Wie können Stiftungen mit den gleichen Mitteln mehr Wirkung erzielen?

Diese Studie zeigt, wie unternehmerische Förderung dazu beitragen kann – gestützt auf die Erfahrungen der UBS Optimus Foundation und die Analyse des Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel zum Schweizer Stiftungssektor.

Erfahren Sie mehr über:

  • Die zentralen Prinzipien unternehmerischer Förderung
  • Handlungsempfehlungen für Stiftungen
  • Fallstudien, einschliesslich des Beispiels der UBS Optimus Foundation

5 Prinzipien für unternehmerische Förderung

Wirkung neu denken

Wirkung neu denken: von der Einzelförderung zur systemischen Veränderung

Unternehmerische Förderung zielt nicht nur auf die Unterstützung einzelner Organisationen, sondern auf nachhaltige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen. Unternehmerische Förderung ist immer verbunden mit der Frage, welche zusätzliche Unterstützung braucht es, damit eine nachhaltige Wirkung entstehen kann?

Three cyclists on road

Fördergelder strategischer einsetzen

Fördergelder strategischer einsetzen: von einmaliger Förderung zu mehrfacher Wirkung

Im Unterschied zur klassischen Förderung ist die mehrmalige Nutzung der gleichen Mittel ein angestrebtes Nebenziel. Durch Rückflüsse, Kofinanzierung oder die Mobilisierung weiterer Mittel entsteht ein Hebeleffekt: Die gleichen Ressourcen tragen wiederholt zur Zielerreichung bei und erhöhen so die Gesamtwirkung.

Hiking

Einen ganzheitlichen Blick einsetzen

Einen ganzheitlichen Blick einsetzen: Förderung als strategische Kombination von Instrumenten verstehen

Unternehmerische Förderung nutzt gezielt eine Kombination unterschiedlicher Finanzierungs- und Förderinstrumente. Entscheidend ist nicht das einzelne Instrument, sondern deren passen-des Zusammenspiel – abgestimmt auf Ziel, Kontext und Entwicklungsphase der geförderten Organisationen.

Pathway in mountain landscape, Engadine

Rollenverständnis weiterentwickeln

Rollenverständnis weiterentwickeln: von der Geldgeberin zur aktiven Mitgestalterin

Stiftungen übernehmen in der unternehmerischen Förderung eine aktivere Rolle. Sie begleiten Organisationen enger, bringen Wissen und Netzwerke ein und unterstützen sie in ihrer Entwicklung. Wirkung entsteht dabei nicht nur durch Kapital, sondern durch das Zusammenspiel von Finanzierung, Expertise und Vernetzung.

Rowing team training on lake

Auf den Weg machen

Auf den Weg machen: unternehmerische Förderung als Lernprozess

Es gibt keinen besten Einstieg und keine Standardlösung. Unternehmerische Förderung entwickelt sich laufend – durch Ausprobieren, Lernen und Anpassen. Erfolgreiche Stiftungen beginnen bewusst mit ersten Schritten, reflektieren ihre Erfahrungen und bauen ihre Ansätze kontinuierlich weiter aus.

Boardwalk in Appenzell mountains, Switzerland

Grundlagen der unternehmerischen Förderung

Wie können Stiftungen ihr Potenzial für gesellschaftliche Unterstützung besser ausschöpfen? Dieser Praxisleitfaden zeigt in seiner Kurzfassung anhand von realen Beispielen und vertiefenden Analysen auf, wie Stiftungen mit unternehmerischer Förderung eine Hebelwirkung erzielen und ihr Kapital mehrfach für den gemeinnützigen Zweck einsetzen können.

Der Praxisleitfaden soll Stiftungen helfen, die für sie richtige Form und Methoden für unternehmerische Förderung zu finden und dazu motivieren, innovative Wege in der Förderung zu gehen.

Unter unternehmerischer Förderung verstehen wir die gezielte Unterstützung tragfähiger Aktivitäten für einen gemeinnützigen Zweck durch den strategischen Einsatz oder die Kombination verschiedener Finanzierungsinstrumente, Fördermechanismen und begleitender Strukturen. Ziel ist es, die Wirkung der Fördermittel zu erhöhen, indem diese mehrfach eingesetzt, Rückzahlungen geleistet werden oder zusätzliches Kapital mobilisiert werden kann.

