Angesichts der hohen Temperaturen in diesem Sommer erscheint eine kalte Dusche eigentlich verlockend. An der kalten Dusche der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Juni dürften die hiesigen Sparerinnen und Sparer aber keine Freude gehabt haben. Die SNB senkte ihren Leitzins auf 0 Prozent. Zinssenkungen in den negativen Bereich sind nicht wahrscheinlich, aber auch nicht auszuschliessen, falls sich der globale Handelsstreit in den kommenden Monaten nicht legt.

Anleger dürfen nicht davon ausgehen, dass Nullzinsen nur ein kurzfristiges Phänomen sind. Mitte 2011 senkte die SNB den Leitzins auf 0 Prozent, dann in den negativen Bereich und erst über zehn Jahre später stieg dieser wieder über die Null-Prozent-Marke an. In diesem Zeitraum betrug der Zins auf Sparguthaben im Durchschnitt nicht einmal 0,1 Prozent.

Nun kann eingewendet werden, dass die SNB aufgrund der tiefen Inflation auf Null- oder Negativzinsen setzt. Tatsächlich beträgt die Schweizer Inflation im Moment auch 0 Prozent, sodass Anleger real ihre Kaufkraft bewahren können.

Wenn da nicht die Krankenkassenprämien wären. Der grosse Teil des Kostenschubs im Gesundheitswesen kommt zwar von einer Ausweitung der Leistungen und wird deshalb richtigerweise nicht als Inflation gewertet. Für Familien bedeutet das jedoch eine empfindliche Belastung ihres Haushaltsbudgets. Diese soll mit dem Anlegen zumindest ausgeglichen werden, was mit dem Sparkonto im Null- oder Negativzinsumfeld nicht möglich ist.

In dieser Situation müssen sich Anleger fragen, wie viel Liquidität sie tatsächlich halten wollen, denn im Null- oder Negativzinsumfeld ist Bargeld zu einem kostspieligen Luxus geworden. Überschüssige Liquidität kann in einem professionell verwalteten Portfolio in Aktien angelegt werden. Schweizer Aktien haben während der letzten Null- und Negativzinsperiode zwischen 2011 und 2022 im Durchschnitt eine Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr (SPI Total Return) abgeworfen.

Eine besondere Herausforderung stellen tiefe Zinsen für Anleger dar, die auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen sind. Anleihen können im Nullzinsumfeld dieses Einkommen nicht mehr garantieren. Als Alternative bieten sich Dividendentitel an – konkret Aktien von Firmen, die eine hohe Dividende auszahlen.

Nun ist die Volatilität von Aktien deutlich höher als bei Anleihen oder einem Sparkonto. Das gilt es beim Anlegen der überschüssigen Liquidität zu berücksichtigen. Dividendentitel sollten deshalb nicht nur über hohe Dividendenauszahlungen verfügen, sondern auch über defensive Qualitäten, das heisst solide Bilanzen und die Zugehörigkeit zu defensiven Sektoren.

Das Risikomanagement kann durch ein spezielles Augenmerk auf die Diversifikation noch verbessert werden. Dazu gehört, die Aktienanlagen geografisch, aber auch über Sektoren hinweg breit aufzustellen.

Über ein gut diversifiziertes, defensives und auf Dividendentitel ausgerichtetes Portfolio lassen sich somit zwei Herausforderungen auf einmal bewältigen: das Einkommen in einer Null- oder Negativzinsphase vor einem Kaufkraftverlust schützen und gleichzeitig keine grossen zusätzlichen Risiken eingehen.

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