Herr Trütsch, womit haben Sie zuletzt bezahlt?

Mit Bargeld, an einem Stand am Stadtfest in St. Gallen. Sonst bezahle ich meist mit Karte. Die App TWINT nutze ich ebenfalls.

In China und in Skandinavien ist es oft nicht mehr möglich, bar zu bezahlen. Was läuft in diesen Regionen anders?

China hat eine Stufe übersprungen. Viele Menschen haben dort kein Bankkonto. Und Plastikkarten haben sich nie durchgesetzt. Aber die meisten Leute besitzen ein Smartphone. Mit den Apps von Alibaba und Tencent kann man sein halbes Leben organisieren. Als diese Anbieter eine Bezahlfunktion einführten, war das für die Nutzer sehr bequem.

In Skandinavien zogen die Banken und die Zentralbanken an einem Strick, um vom Bargeld wegzukommen. Dabei hat die schwedische Reichsbank ursprünglich als Erste das Papiergeld in Europa eingeführt. In der Schweiz haben wir eine ausgebaute Infrastruktur fürs Bezahlen. Es besteht kein Druck, auf neue Zahlungsmittel umzusteigen.

Dr. Tobias Trütsch leitet den Bereich Ökonomie an der Executive School der Universität St. Gallen. Er erforscht innovative Zahlungsmittel sowie unser Zahlungsverhalten und ist Mitautor der Studie Swiss Payment Monitor 2019 von der Universität St. Gallen und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Was bringt es mir, wenn ich per Handy oder kontaktlos mit Karte bezahle?

Das Bezahlen geht einfach, schnell und sicher. Viele Apps sind praktisch fürs Online-Shopping und lassen sich mit Rabatt- und Bonussystemen verknüpfen. Bei TWINT braucht man im Internet nicht Kreditkartendaten einzutippen, sondern es genügt, den QR-Code zu scannen. Ausserdem kann man unkompliziert Geld an Freunde überweisen. An den Supermarktkassen haben die Kreditkarten fürs kontaktlose Bezahlen die Nase vorn. Sie funktionieren reibungslos. Gemäss unserer Studie Swiss Payment Monitor 2019 findet die Hälfte der Kreditkartentransaktionen kontaktlos statt.

Wie würde eine Gesellschaft ohne Bargeld aussehen?

Davon sind wir weit weg. Für eine bargeldlose Gesellschaft müssten alle Menschen Zugang zu einem elektronischen Bankkonto haben. Ausserdem bräuchte jeder eine Plastikkarte oder ein Smartphone. Alle Verkaufsstellen müssten bargeldlose Zahlungen akzeptieren, wobei zuvor noch Kosten für die Infrastruktur anfallen. Schliesslich gäbe es in diesem System wohl viele Angriffspunkte für Hacker.

Was halten Sie von Budget-Apps, wie etwa dem Finanzassistenten von UBS?

Solche Apps sind eine gute Alternative zum Sparkässeli, um den vernünftigen Umgang mit Geld zu lernen. Für die Zukunft brauchen wir mehr innovative Sparmodelle und Sparprodukte. Wir müssen unser finanzielles Wissen aufbessern.

Portemonnaie vergessen?

Mit diesen UBS Apps kommen Sie durch den Tag.

Wie sicher ist es, per App oder kontaktlos zu bezahlen?

Laut dem Swiss Payment Monitor 2019 zweifeln viele Menschen die Sicherheit der neuen Zahlungsarten an – und zwar bezüglich finanzieller Schäden und eines Missbrauchs der persönlichen Daten. Doch die neuen Zahlungsmittel sind mindestens so sicher wie die vertrauten Zahlungsarten. Auch bei den Bezahl-Apps werden die Zahlungen übers Kreditkartensystem respektive bei TWINT übers Bankensystem abgewickelt. Das Verlustrisiko ist beim Bargeld grösser.

Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Dieses Anliegen steht für die meisten Menschen zuoberst. In der Schweiz haben wir eine strenge Datenschutzgesetzgebung. Im Vergleich dazu spielt der Datenschutz ausserhalb von Europa weniger eine Rolle.

Wie sicher ist das Bezahlen mit Karte oder Handy?

Von der Bar bis zum Bauernhoflädeli: An immer mehr Orten kann man via Karte oder Handy bezahlen. Das geht schnell und bequem – doch viele Schweizer sorgen sich um die Sicherheit.