Wir Menschen wollen wissen, was die Zukunft bringt. Wir wollen planen können, wir streben nach Sicherheit. Und das, obwohl wir uns darüber im Klaren sind, dass wir nie wissen werden, was geschehen wird. Also suchen wir Rat in der Vergangenheit. Und gelangen zu der beruhigenden Erkenntnis, dass sich die Welt in der Regel von einem Tag auf den anderen nicht grundlegend verändert. Also wird das wohl auch in Zukunft so sein.

Kognitive Verzerrung: der Rezenzeffekt

Bei solchen Projektionen lenkt und (ver)leitet uns ein Phänomen aus der langen Liste der kognitiven Verzerrungen: der Rezenzeffekt, auch Verfügbarkeitsfehler genannt. Er besagt, dass wir der jüngsten Vergangenheit ein zu grosses Gewicht beimessen, wenn wir von gestern auf morgen schliessen. Und obwohl der Effekt bestens erforscht und bewiesen ist, gehen wir ihm immer wieder auf den Leim.

Währungsrisiken und Verzerrungsrisiken

Und was hat das alles mit dem Absichern von Währungsrisiken zu tun? Erstaunlich viel. Wir wissen, dass wir Wechselkursschwankungen ausgesetzt sind und emotionslos entscheiden sollten, ob wir das Risiko tragen können und wollen – oder eben nicht. Doch häufig präsentiert uns das Kurzzeitgedächtnis stattdessen die Kursentwicklung des Frankens zum Euro oder zum Dollar. Und weil diese zuletzt einigermassen stabil war, bewerten wir das Risiko als vertretbar. Und verzichten auf eine Absicherung.

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Der Rezenzeffekt hat uns also dazu verleitet, nicht das Schadenspotenzial zu beurteilen, sondern über die Wahrscheinlichkeit zu orakeln, mit welcher ein solcher Schaden eintritt (ein nur allzu menschlicher Lapsus).

Weil die kognitive Verzerrung das Risiko als vertretbar darstellt, beachten wir auch nicht, dass sich die Rahmenbedingungen und das Umfeld laufend verändern. Und bei näherer Betrachtung der Weltlage müssten wir konstatieren, dass die Situation heute instabiler ist als noch vor einem halben Jahr. Der einzige zulässige Schluss aus der Vergangenheit für die Zukunft ist, dass es zweitens anders kommt, als man erstens denkt.

Das Wann und Wie fokussieren

Bei den meisten im Export tätigen Schweizer KMU sind die Margen schon so weit erodiert, dass bereits kleine Kursschwankungen nicht nur den Gewinn vernichten, sondern einen Verlust verursachen. Und da nicht nur die Margen, sondern auch die Reserven geschrumpft sind, können Verluste schnell einmal die Existenz bedrohen.

«Absicherung: ja oder nein?» steht deshalb gar nicht zur Debatte. Die Frage muss vielmehr lauten: «Wie viel, wann und wie absichern?» Ein solcher Grundsatzentscheid hat eine willkommene Nebenwirkung: Er diszipliniert und schützt uns vor unserer Intuition, die leider nicht immun ist gegen den Rezenzeffekt und andere kognitive Verzerrungen.

Stephan Hässig ist Marktgebietsleiter Firmenkunden Zürich Nord und Devisen-Fachspezialist für Firmenkunden bei UBS Schweiz.

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