Foto: Valeriano Di Domenico

Welchen Einfluss hat das Thema Nachhaltigkeit auf das Anlagespektrum?

Die Produktepalette und die Art und Weise des nachhaltigen Investierens entwickeln sich im Einklang mit der Nachfrage seit einigen Jahren stetig weiter. Ausgearbeitete regulatorische Rahmenbedingungen würden sicher nochmals einen Schub bringen in Bezug auf die Vergrösserung des Anlageuniversums. Über die letzten paar Monate haben wir eine Beschleunigung dieses Trends festgestellt.

Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Private Investoren erkennen zunehmend die negativen Konsequenzen des Klimawandels und die Herausforderungen durch den demografischen Wandel. Institutionelle Investoren wenden oft eine eher reaktive ESG-Strategie an, getrieben durch regulatorische Vorgaben und zur Vermeidung von Reputationsrisiken. Es gibt aber auch eine zunehmende Anzahl von Unternehmungen, die in Bezug auf ihre PK-Gelder bewusst eine sehr aktive ESG-Anlagestrategie anwenden und diese im Einklang mit der Firmenstrategie in der externen Kommunikation und gegenüber den verschiedenen Stakeholdern gezielt einsetzen.

Nach welchen Kriterien gelten Anlagen als nachhaltig?

Wie nachhaltig die Investitionen der Fonds sind, beurteilen hauseigene ESG-Analysen und externe Stellen. Grundsätzlich soll sich eine Anlage positiv auf die Umwelt und die Gesellschaft auswirken, ohne eine Einbusse auf der Rendite hinnehmen zu müssen. Firmen, die in umstrittene Geschäftstätigkeiten verwickelt sind, werden ausgeschlossen. Zudem soll das Portfolio der Unternehmen einen höheren ESG-Wert und ein besseres CO2-Profil haben als ein definierter Referenzindex. Neu suchen viele Investoren den aktiven Dialog und wollen mittels Stimmrechtwahrnehmung auf die ESG-Ausrichtung eines Unternehmens Einfluss nehmen.

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Welche Branchen sind bei nachhaltigen Anlagen am stärksten vertreten?

Die Wahl geeigneter Benchmarks ist insbesondere bei institutionellen Anlegern zentral. Klassischerweise werden beim Ausschluss-Ansatz Unternehmen mit hohen Umsätzen in Kohleproduktion, nuklearer Energiegewinnung, Tabak und Alkohol, Produktion von Waffen und Spielkasinos ausgeschlossen. Stärker gewichtet werden die Gesundheitsbranche sowie Technologieunternehmen, wie etwa im Bereich erneuerbare Energien.

Wie schätzen Sie das Renditepotenzial von nachhaltigen Anlagen ein?

Es ist eine falsche und breit widerlegte Annahme, dass eine Umsetzung von ökologischen und sozialen Kriterien bei der Anlage zulasten der Rendite geht. Denn das Risiko-/Renditebewusstsein hilft der Geschäftstätigkeit und schliesslich der Performance. Unternehmen, die ihre Risiken kennen, gehen bewusster damit um. Die meisten Anlagefonds mit ESG-Kriterien entwickeln sich risikoadjustiert gleich oder besser.

Welche nachhaltigen Anlageprodukte werden gegenwärtig am häufigsten nachgefragt?

Im institutionellen Kontext sehen wir im Bereich von benchmarknahen Strategien die grösste Nachfrage. Die Reduktion des CO2-Fussabdrucks steht hier im Zentrum, da der gesellschaftspolitische Druck in diesem Bereich am grössten ist. Auch bei der Altersvorsorge werden ökologische, soziale und philanthropische Gesichtspunkte immer wichtiger. Wir haben vor Kurzem unsere Fonds-Produktpalette im Bereich der 2. und der 3. Säule im Hinblick auf ESG-Kriterien angepasst. Diese Trends sind sehr konsequent.

Wie wird sich der Trend Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren verändern?

Nachhaltigkeit ist ein struktureller Trend, der sich weiter beschleunigen wird. Der gesellschaftspolitische Druck wird weiter zunehmen. Nachhaltigkeit ist heutzutage in der Investmentbranche ein Muss. In Zukunft wird sich weniger die Frage stellen, ob, sondern wie gut nachhaltig investiert wird. Dabei wollen wir uns bei UBS als eine der weltweit führenden Institutionen profilieren.

Patrick O. Müller

Head Institutional Clients & Global Asset Servicing

Patrick O. Müller verantwortet sämtliche institutionelle Kundengruppen (Versicherungen, Sammelstiftungen, Pensionskassen etc.) sowie das globale Asset-Servicing-Geschäft für Global Wealth Management und Corporate & Institutional Clients.

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