Die Studie basiert auf einer Kombination aus Literatur- und Dokumentenanalyse, einer quantitativen Umfrage sowie Fallstudien von Schweizer Förderstiftungen mit qualitativen Interviews.  Die unterschiedlichen methodischen Zugänge wurden gezielt miteinander verknüpft, um ein umfassendes Gesamtbild ermöglichen.

Zur Strukturierung der Analyse und Ableitung der Handlungsempfehlungen wurde ein Analysemodell entwickelt.

Das Analysemodell umfasst drei wesentliche Dimensionen: Intention, Finanzierungsinstrumente (Allocation) und Mitwirkungsintensität (Dedication).

«Intention» beschreibt die Zielsetzung der Stiftung für unternehmerische Förderung.

«Allocation» bezieht sich auf die konkrete Verwendung der finanziellen Mittel und die eingesetzten Instrumente.

«Dedication» beschreibt die Mitwirkungsintensität, die Tiefe und Art des Engagements der Stiftung.

Allocation chart

Wie Umsetzung gelingt

Auf der Basis der Analyse lassen sich drei zentrale Handlungsfelder für die praktische Umsetzung unternehmerischer Förderung ableiten.

Intention

Wie entwickle ich die Intention meiner Stiftung für unternehmerische Förderung?

  • Stiftungszweck auf Eignung prüfen
  • Organisationale Bereitschaft für unternehmerische Förderung herstellen
  • An Netzwerken beteiligen und Partnerschaften entwickeln
  • Wirkung klar priorisieren und strategisch verankern
  • Voraussetzung für Reinvestition und zirkuläre Mittelnutzung schaffen
  • Unternehmerische Förderung in strategisches Profil integrieren

Allocation

Wie finde ich die richtigen Instrumente der unternehmerischen Förderung für meine Stiftung?

  • Unternehmerische Förderung als Lernprozess verstehen
  • Förderinstrumente an eigene Ressourcen und Kompetenzen anpassen
  • Rückzahlungslogik bewusst als Steuerungsinstrument nutzen
  • Mit einfachen, passenden und machbaren Instrumenten starten
  • Hebelwirkung und Katalysatorfunktion in den Vordergrund stellen

 

Dedication

Wie kann meine Stiftung in der unternehmerischen Förderung engagiert sein und zu einer besser gesellschaftlichen Wirkung beitragen?

  • Rollen der Stiftung strategisch klären und festlegen
  • Netzwerk- und Ökosystemarbeit gezielt stärken
  • Kompetenzen aufbauen und Organisation als lernendes System entwickeln
Hiker on hilltop

Intention graph
Abbildung 2: Motive für unternehmerische Fördermodelle (eigene Darstellung in Anlehnung an Epstein/ Yuthas 2014)

Aus den analysierten Fallstudien lassen sich vier zentrale Motivcluster für unternehmerische Fördermodelle ableiten. Die nachfolgende Abbildung zeigt diese vier Cluster nach ihrer Bedeutung für die Stiftung und die Bedeutung für die Gesellschaft angeordnet. Damit soll deutlich werden, dass es bei unternehmerischer Förderung nicht um eine Entscheidung zwischen Finanz- und Wirkungsertrag geht, sondern um die Abstimmung zwischen mehreren relevanten Motiven.

Hiker standing on hilltop

Allocation graph
Abbildung 3: Phasen der unternehmerischen Förderung (Eigene Darstellung in Anlehnung an UBS Optimus Foundation 2025, S. 34)

Phasen der Umsetzung

Unabhängig von der Wahl des Förderinstruments braucht unternehmerische Förderung ein systematisches Vorgehen, um die damit verbundenen Herausforderungen und Risiken bewältigen zu können.

Mountains and trees

        

Dedication chart
Abbildung 4: Rollen von Förderstiftungen in unternehmerischer Förderung (Eigene Darstellung).

Rollen von Förderstiftungen in unternehmerischer Förderung (Eigene Darstellung).

