Absichern Exportrisiken «Absicherung ist entscheidend»

Das Unternehmen Matisa mit Sitz in Crissier nutzt beispielhaft eine breite Palette von Exportrisikogarantien, um seine Aktivitäten in der Bahnindustrie langfristig zu sichern.

Fotos: Pauline Aellen

Matisa, seit fast 75 Jahren ein Aushängeschild der Schweizer Industrie, zählt zu den führenden Herstellern von Maschinen für die Instandhaltung und Erneuerung von Eisenbahngleisen. Das Unternehmen verkauft knapp 90 Prozent seiner Produkte im Ausland, hauptsächlich in Europa, aber auch in Südamerika, Japan und Australien. Für Matisa ist es daher unumgänglich, sich gegen Exportrisiken abzusichern. Ohne bestimmte Garantien, darunter die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV), könnten die Finanzierung und die Rentabilität der Auslandsgeschäfte nicht gewährleistet werden. Nachfolgend ein Interview mit Franz Messerli, CEO von Matisa.

Was sind für Matisa die Hauptrisiken im internationalen Handel?

Franz Messerli: Unsere Tätigkeiten hängen zu einem grossen Teil von den politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in den Ländern ab, in die wir exportieren. So führte etwa die Wirtschaftskrise 2008 dazu, dass Investitionen im europäischen Eisenbahnsektor ausblieben oder verschoben wurden. Aus Deutschland, einem für uns wichtigen Markt, erhielten wir in den Jahren nach der Krise keine einzige Bestellung. Auch in Spanien war die Lage kritisch. Letztes Jahr lieferten wir nach sieben Jahren eine Maschine aus, obwohl es bereits Vorbestellungen gab. Europa bleibt unser Hauptabsatzmarkt, doch wir streben jetzt eine stärkere Diversifizierung an. Die Volatilität des Devisenmarkts stellt eine weitere grosse Herausforderung dar. Die Konjunkturzyklen verkürzen sich und die Schwankungen fallen stärker aus. Die Unternehmen sind diesen Risiken daher stärker ausgesetzt als noch vor 20 Jahren.

Wie können Sie sich diesbezüglich absichern?

Sobald ein künftiger Cashflow identifiziert wird, sichern wir unsere Gewinnmarge konsequent ab. Weil unsere Verträge in der Regel in der Währung des Kunden abgeschlossen werden, ist die Absicherung des Währungsrisikos durch Hedging-Lösungen unverzichtbar. So können wir unsere Cashflows planen und die Nachhaltigkeit unserer Aktivitäten gewährleisten. Aufgrund der Art unserer Geschäftstätigkeit und der Herstellungsdauer für eine Maschine kann es zudem vorkommen, dass der Eingang der Verkaufserlöse vorzeitig oder verzögert erfolgt. Glücklicherweise gibt es für diesen Fall spezielle Lösungen, die den jeweiligen Bedürfnissen angepasst werden.

Franz Messerli (links), CEO von Matisa, sichert die Exporte des Konzerns durch mehrere internationale Risikogarantien ab.

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Matisa zählt zu den führenden Herstellern von Maschinen für die Instandhaltung und Erneuerung von Eisenbahngleisen – knapp 90 Prozent der Produkte werden ins Ausland exportiert.

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Das Unternehmen exportiert hauptsächlich nach Europa, versucht aber, sich künftig stärker in andere geografische Regionen zu diversifizieren.

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Da Verträge meist in der Währung des Kunden abgeschlossen werden, stärkt Matisa den Cashflow konsequent durch Lösungen zur Währungsabsicherung (Hedging).

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Während der Herstellungsphase leisten Kunden mehrere Anzahlungen. Um die Geldleistung des Kunden und die ordnungsgemässe Lieferung der Maschine sicherzustellen, kommen über die Produktionszeit verschiedene Formen von Garantien zur Anwendung.

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Mit der Schweizerischen Exportrisikoversicherung schützt sich Matisa vor politischen Risiken und Delkredererisiken. Das gilt insbesondere für die Lieferung von Maschinen in potenziell instabile Länder wie Brasilien oder Argentinien. Da Versicherungen dieser Art allerdings teuer sind, werden sie nicht systematisch eingesetzt.

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Matisa nutzt auch Bankgarantien. Welche Vorteile bieten sie?

