Different Currencies

Die globale Währungslandschaft wird unverändert von geopolitischen Spannungen, der Politik der Zentralbanken und den Wirtschaftsdaten geprägt. Zwar hatte der Konflikt im Nahen Osten im März erheblichen Einfluss auf die Devisenmärkte, doch haben sich einige der anfänglichen Kursbewegungen in letzter Zeit wieder umgekehrt, da sich die Anleger wieder auf die Fundamentaldaten und die geldpolitischen Entwicklungen besinnen.

Der US-Dollar (USD) profitierte zunächst von Kapitalströmen in als sicher geltende Anlagen und dem Status der USA als Energieexporteur, hat jedoch in letzter Zeit an Dynamik eingebüsst. Dies ist auf eher durchwachsene US-Konjunkturdaten, die sinkenden Umfragewerte der Republikaner im Vorfeld der Zwischenwahlen im November sowie die weltweiten Zinserwartungen zurückzuführen, die für den US-Dollar eine Belastung darstellen. Die politische Unsicherheit in den USA trägt ebenfalls zur Volatilität bei.

Der Euro (EUR) geriet zu Beginn des Konflikts unter Druck, hat sich seitdem aber wieder erholt, da die Märkte nun davon ausgehen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) als Reaktion auf die anhaltende Inflation weitere Zinserhöhungen in Betracht ziehen wird. Wir gehen unvermindert davon aus, dass der EURUSD-Kurs in der zweiten Jahreshälfte 2026 bei 1.20 liegen wird, gestützt durch fiskalpolitische Massnahmen in Europa, die sowohl der Wirtschaft als auch der Währung zuträglich sein dürften.

Der Schweizer Franken (CHF) war zu Beginn des Konflikts als vermeintlicher sicherer Hafen gefragt, steht nun aber dank wiederkehrender Risikobereitschaft unter Druck. Die weltweit steigenden Zinserwartungen haben die Zinsdifferenz gegenüber dem Schweizer Franken vergrössert und diesen belastet. Wir gehen davon aus, dass der CHF nach dem Abklingen des Konflikts hinterherhinken wird, während EURCHF mittelfristig einen Aufwärtstrend verzeichnen dürfte.

Das britische Pfund (GBP) hat sich trotz geopolitischer Unsicherheiten und der bevorstehenden Kommunalwahlen im Mai als robust erwiesen und wir rechnen nach der Wahl mit weiteren Anstiegen. Die norwegische Krone (NOK) bleibt für renditeorientierte Anleger attraktiv, gestützt durch eine geringe Staatsverschuldung und solide Fundamentaldaten. Nach einer Phase der Konsolidierung gehen wir ferner von einer Erholung der schwedischen Krone (SEK) aus.

Den chinesischen Yuan (CNY) und den australischen Dollar (AUD) stufen wir mit «Attraktiv» ein. Starke Umtauschströme am Devisenmarkt und der hohe Handelsbilanzüberschuss dürften eine Aufwertung des CNY gegenüber dem USD ermöglichen. Aktuelle Berichte in staatlichen Medien signalisieren ferner, dass China eine «starke Währung» im Welthandel und den weltweiten Reserven anstrebt. Was den AUD anbelangt, wurde die Zinserhöhung der Reserve Bank of Australia (RBA) um 25 Basispunkte (Bp.) auf 4,1% allgemein erwartet, wenngleich das Stimmenverhältnis von 5 zu 4 überraschte. Dies untermauert unsere Einschätzung, dass die RBA eine vorsichtigere, stärker von den Daten abhängige Haltung einnehmen könnte – und die Inflationsrisiken sowie ein allmählich nachlassendes Wachstum gegeneinander abwägt. Während sich daraus kurzfristige Belastungen ergeben, glauben wir, dass die längerfristige AUDUSD-Entwicklung aufgrund der höheren Rohstoffpreise intakt bleibt.

Schwellenländerwährungen konnten im April einen Teil ihrer früheren Verluste wieder wettmachen, da sich die Stimmung bezogen auf den Nahostkonflikt verbesserte. Asiatische Währungen blieben zurück, während der brasilianische Real von seinem hohen Carry und Portfoliozuflüssen profitierte und Ungarns Forint nach dem dortigen Regierungswechsel Aufwind erfuhr. Der Krieg im Nahen Osten birgt weiterhin Abwärtsrisiken für das Wachstum und sorgt erneut für Aufwärtsdruck auf die Inflation. Viele Zentralbanken in Schwellenländern dürften weitere Zinssenkungen nur zögerlich vornehmen oder sogar Zinserhöhungen in Betracht ziehen. Dies dürfte mittelfristig den Carry-Währungen zugutekommen, wobei wir weiterhin ein diversifiziertes Engagement bevorzugen, einschliesslich Hochzinswährungen wie BRL, MXN, ZAR und TRY. Kombinationen dieser Währungen mit niedriger rentierenden zyklischen Währungen können helfen, Volatilitätsschübe zu bewältigen. Die anhaltende Nachfrage, ausgelöst von Diversifizierungsbemühungen gegenüber dem US-Dollar, sowie – in einigen Fällen – die attraktiven Aussichten auf steigende Rohstoffpreise wirken sich ebenfalls günstig aus. Die spekulativen Positionen in diesen Währungen scheinen sich nach dem letzten Abverkauf deutlich verringert zu haben, dürften unterdessen aber mit der Erholung auch wieder zugenommen haben.

Insgesamt rücken die wirtschaftlichen Fundamentaldaten und die Geldpolitik der Zentralbanken wieder in den Vordergrund, wenngleich geopolitische Risiken unvermindert von Bedeutung sind. Anleger sollten flexibel bleiben, da das Zusammenspiel von Politik, Wachstum und Geldpolitik weiterhin sowohl Chancen als auch Risiken auf dem Devisenmarkt eröffnen wird. Die vor uns liegenden Monate werden zeigen, ob sich die Märkte kontinuierlich von geopolitischen Einflüssen lösen und wieder auf makroökonomische Trends konzentrieren werden.

Hauptrisiken

Unser Ausblick für Währungen wird von einem breiteren Spektrum von potenziellen Entwicklungen beeinflusst als gewöhnlich. Die Wechselkurse können sich daher sowohl in die eine als auch in die andere Richtung bewegen. Die gestiegene geopolitische Unsicherheit und die Möglichkeit eines ausgeprägteren globalen Konjunkturabschwungs sind Herausforderungen für unsere Strategie, Carry-Trades und zyklische Währungen zu bevorzugen.

Ebenso könnte eine stärkere Erholung der US-Wirtschaft zu einer Verschiebung der erwarteten Zinssenkungen führen, den US-Dollar stützen und zusätzliche Hürden für unsere aktuellen Positionen schaffen. Die Volatilität der Wechselkurse ist zwar von den tiefen Niveaus des vergangenen Jahres gestiegen, liegt aber weiterhin unter den Niveaus von 2022. Die Volatilität könnte weiter steigen, vor allem wenn die Rohöltransporte durch die Strasse von Hormus nicht bald wieder aufgenommen werden. Umgekehrt könnte eine Entspannung der Lage zu einer rapiden Aufwertung wachstumsorientierter Währungen führen, wenn die Anleger versuchen, ihr Portfoliorisiko zügig anzupassen.