Lernen aus der Praxis: Fallbeispiele

UBS Optimus Foundation

Hiker standing on mountain cliff at sunset, Switzerland

UBS Optimus Foundation: Zehn Jahre praktische Erfahrung in «impact-first investing»

In den letzten zehn Jahren hat sich die UBS Optimus Foundation von einer klassischen Förderorganisation zu einer anspruchsvollen, impact‑first orientierten Investorin entwickelt. Outcomes‑basierte Finanzierungen und direkte Investments in Sozialunternehmen (z.B. mit Impact Loans oder Beteiligungen) werden heute gezielt als Ergänzung zur klassischen Philanthropie eingesetzt. Dieser Wandel erfolgte schrittweise, bewusst und lernorientiert – nicht ideologisch oder abrupt. Schon sehr früh wurden zudem vermögende Privatpersonen und andere Stiftungen als Mitfinanzierer eingebunden, welche sich mittels einer Spende an die UBS Optimus Foundation an diesen Finanzierungsformen beteiligten und dadurch vom Know-how und dem Lernprozess profitierten.

Der Einstieg von UBS Optimus Foundation in dieses impact-first investing erfolgte über Outcomes Contracts (Development Impact Bonds). Diese Pay‑for‑Results‑Strukturen entsprachen sowohl dem wachsenden Bedürfnis von Geldgebern nach Messbarkeit und Rechenschaft als auch dem philanthropischen Auftrag der Stiftung. UBS Optimus Foundation übernahm in der Regel die Rolle der risikotragenden Förderin, stellte die Vorfinanzierung bereit und trug das Verlustrisiko bei Nichterreichung der vereinbarten Ergebnisse.

Ein prominentes Beispiel ist der Quality Education India Development Impact Bond, der rund 100 000 Schülerinnen und Schüler erreichte und Lernfortschritte erzielte, die 2,5‑mal höher waren als in Vergleichsgruppen – trotz erheblicher COVID‑19‑bedingter Unterbrechungen. Entscheidend war die Erkenntnis, dass robuste soziale Wirkung mit Kapitalrückflüssen kombiniert werden kann, wodurch Mittel für neue Wirkung wiederverwendet werden können. Gleichzeitig baute die Stiftung Kompetenzen in Recht, Governance und Performance‑Management auf.

Aufbauend auf diesen Erfahrungen testete UBS Optimus Foundation hybride Finanzierungsinstrumente (Blended Finance), die junge Sozialunternehmen zu mehr Disziplin verpflichteten, ohne sie zu überfordern. Diese Transaktionen haben es der UBS Optimus Foundation ermöglicht, ihre Erfahrung gezielt auszubauen und so ihr Verständnis in zentralen Bereichen zu vertiefen: beim Risikomanagement, bei der wirkungsvollen Gestaltung von Anreizsystemen für Unternehmen sowie bei einer passgenauen Governance. Dabei dienten klar definierte Wirkungsziele stets als richtungsweisender Leitstern.

Die zentrale Erkenntnis: Einzelne Outcomes Contracts lassen sich nur begrenzt skalieren. Als Antwort darauf initiierte UBS Optimus Foundation den SDG Outcomes Fund, einen USD 100 Mio. Blended‑Finance‑Fonds mit Sitz in Luxemburg und einer Laufzeit von 12 Jahren. Die Stiftung stellt mindestens 20 % First‑Loss‑Kapital, um institutionelle Investoren zu mobilisieren. Die USD 100 Mio. wurden Mitte 2025 erreicht, und dank dem Fonds profitierten unter anderem bereits über 100 000 Kinder in Sierra Leone und Ghana von besserer Schulbildung.1

Der Fonds markiert den Übergang von der Machbarkeitsstudie zur systematischen Skalierung von outcomes‑basierter Finanzierung in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Umwelt in Afrika und Asien.

Parallel dazu baute UBS Optimus Foundation ein Portfolio an direkten Impact Investments auf – sowohl mit UBS-Spenden, wie auch den Spenden von Kunden, die an unternehmerischer Förderung interessiert waren. Ende 2025 umfasste das «Accelerate the Future»-Portfolio 19 Investitionen mit einem Volumen von rund USD 30 Mio., mit Schwerpunkt auf Afrika sowie Süd- und Südostasien.

Wesentliche Lernerfahrungen waren der Bedarf an geduldigem Kapital, an cashflowgerechten Rückzahlungsstrukturen sowie an robuster Governance – insbesondere bei Eigenkapitalbeteiligungen. Direkte Investitionen werden nicht als Ersatz für traditionelle Fördermechanismen verstanden, sondern als Weg, wirkungsstarke Organisationen langfristig tragfähig zu machen.

