreise und die Pharmazölle unterstützt werden. Der Sektor dürfte von einem strukturellen Wachstum profitieren, das durch die steigende Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen für ein längeres gesundes Leben angetrieben wird. Vielversprechende neue Therapien gegen Fettleibigkeit und Alzheimer könnten den Patentablauf ausgleichen, während defensive Merkmale in wirtschaftlichen Abschwüngen für Widerstandsfähigkeit sorgen könnten.
Versorger – sowohl in den USA als auch in Europa – und das breiter gefasste Thema Energie und Ressourcen bieten ebenfalls anhaltendes Gewinnpotenzial, das durch die steigende Nachfrage nach Strom und Netzwerkinfrastruktur untermauert wird. Die Geschäfte von OpenAI befeuern die globalen Investitionen, wobei bis 2030 jährlich USD 3 Bio. in Stromerzeugung, Energiespeicherung, Netzwerkinfrastruktur und Rechenzentren fliessen dürften. Versorger kombinieren defensive Qualitäten mit Wachstum durch die Trends KI und Rechenzentren. Zudem machen faire Bewertungen (zumindest in den USA) den Sektor für ausgewogene Portfolios attraktiv.
In Europa bietet der Industriesektor weitere Chancen. Europäische Industrieunternehmen sind mit einem Abschlag gegenüber ihren US-Pendants bewertet und dürften von den höheren Verteidigungsausgaben, der Rückverlagerung von Produktionskapazitäten und der Energiewende profitieren.
