Source: UBS

Erinnern Sie sich noch, wie gesagt wurde, dass die im Januar 2015 von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeführten Negativzinsen bloss eine temporäre Notfallmassnahme zur Bekämpfung der Frankenüberbewertung seien? Nun, die Notfallmassnahme dauerte fast acht Jahre lang und wurde erst 2022 aufgehoben, als aufgrund von Lieferkettenengpässen und ausbrechendem Ukrainekrieg die Inflationsraten weltweit durch die Decke schossen.

Nur drei Jahre danach könnte es schon bald wieder so weit sein und die Schweiz erneut in eine Phase mit negativen Zinsen abgleiten. Zwar hat die Schweizerische Nationalbank an ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung den Leitzins «nur» um 25 Basispunkte – und nicht wie von einigen erwartet um 50 Basispunkte – auf 0 Prozent gesenkt. Sie hat dabei aber auf die ausserordentlich hohen Unsicherheiten bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung hingewiesen und lässt sich damit die Option offen, den Leitzins künftig doch noch in den negativen Bereich zu drücken.

Vieles wird nun davon abhängen, wie sich der Aussenwert des Schweizer Frankens entwickelt. Dabei dürfte für die SNB der EURCHF-Wechselkurs entscheidender sein als jener von USDCHF. Das Gros der Schweizer KMUs ist eher gegenüber dem Euro als gegenüber dem US-Dollar exponiert. Bereits im April hat die SNB im Umfang von unseres Erachtens rund fünf Milliarden Franken an den Devisenmärkten interveniert, um EURCHF bei über 0.9250 halten zu können. Sollte EURCHF deutlich unter dieses Niveau oder gar unter 90 Rappen fallen, würde die SNB ihren Leitzins wohl erneut ähnlich tief in den negativen Bereich führen wie ab 2015. Falls der US-Dollar weiter an Wert verliert und sich der Euro einigermassen hält, dürfte die SNB hingegen eher bereit sein, eine solche Dollarabwertung zuzulassen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der «faire Wert» des Dollars gegenüber dem Franken eher unter als über 80 Rappen liegt und der Greenback auf aktuellen Niveaus also immer noch als leicht überbewertet einzustufen ist.

Wie auch immer sich das Währungs- und Zinsgefüge im Schweizer Franken über die kommenden Monate entwickeln wird, müssen sich hiesige Anlegerinnen und Anleger auf eine anhaltende Phase von äusserst tiefen Renditen im festverzinslichen Bereich gefasst machen. Zuallererst sollte daher überprüft werden, ob übermässig viel Liquidität – also Barmittelbestände auf Transaktions- oder Sparkonten oder auch kurzfristige Festgelder – gehalten wird. Dies sollte im Rahmen einer sorgfältigen Liquiditätsplanung erfolgen.

Falls überschüssige Barmittel vorhanden sind, die auf absehbare Zeit keine positive reale Rendite mehr abwerfen dürften, stellt sich die Frage, wie diese investiert werden sollen. Eine Möglichkeit besteht darin, eine bereits bestehende, breit diversifizierte Kernanlage aufzustocken. Angesichts der erheblichen Unsicherheit über den weiteren Marktverlauf bietet sich ein über einen bestimmten Zeitraum gestaffelter Einstieg an. Weiter könnten auch spezifische Investments in ertragsorientierte Anlagen ins Auge gefasst werden. Infrage kommen etwa Portfolios aus hochwertigen Dividendenaktien, allenfalls ergänzt durch ein systematisches Verschreiben von Call-Optionen zwecks Generierung zusätzlicher, einkommensteuerbefreiter Erträge. Aber auch alternative Anlagen wie der Aufbau einer Private-Equity-Roadmap oder Hedge Funds können in Erwägung gezogen werden. Im festverzinslichen Bereich bieten sich Anleihenportfolios mit etwas längerer Duration, bestehend aus soliden Unternehmensanleihen an.

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