Praktische Empfehlungen der UBS Optimus Foundation für andere Stiftungen:

  • Unternehmerische Förderung ist dann wirksam, wenn sie die traditionelle Philanthropie ergänzt, nicht ersetzt.
  • Erfolgsentscheidend sind institutioneller Kompetenzaufbau, Klarheit über Zusatznutzen, Risikobewusstsein und die Bereitschaft, zu lernen und Strukturen anzupassen.
  • Richtig eingesetzt kann unternehmerische Förderung die Wirkung und Reichweite philanthropischen Kapitals substanziell erweitern bei gleichzeitigem Fokus auf nachweisbare Wirkung.

1SDG Outcomes Fund hits USD 100mn target with anchor commitment from the European Union, https://www.ubs.com/global/en/media/displaypage-ndp/en-20250703-sdg-outcomes-fund.html

Swiss Re Foundation

Family on mountain top overlooking Lake Lugano

Swiss Re Foundation: Wie können Stiftungen unternehmerische Förderung in ihre bestehende Praxis integrieren – ohne ihre Strukturen grundlegend zu verändern?

Das Beispiel der Swiss Re Foundation zeigt, wie eine Stiftung schrittweise die eigene Erfahrung in unternehmerischer Förderung steigern kann. Mit einem jährlichen Fördervolumen von rund 8 Millionen CHF hat die Stiftung in den vergangenen Jahren begonnen, unternehmerische Förder-ansätze systematisch zu erproben und auszubauen. Insgesamt sollen nicht mehr als 20% der Fördermittel über entsprechende Instrumente eingesetzt werden.

Der Weg dorthin erfolgte jedoch schrittweise über mehrere Entwicklungsphasen: Von einem indirekten Einstieg über spezialisierte Intermediäre sowie Abklärungen zu regulatorischen und organisatorischen Voraussetzungen fand die Stiftung Lösungen, um in Zukunft eigene unternehmerische Fördermodelle einzusetzen. Auslöser dafür waren zwei Beobachtungen: Erstens zeigte sich in vielen Förderbereichen wie etwa bei Klima- oder Gesundheitsprojekten in Schwellenländern, dass klassische Förderbeiträge zwar in frühen Phasen sinnvoll sind, später jedoch an Grenzen stossen können. Zweitens existiert weltweit viel Kapital für Impact Investing, während in frühen Entwicklungsphasen häufig Finanzierungslücken bestehen. Stiftungen können hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie Risiken in frühen Phasen übernehmen und damit eine Pipeline für spätere Investitionen schaffen.

Ein erster Entwicklungsschritt bestand darin, unternehmerische Förderinstrumente zunächst indirekt anzuwenden. Seit etwa drei Jahren vergibt die Stiftung Fördermittel an spezialisierte Organisationen, die selbst unternehmerische Finanzierungsinstrumente einsetzen – beispielsweise Working-Capital-Finanzierungen oder Darlehen für Sozialunternehmen. Die Stiftung vergibt dabei klassische Förderbeiträge an diese Intermediäre, verzichtet aber bewusst auf Rückflüsse aus den finanzierten Instrumenten. Die Mittel verbleiben innerhalb des jeweiligen Wirkungsfeldes und werden dort wiederkehrend weiter eingesetzt. Dieser Ansatz ermöglicht es der Stiftung, Erfah-rungen mit unternehmerischen Modellen zu sammeln, ohne selbst komplexe Strukturen aufbau-en zu müssen.

Parallel zur indirekten Förderung begann die Stiftung, interne Voraussetzungen für eine direkte Umsetzung zu schaffen. Dazu gehörten rechtliche und steuerliche Abklärungen – insbesondere im Kontext der Praxisänderungen der Steuerverwaltung im Kanton Zürich – sowie Anpassungen interner Prozesse. Ein wichtiges Learning aus dieser Phase war, dass kleinere Stiftungen selten über ein ausreichendes Investitionsvolumen verfügen, das den Aufbau eigener Strukturen recht-fertigen würde. Stattdessen erwies sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnerorganisationen als zielführend.

Auf Basis dieser Erfahrungen plant die Stiftung, in Zukunft auch selbst unternehmerische Förder-instrumente einzusetzen, etwa sogenannte «recoverable grants» oder andere rückzahlbare Förderformen. Ziel ist dabei nicht die Erzielung finanzieller Renditen, sondern eine effizientere Nutzung philanthropischer Mittel: Wenn ein Teil der Mittel zurückfliesst, können diese erneut für den Stiftungszweck eingesetzt werden.