Bestellt ein Kunde eine Maschine, werden in der Herstellungsphase bereits mehrere Anzahlungen fällig. Dadurch sind wir in der Lage, Investitionen zu tätigen und Material zu kaufen. Wenn wir diese Geldbeträge vom Kunden erhalten, müssen wir ihm eine Anzahlungsgarantie geben. Ohne eine solche Garantie werden die Beträge nicht überwiesen. Abschliessend ist noch eine Leistungsgarantie auszustellen, die gewährleistet, dass die Maschine ordnungsgemäss funktioniert. So können wir vermeiden, dass der Käufer über einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten zwischen 5 und 10 Prozent der Vertragssumme zurückhält. Ohne eine Bank wie UBS, die uns diese Garantien zur Verfügung stellt, erhielten wir weniger Anzahlungen, was sich letztlich negativ auf unseren Cashflow auswirken würde.

Inwiefern nützt Matisa die SERV, die Schweizerische Exportrisikoversicherung?

Die SERV deckt zahlreiche Risiken ab, darunter politische Risiken und das Delkredererisiko. Wenn wir eine Maschine in potenziell instabile Länder wie Brasilien oder Argentinien liefern, garantiert uns die SERV, dass wir tatsächlich bezahlt werden. Sie schützt sowohl direkt den Exporteur als auch die Banken in Bezug auf die ausgestellten Garantien. Ferner bietet sie die Möglichkeit, attraktivere Kredite zu erhalten.

Wird die SERV systematisch abgeschlossen?

Nein, in Westeuropa und in Australien haben wir die SERV noch nie genutzt. Aber in den Schwellenländern greifen wir gelegentlich darauf zurück. Weil diese Versicherungen teuer sind, müssen wir immer abwägen. Im Gegenzug ist die Transaktion zuverlässig abgesichert.

Welche Herausforderungen kommen in den nächsten Jahren auf Sie zu?

Die grösste ist die Aufrechterhaltung der Produktion in der Schweiz. Wären da nicht die Stabilität des Landes und das gut ausgebildete Personal, hätten wir die Schweiz sicher schon verlassen müssen. Das wäre schade, denn wir verfügen über wertvolles Know-how. Zudem sichern wir hier zahlreiche Arbeitsplätze. (Anm. der Redaktion: Matisa beschäftigt am Standort Crissier 550 Personen.) Seit einigen Jahren stellen wir jetzt aber auch in Italien Maschinen für den aussereuropäischen Markt her. Eine weitere und für uns bedeutende Herausforderung ist die Anpassung an die zunehmende Anzahl von und immer komplexer werdenden Eisenbahnnormen. Obendrein müssen wir uns mit der Entwicklung einer echten digitalen Strategie befassen, die uns neue Serviceaufträge verschafft.

Handel absichern und finanzieren

Unternehmen haben mehrere Möglichkeiten, um sich im internationalen Handel abzusichern. UBS stellt hierfür eine breite Palette von Lösungen bereit. Eine davon ist das Akkreditiv. Es bietet wichtige Vorteile: Zahlungssicherung für den Verkäufer und Liefersicherheit für den Käufer. Es gibt unterschiedlichste Arten von Akkreditiven: übertragbare und revolvierende Akkreditive, solche, die «auf Sicht» (also sofort) bezahlt werden müssen, und Akkreditive, bei denen die Zahlung erst später erfolgt.

Zudem können die Unternehmen direkte oder indirekte Bankgarantien in Form eines Standby Letter of Credit, einer einfachen oder solidarischen Bürgschaft oder einer bestätigten Anweisung in Anspruch nehmen. Bei der Bankgarantie verpflichtet sich eine Bank zur Zahlung eines bestimmten Betrags an den Begünstigten, wenn der Auftraggeber der Garantie eine vereinbarte Leistung oder eine Zahlung nicht erbringt. Bankgarantien sind auch ein gutes Argument in Verhandlungen. Denn eine Bank wird nur dann eine Garantie ausstellen, wenn sie die Bonität des Auftraggebers gründlich geprüft hat.

Exportierende Unternehmen profitieren zudem von Lösungen, die von UBS und der SERV angeboten werden. Das Unternehmen kann der Bank zum Beispiel seine Forderung abtreten, die Produktion seiner Exportgüter vorzufinanzieren, ohne zusätzliche Sicherheiten vorzulegen, oder eine bestehende Kreditlinie nutzen.

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