Jeden Tag rackern sich Millionen Menschen schweissgebadet ab – aber nicht in Fitnessstudios, sondern vor irgendeinem Bildschirm. Die strategischen Herausforderungen beim Gamen erfordern schnelle Entscheide, Fingerspitzengefühl, Köpfchen und Ausdauer. Alles, fast alles, was einem ein traditioneller Sport auch abverlangt.

Der Einsatz kann sich lohnen: In Asien und den USA füllen eSportler ganze Stadien. Den Gewinnern grosser eSports-Turniere winken teilweise millionenhohe Preisgelder und viel Scheinwerferlicht. Und bald auch olympische Medaillen, vielleicht schon an den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028.

Die 5 populärsten Games

eSports, das sind derzeit hauptsächlich fünf Games: Das Strategiespiel «Defense of the Ancients» (Dota2), bei dem zwei Teams von bis zu fünf Spielern gegeneinander antreten, der Ego-Shooter «Counter Strike», das Multiplayer-Strategiespiel «Leage of Legends» (LoL), das Echtzeit-Strategiespiel «StarCraft», das besonders in Südkorea extrem beliebt ist – und das bekannte Fussball-Simulationsspiel «Fifa».

Vor allem dieses Fussball-Game spaltet die Sportsgeister: So haben etwa die Fussballfans der Berner Young Boys und des FC Basel gemeinsam dagegen protestiert, dass sich ihre Vereine im eSport engagieren wollen. Beim Spiel YB-FCB in Bern warfen sie kurzerhand Tennisbälle aufs Spielfeld.

Wer sind die Stars?

Tatsächlich unterhalten die Schweizer Super League-Clubs Basel und St. Gallen mittlerweile eSport-Mannschaften, die sich im Club-Dress am Bildschirm im Fifa-Game messen. Das eSport-Team des FCB besteht aus vier Profi-Gamern. Es sind zwei Deutsche, ein Argentinier – und Luca «LuBo» Boller aus Meggen. Er gilt als erster Schweizer Fifa-Profi.

Noch sind der FC St. Gallen und der FCB mit ihren elektronischen Abteilungen die Ausnahme. Doch der Schweizerische Fussballverband und die Liga sind daran, eine E-Liga auf die Beine zu stellen. Vorbild von Basel und St. Gallen sind Clubs wie Manchester City, Paris Saint-Germain und Schalke, die mit ihren eSports-Teams bald ähnlich viele Fans begeistern wie ihre Teams auf dem Rasen. Ihre Stars heissen nicht mehr Neymar, Mbappé und Co., sondern MSDossary, Katnawatos – und eben Luca Boller.

Gamen als Beruf

Zwar ist Gamen erst für ganz wenige Schweizer eine berufliche Perspektive. Aber das könnte sich ändern. Experten prophezeien eSports ein riesiges, kommerzielles Potenzial. Kürzlich haben Swisscom und der Promoter digitaler Spiele ESL eine Schweizer eSports-Liga ins Leben gerufen, die «Swisscom Hero League powered by ESL». Sie will das professionelle Gaming fördern.

«Bis 2020 dürften eSports rund 1,5 Milliarden Franken erwirtschaften», meint Stefan Ludwig, Leiter der Sport-Business-Abteilung des Unternehmensberaters Deloitte, in einer Studie. Für den deutschen Markt erwartet er Umsätze von etwa 130 Millionen Euro. In Deutschland hatte das bereits politische Konsequenzen: Die neue Bundesregierung verpflichtete sich, eSports zu fördern.

In der Schweiz sind wir noch nicht so weit. Aber langfristig hat eSports auch hier ein Millionenpotenzial. Wetten dass, Luca Boller nicht mehr lange der einzige Profi-Fifa-Gamer bleibt?