Zentrale Erkenntnisse für die Praxis

  • Schrittweises Vorgehen: Der Einstieg über indirekte Modelle reduziert Risiken und ermöglicht Lern-prozesse.
  • Partnerschaften nutzen: Spezialisierte Intermediäre können Kompetenzen bereitstellen, die kleinere Stiftungen selbst kaum aufbauen können.
  • Risikobereitschaft als Stärke der Philanthropie: Stiftungen können bewusst höhere Risiken eingehen als klassische Investoren und damit wichtige Vorleistungen im Ökosystem erbringen.

Hasler Stiftung

Hiker standing on mountain peak at sunset

Hasler Stiftung: Wie finden Stiftungen die für sie passende unternehmerische Förderung?

Die Erfahrung der Hasler Stiftung zeigt, dass der Weg zu passenden Instrumenten nicht immer geradlinig verläuft. Vielmehr handelt es sich um einen Lernprozess, in dem unterschiedliche An-sätze ausprobiert, deren Grenzen erkennt und die Förderstrategie entsprechend anpasst werden.

Die Hasler Stiftung ging aus den Hasler‑Werken in Bern hervor, einem prägenden Schweizer Unternehmen der Telekommunikations- und Nachrichtentechnik. Als Eigentümerin trug die Stiftung über längere Zeit unternehmerische Verantwortung für die Weiterführung und Entwicklung des Unternehmens. Im Zuge der industriellen Konsolidierung wurden die Hasler‑Werke Teil der Ascom‑Gruppe. Die Hasler Stiftung blieb zunächst eng mit Ascom verbunden, zog sich jedoch schrittweise aus der unternehmerischen Rolle zurück. Dieser Abnabelungsprozess führte zu einer grundlegenden Neuausrichtung der Stiftung. Heute ist die Hasler Stiftung eine unabhängige, gemeinnützige Förderstiftung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Die DNA als Unternehmensstiftung blieb jedoch erhalten.

Ein erster Schritt in Richtung unternehmerische Förderung erfolgte bereits Anfang der 2000er-Jahre. Damals entschied sich die Stiftung, gezielt Start-ups zu unterstützen. Ziel war es, Innovationen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen schneller in die Praxis zu bringen und damit die Entwicklung der IKT-Branche zu stärken. Zwischen 2004 und 2021 beteiligte sich die Stiftung an mehreren jungen Unternehmen, meist mit begrenzten Beteiligungen und ohne primäres Renditeziel. Die Investitionen wurden intern weiterhin als Förderaufwand betrachtet und nicht als klassisches Investment geführt. Tatsächlich gab es einzelne Erfolgsgeschichten – einige geförderte Unternehmen wurden später von internationalen Technologiekonzernen übernommen. Gleichzeitig zeigte die Praxis aber auch die Grenzen dieses Ansatzes.

Mit der Zeit wurde deutlich, dass Start-up-Förderung für eine vergleichsweise kleine Stiftung mit begrenzten personellen Ressourcen sehr aufwendig ist. Beteiligungen erfordern kontinuierliche Begleitung: Berichte müssen gelesen, Generalversammlungen besucht und Entscheidungen über Kapitalerhöhungen getroffen werden. Gleichzeitig entwickeln sich viele Start-ups langsamer als erwartet; der erhoffte schnelle Durchbruch bleibt oft aus.

Hinzu kommt eine zweite Herausforderung: Um Start-ups erfolgreich auswählen zu können, braucht es spezifisches Know-how. Die Beurteilung technologischer Geschäftsmodelle unter-scheidet sich deutlich von der Bewertung klassischer Förderprojekte. Für Stiftungsräte und Geschäftsstellen, deren Kompetenzen häufig eher im Förderbereich liegen, kann diese Rolle anspruchsvoll sein.

Vor diesem Hintergrund entschied sich die Stiftung, ihre Strategie neu auszurichten. Seit 2021 investiert sie nicht mehr direkt in Start-ups. Stattdessen konzentriert sie sich im Bereich der Innovationsförderung auf einfachere Förderinstrumente, die besser zu ihren Ressourcen und ihrem Förderauftrag passen.

