2018 - Key Moment

Künstliche Intelligenz hält Einzug ins Banking

Mit künstlicher Intelligenz (KI) erreichte die Digitalisierung der Bank eine neue Qualität: Systeme analysierten komplexe Datenmuster, verstanden Sprache und unterstützten Mitarbeitende sowie Kundinnen und Kunden in Echtzeit. Was 2018 mit experimentellen digitalen Assistenten begann, entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einer bankweiten Infrastruktur. Die Bank reagierte nicht mehr nur auf Informationen, sondern begann, sie zu interpretieren, zu verknüpfen und daraus zu lernen. Banking wurde dadurch schneller, sicherer sowie zunehmend vorausschauend und personalisiert.

Bildanimation zur künstlichen Intelligenz
Bildanimation zur künstlichen Intelligenz

Bereits ab 1984 setzten sich die Schweizer Grossbanken mit künstlicher Intelligenz (KI) auseinander und verwendeten den Begriff in ersten strategischen und technologischen Überlegungen. Bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) erschien KI zunächst als beobachtete Zukunftstechnologie im Umfeld der elektronischen Datenverarbeitung (EDV), Automation und Sprachverarbeitung. Die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) griff das Thema mit Expertensystemen auf und verband es zunehmend mit Anlageberatung, Entscheidungsunterstützung und strategischer Informatikplanung. Beim Schweizerischen Bankverein (SBV) wurde KI zugleich als Teil einer breiteren Informationsgesellschaft diskutiert – mit Chancen, aber auch mit Grenzen der Automatisierung.

Ab den 2010er-Jahren verschob sich bei UBS der Fokus von der allgemeinen Digitalisierung hin zu konkreteren KI-nahen Anwendungen. Die Bank betonte automatisierte Anlageberatung, Mobile Banking, Distributed Ledger, Natural-Language-Interfaces sowie die Auswertung grosser Datenmengen. 2017 wurden KI und Robotics ausdrücklich als Mittel zur Automatisierung von Back- und Middle-Office-Prozessen genannt.

Der nächste sichtbare Schritt folgte 2018 im Wealth Management: In einer Zürcher Filiale testete UBS erstmals digitale Assistenten, darunter einen Avatar des Chefökonomen Daniel Kalt. Der virtuelle Assistent automatisierte einfache Prozesse, während der Avatar Markteinschätzungen und CIO-Inhalte direkt ins Kundengespräch einbrachte. UBS prüfte damit, wie sich interne Expertise skalieren liess und wie offen Kundinnen und Kunden für KI-gestützte Beratungspartner waren.

Parallel dazu etablierte sich KI zunehmend im Hintergrund des Bankbetriebs. Das UBS Card Center nutzte Machine Learning, um Betrugsmuster in Kartentransaktionen zu identifizieren, verdächtige Aktivitäten zu erkennen und frühzeitig zu stoppen. KI erhöhte damit nicht nur die Sicherheit, sondern ermöglichte auch die Bearbeitung von mehr Fällen ohne zusätzlichen Personalaufwand – und zeigte, wie sich Effizienz und Kundenerlebnis gleichzeitig verbessern liessen.

In den folgenden Jahren setzte sich KI vor allem als Unterstützung für Mitarbeitende durch. Systeme bereiteten Informationen auf, analysierten Daten und lieferten Entscheidungsgrundlagen für die Beratung. Im Wealth Management entstanden Anwendungen, die Kundenbedürfnisse frühzeitig erkannten und gezielte Hinweise für Beraterinnen und Berater lieferten. KI ersetzte dabei nicht die menschliche Expertise, sondern erweiterte sie.

Ab Mitte der 2020er-Jahre erreichte diese Entwicklung mit generativer KI eine neue Stufe. UBS führte mit «Red» einen unternehmensweiten KI-Assistenten ein, der internes Wissen, Research und Produktinformationen bündelte und Arbeitsprozesse beschleunigte. Zusammen mit Tools wie Microsoft Copilot sowie neuen Datenplattformen, einem AI Hub und klaren Governance-Strukturen entstand eine skalierbare Basis für den KI-Einsatz in der gesamten Organisation.

Diese Infrastruktur wurde von Beginn an durch Kontrollmechanismen abgesichert. Plattformen wie RiskLab unterstützten die nachvollziehbare Entwicklung, Prüfung und Überwachung der Modelle. Ergänzend setzte UBS klare Leitplanken für eine verantwortungsvolle Nutzung – ein entscheidender Faktor in einem stark regulierten Umfeld.

Bis Mitte der 2020er-Jahre entstanden so Hunderte KI-Anwendungen im Front- und Backoffice. Sie automatisierten Prozesse, verbesserten die Risikosteuerung und erhöhten die Produktivität. Ausgehend von einem einzelnen Avatar entwickelte sich eine grundlegende Transformation: Die Bank begann selbstständig zu lernen. Sie reagierte nicht mehr nur auf Daten, sondern nutzte, interpretierte und verknüpfte sie. KI machte Banking damit effizienter, sicherer und lernfähiger.

Textquellen:

Makenzie Holland, UBS deploys AI programs to unlock efficiency, 6. Februar 2026

Finextra, UBS underpins AI development with data transformation initiative, 30. Januar 2025

Geschäftsbericht UBS 2015–2017

UBS, Innovation and AI at UBS, 2026

Microsoft News, UBS und Microsoft treiben KI voran, 10. Februar 2025

Personalzeitschriften und Geschäftsberichte von SKA, SBV, SBG  1985–1998

H. Steinemann, Die Bank im technologischen Wandel, Direktionskonferenz der Schweizerischen Bankgesellschaft, 24./25. Februar 1984

Joe Fay, Swiss Banks have strong values – and that’s why their AI systems must keep humans in the loop, says UBS’ Stephan Hug, 16. Dezember 2025

Bildquelle:

UBS, Innovation and AI at UBS, 2026

Quellen der im Ausstellungsvideo verwendeten Bilder:

UBS AG