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Anleger sollten vorsichtig sein und beachten, dass viele dieser positiven Faktoren zweischneidig sind. Das durch Vorzieheffekte angekurbelte Exportwachstum Chinas impliziert, dass eine Verlangsamung wahrscheinlich bevorsteht. Die Auswirkungen der Zölle auf die US-Inflation beginnen gerade erst und könnten sich durchaus beschleunigen, was die PCE-Kerninflation (die bevorzugte Messgrösse der US-Notenbank Fed) bis zum Jahresende weiter über die 2% der Fed treiben könnte. Auch der S&P 500, der nach einem dreimonatigen Anstieg um 21% bei nachlassendem Wachstum etwa 0,5% unter dem Allzeithoch liegt, gibt Anlass zur Sorge.

Bei den Gewinnen wären wir ebenfalls etwas vorsichtig, da wir erwarten, dass sich das EPS-Wachstum im 2. Quartal 2025 von den Vorquartalen auf 5% abschwächt. Während es einen Silberstreifen am Horizont gibt, da die Unternehmen offenbar besser mit dem Zollumfeld zurechtkommen, erhöhen die angedrohten zusätzlichen Zölle sowohl das Risiko wirtschaftlicher Störungen als auch die Unsicherheit, die die Unternehmensinvestitionen dämpft. Dies dürfte wiederum das globale Wachstum – insbesondere in den USA und China – im 2. Halbjahr 2025 verlangsamen. Um die Portfolioerträge zu unterstützen, sollten Anleger versuchen, ihr Engagement im aktuellen robusten Wachstum aufrechtzuerhalten und sich gleichzeitig gegen die schwelenden Zoll- und geopolitischen Risiken zu wappnen.

Der Technologiesektor bietet strukturelle Widerstandsfähigkeit. Wir betrachten die Technologiesektoren in den USA und China aufgrund starker struktureller Treiber als attraktiv. In den USA normalisieren sich die Gewinnwachstumsraten des Technologiesektors. Sie dürften solide bleiben, angetrieben durch den Einsatz und die Akzeptanz von künstlicher Intelligenz (KI), die weiterhin an Dynamik gewinnt. Wir erwarten, dass sich das Gewinnwachstum der Mega-Cap-Technologieunternehmen von rund 30% in jedem der letzten vier Quartale auf rund 20% verlangsamt – immer noch weit vor dem breiteren Markt.

In China verbessert sich das Risiko-Rendite-Profil für den Technologiesektor, unterstützt durch die Deeskalation der Spannungen zwischen China und den USA, robuste KI-Innovationen und attraktive Bewertungen. Wir bleiben jedoch neutral gegenüber dem breiteren Markt angesichts des Hintergrunds eines nachlassenden Wachstums im 2. Halbjahr 2025, da die Zölle zu wirken beginnen und die politischen Entscheidungsträger vorsichtig bleiben, was die Intensivierung der politischen Impulse betrifft.

Onshore-Dividendenaktien in China attraktiv. Innerhalb der Onshore-Aktienmärkte sind dividendenstarke Aktien angesichts des rückläufigen Renditeumfelds besonders attraktiv. Wir bevorzugen Sektoren mit stabilen Cashflows und attraktiven Renditen, wie Banken, Versicherungen, Versorger und Telekommunikation, während wir selektiv Wachstumswerte mit Alpha-Potenzial verfolgen. Wir erwarten auch, dass das politische Umfeld unterstützend bleibt, wobei die geldpolitische Lockerung angesichts der niedrigen Inflation fortgesetzt wird. Wir erwarten bis zum Jahresende eine Senkung der Mindestreservesätze um 50 bis 100 Basispunkte und der Leitzinsen um 20 bis 30 Basispunkte, was dazu beitragen sollte, eine Wachstumsrate von rund 4,5% für das Gesamtjahr zu unterstützen, mit einem gewissen Aufwärtsrisiko.

Qualitätsaktien aus Europa als wichtige Entdollarisierungsoption. Unabhängig davon, wie die Verhandlungen über Zölle ausgehen, ist ein wichtiger dauerhafter Effekt wahrscheinlich die anhaltende Erosion des Vertrauens in USD-Anlagen. Unberechenbare Politik, steigende Haushaltsdefizite und Schulden sowie anhaltende Risiken für die Unabhängigkeit der Zentralbanken dürften alle zu Zweifeln an der US-Ausnahmestellung beitragen. Wir erwarten daher, dass die laufende Umkehrung des 13%igen EURUSD-Anstiegs seit Jahresbeginn nur von kurzer Dauer sein wird. Als liquideste Alternative zum USD dürfte der EUR ein wichtiger Nutzniesser der Erosion des Vertrauens in den US-Dollar bleiben. Auch fiskalische Massnahmen in Deutschland und erhöhte europäische Verteidigungsausgaben dürften den EUR unterstützen. Wir haben gerade unser Ziel für EURUSD im Juni 2026 von 1.20 auf 1.23 angehoben; wir würden bei Rückgängen auf 1.15 Long-Positionen in diesem Währungspaar in Betracht ziehen.

Der Qualitätsanlagestil funktioniert in der Regel gut in volatilen, langsamen Wachstumsphasen, was ihn zu einer attraktiven Option für Anleger macht, die ihr übermässiges USD-Aktienengagement diversifizieren möchten. Der europäische Qualitätsstil hat seit seinem relativen Höchststand im Oktober 2020 in Bezug auf die Gesamtrendite schlechter abgeschnitten als der MSCI Europe, verglichen mit einer Outperformance von durchschnittlich 2 Prozentpunkten pro Jahr in den letzten 35 Jahren, bei geringerer Volatilität.

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