Ein zentrales Instrument sind heute sogenannte „katalytische“ Förderbeiträge. Die Stiftung unterstützt beispielsweise Forschungsprojekte, die als Vorbereitung für grössere Förderanträge bei öffentlichen Förderorganisationen dienen. Ziel ist es, die Erfolgschancen dieser Anträge zu erhöhen und dadurch zusätzliche Mittel zu mobilisieren. In anderen Fällen vergibt die Stiftung Defizit-garantien für Veranstaltungen oder Projekte, um Planungssicherheit zu schaffen und gleichzeitig weitere Finanzierungspartner anzuziehen.

Praktische Empfehlungen für andere Stiftungen:

  • Es gibt keine Blaupause: unternehmerische Förderung ist kein festes Instrument, sondern ein Prozess des Lernens und Anpassens.
  • Grenzen erkennen: Stiftungen sollten die Förderinstrumente wählen, die zu ihren eigenen Ressourcen und Kompetenzen passen.
  • Fokus auf Machbarkeit: Stiftungen können Wirkung oft auch mit vergleichsweise einfachen Instrumenten erreichen.

USZ Foundation

Buttercups on meadow

USZ Foundation: Wie gross ist das Potenzial, mit philanthropischen Mitteln eine Hebelwirkung zu erzeugen?

Die USZ Foundation ist die gemeinnützige Stiftung des Universitätsspitals Zürich (USZ). Gemeinsam mit ihren Gönnerinnen und Gönner unterstützt sie medizinische Innovationen am USZ, unmittelbar die Lebensqualität der Menschen verbessern. Ihre Förderung ist hauptsächlich philanthropischer Natur, seit 2024 verfügt die Stiftung über ein unternehmerisches Fördermodell für Start-ups. Denn am USZ entstehen immer wieder Ideen mit Marktpotenzial. Doch der Weg von einer vielversprechenden Idee zu einer marktfähigen Lösung ist lang – und gerade in der frühen Phase fehlen oft passende Finanzierungsquellen.

Hier sieht die Stiftung ihre besondere Rolle. Mit dem Aufbau eines Innovation Hub haben sie und das USZ eine Plattform geschaffen, die Projekte und Start-ups in der Frühphase in der Frühphase mit Coaching, Netzwerkzugängen und strategischer Unterstützung begleitet. Für die finanzielle Unterstützung hat die USZ Foundation unternehmerische Förderinstrumente geschaffen. Anders als bei klassischen Förderbeiträgen hat die Stiftung die Möglichkeit, für ausgewählte Start-ups Wandeldarlehen zu vergeben..

Aus klassischer Investorensicht ist die Vergabe von Wandeldarlehen zu diesem Zeitpunkt mit erheblichen Risiken verbunden. Gerade im medizinischen Innovationsbereich scheitert ein grosser Teil der Projekte. Technologische Herausforderungen, regulatorische Hürden oder fehlende Marktakzeptanz können dazu führen, dass die Start-ups nicht zum Fliegen kommen. Die Stiftung betrachtet dies als integralen Bestandteil ihres Förderansatzes – die unternehmerischen Modelle sind eine zusätzliche Chance. Denn anders als klassische Investoren kann sie finanzielle Verluste akzeptieren, weil sie sich in erster Linie als philanthropische Partnerin versteht und sich auf den gesellschaftlichen Nutzen fokussiert.

Die unternehmerische Förderung bleibt ein ergänzender Ansatz. Ein Großteil der Fördermittel wird weiterhin in Form klassischer Beiträge vergeben, etwa für Forschungsprojekte oder gemeinnützige Initiativen ohne Geschäftsmodell. Unternehmerische Instrumente kommen vor allem dort zum Einsatz, wo Innovationen langfristig auch wirtschaftlich tragfähig sein könnten – etwa bei medizinischen Technologien, digitalen Gesundheitslösungen oder neuen Dienstleistungen im Gesundheitsbereich.

Neben der finanziellen Unterstützung spielt der USZ Health Innovation Hub auch eine wichtige Rolle als Vermittlungsplattform. Er bringt Forschende, Ärztinnen und Ärzte, Geschäftsleute sowie potenzielle Investorinnen und Investoren zusammen. Dadurch können Projekte nicht nur finanziell, sondern auch strategisch weiterentwickelt werden. Gleichzeitig erhöht diese Vernetzung die Chancen, dass erfolgreiche Innovationen später zusätzliche Investoren gewinnen und skaliert werden können.

Praktische Erfahrungen für andere Stiftungen:

  • Unternehmerische Förderinstrumente können philanthropische Mittel mehrfach wirksam machen.
  • Chancen nutzen: Unternehmerische Förderinstrumente sind eine chancenreiche Ergänzung zu Vergaben à fonds perdu.
  • Unternehmerische Förderung funktioniert auch in Kombination mit klassischen Förderformen, die weiterhin für die meisten Projekte notwendig bleiben.

Trafigura Foundation

Vineyard on Lake Geneva

Trafigura Foundation: Wie können Stiftungen ihre Mittel so einsetzen, dass Wirkung nicht nur entsteht, sondern langfristig trägt?

Über Jahre hinweg hatte die Trafigura Foundation mit klassischen Förderbeiträgen gearbeitet – effektiv, aber oft mit begrenzter Nachhaltigkeit. Projekte blieben abhängig von Zuschüssen, Ska-lierung war schwierig. Der Impuls zur Veränderung kam schließlich aus dem Stiftungsrat selbst: Warum nicht unternehmerische Ansätze einbeziehen, um Wirkung dauerhaft zu verankern?

Seit 2023 arbeitet die Stiftung daran, die Grundlagen für eine Integration unternehmerischer Phi-lanthropie in ihre bestehende Förderpraxis zu legen. Impact-first Investitionen, die finanzielle Tragfähigkeit ermöglichen, ergänzen dabei die klassische Beitragsfinanzierung als zusätzliches Instrument – und erweitern so die Möglichkeiten der Stiftung, nachhaltige Wirkung zu erzielen. Die Stiftung versteht ihr Engagement als katalytisch, d.h. es soll Risiken abfedern, andere Inves-toren anziehen und so zusätzliche Mittel mobilisieren. Diese Rolle als „First Mover“ erlaubt es, Projekte überhaupt erst finanzierbar zu machen. Allfällige finanzielle Rückflüsse aus diesen Akti-vitäten verbleiben vollumfänglich in der Stiftung und werden ausschliesslich für weitere gemein-nützige Zwecke reinvestiert.

Konkret setzt die Trafigura Foundation auf verschiedene Instrumente. Dazu gehören Investitio-nen in Fonds, die lokal verankert sind und Expertise im globalen Süden mitbringen, ebenso wie rückzahlbare Darlehen – mit der Möglichkeit, künftig weitere Instrumente zu erschließen. Ergänzt wird dies durch nicht-finanzielle Unterstützung, etwa durch Netzwerkzugänge oder strategische Begleitung.

Doch der Weg ist nicht frei von Herausforderungen. Intern musste zunächst ein Umdenken statt-finden: Während Förderbeiträge als unkomplizierte Einmalzahlungen gelten, lösen investive För-dermethoden bei den Verantwortlichen oft eine höhere Risikoaversion aus. Erschwerend komme regulatorische Fragen hinzu, insbesondere im Hinblick auf Steuerrecht und Stiftungsaufsicht. Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur und Kompetenzen erfordert Zeit und Ressourcen.

Trotz dieser Hürden sieht sich die Stiftung als eine Pionierin im Schweizer Kontext. Sie über-nimmt bewusst mehrere Rollen gleichzeitig: als Investorin, als Katalysator und als Vernetzerin. Durch Initiativen in Genf versucht sie zudem, andere Akteure einzubinden und den Austausch zu fördern. Denn klar ist: Die Transformation hin zu unternehmerischer Förderung kann nur gelin-gen, wenn mehr Stiftungen diesen Weg mitgehen.

Praktische Erfahrungen für andere Stiftungen:

  • Der Einstieg gelingt oft am besten über Kooperationen, etwa durch Investitionen in beste-hende Fondsstrukturen
  • Der Aufbau interner Kompetenzen ist entscheidend, denn unternehmerische Förderung erfordert anderes Know-how als klassische Philanthropie
  • Der Mut zur Rolle als Katalysatorin zahlt sich aus. Wenn die Stiftung bereit ist, Risiken zu tragen, kann sich Wirkung deutlich vervielfachen
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Neugierig auf mehr?

Unternehmerische Förderung ist kein standardisierter Ansatz, sondern ein sich entwickelnder Prozess. Richtig eingesetzt kann sie dazu beitragen, die Wirkung und Reichweite philanthropischen Kapitals nachhaltig zu erweitern.

 Weitere Resultate und Erkenntnisse sowie alle Fallbeispiele finden Sie in der vollständigen Studie