Digitalisierung Innovation braucht Freiheit

Innovationskraft war schon immer eine Stärke der Schweiz. Es ist wichtig, sich darauf zu besinnen, was unser Land stark gemacht hat. Was Innovation ermöglicht und antreibt.

Axel P. Lehmann, President UBS Switzerland

Innovationskraft war schon immer eine Stärke der Schweiz, ihrer Forscher, Ingenieure und Kaufleute. In einer Zeit, da alle Welt von Disruption, Erneuerung und Digitalisierung, von Robotern und Künstlicher Intelligenz spricht, ist es auch wichtig, sich darauf zu besinnen, was unser Land stark gemacht hat. Was Innovation ermöglicht und antreibt.

Innovation beruht zunächst auf Wissen, auf Bildung. Dann braucht es Mittel und Rahmenbedingungen, die Innovation nicht nur zulassen, sondern aktiv fördern – und ganz sicher nicht bremsen. Dies bedingt eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Regulatoren, die alle am gleichen Strang ziehen. Mit einem gemeinsamen Ziel: Wohlstand, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft sicherzustellen, zugunsten der Schweiz, ihrer Bürgerinnen und Bürger. Denn darum geht es: Innovation ist der zentrale Motor für Fortschritt und Wohlstand.

Wir sind immer noch das wettbewerbsfähigste Land der Welt.

Was hat die Schweiz von einem armen Land mitten in Europa zu einer der reichsten Nationen gemacht? Es sind vor allem zwei Dinge: Eine fleissige, gut ausgebildete Bevölkerung, die pragmatisch denkt und handelt. Und ein liberales System mit einer Regierung, die sich auf das Setzen der wichtigsten Rahmenbedingungen beschränkte. Gemäss WEF-Rangliste sind wir immer noch das wettbewerbsfähigste Land der Welt, und liegen auf Platz zwei bei der «Technological Readiness». Doch gibt es auch Entwicklungen, die uns zu denken geben sollten. So ist die Schweiz beim Punkt «Ease of doing business» im Ranking der Weltbank für 2018 mittlerweile auf Rang 33 abgerutscht, hinter Island, Mauritius oder Malaysia. Diesen Abwärtstrend müssen wir stoppen.

Das duale Bildungssystem ist eine bedeutende Stärke der Schweiz.

Unser Land hat immer noch viele Trümpfe. Das duale Bildungssystem ist eine bedeutende Stärke der Schweiz und spielt eine zentrale Rolle für unsere hohe Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Mit diesem System sind wir ein Vorbild für viele andere Länder und es soll auch in Zukunft eine unserer Stärken bleiben. Wir haben jedoch heute gerade wegen unserem Erfolg in manchen Branchen einen Mangel an Fachkräften. Hinzu kommt die demografische Entwicklung: In der Schweiz werden in den nächsten zehn Jahren gut 690'000 Erwerbstätige aus dem Arbeitsmarkt austreten, während die Nettozuwanderung auf dem heutigen Niveau stabil bleiben dürfte.

Gleichzeitig stehen wir vor einem fundamentalen technologischen Strukturwandel, der unsere traditionellen Berufsbilder zunehmend und immer schneller in Frage stellt. Wir müssen deshalb den inländischen Talent- und Fachkräftepool vergrössern, stärken und konsequent auf die Bedürfnisse der Zukunft ausrichten. Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Unternehmen in der Schweiz dafür einsetzen, die notwendigen Fachkräfte selbst aus- und weiterzubilden. Als drittgrösster Arbeitgeber der Schweiz leistet UBS dazu ihren Beitrag.

Innovation beginnt mit Dialog.

Innovation beginnt mit Dialog, und geht weiter mit Kooperation. Es gibt erste gemeinsame Initiativen von Politik und Wirtschaft, die Schweiz als Hub für Innovation voranzubringen, gerade im Kontext der Digitalisierung. Für etablierte Player bietet dies eine Chance im digitalen Ökosystem partnerschaftlich mit FinTech und Start-ups zusammenzuarbeiten. Aber auch unter etablierten Firmen lohnt sich die Zusammenarbeit.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Smartphone App Twint. Mit dieser bargeldlosen Bezahlapp haben die Schweizer Banken in Zusammenarbeit mit dem einheimischen Detailhandel eine überzeugende Lösung für das kontaktlose Bezahlen entwickelt. Ein anderes Beispiel ist die Zusammenarbeit von UBS mit einem grossen Technologieunternehmen sowie mit anderen führenden internationalen Banken zur Entwicklung einer Blockchain-basierten Handelsfinanzierungsplattform für exportorientierte Unternehmen.

Banken spielen eine wichtige Rolle als aktive Vermittler.

Offenheit und globale Vernetzung waren und sind wichtige Voraussetzungen für Wohlstand, gerade für ein kleines Land wie die Schweiz. Die Banken spielten dabei schon immer eine wichtige Rolle als aktive Vermittler zwischen den Akteuren – Privatpersonen und Firmen, kleinen Unternehmen und grossen, Importeuren und Exporteuren, der Schweiz und der Welt. UBS als globale Bank mit ihren Wurzeln und ihrer starken Verankerung in der Schweiz hat eine lange Tradition darin, ihre Kunden direkt und indirekt zu unterstützen, sie durch Veränderungen zu begleiten – und so zur zukunftsorientierten Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft beizutragen.

Speziell geht es darum, bestehenden Handlungsbedarf zu erkennen und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen im Bewusstsein, dass die Geschwindigkeit und Veränderungsdynamik stark zugenommen haben. Wir waren in der Schweiz seit jeher sehr gut darin, ein zukunftsorientiertes Bildungswesen der Spitzenklasse, eine hervorragende Infrastruktur, Strassen und Tunnels zu bauen. Wir müssen hier und jetzt in die digitale Infrastruktur der Zukunft investieren. 5G, Swiss Cloud und Cyber Security sind Beispiele für den gemeinsamen privaten und öffentlichen Handlungsbedarf, die zeigen, dass wir keine wertvolle Zeit verlieren dürfen. Andere Staaten wie Israel, Singapur oder Südkorea sind das Thema digitale Rahmenbedingungen viel schneller und konsequenter angegangen.

Gefordert sind alle – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Zur Zukunftsverantwortung gehört schliesslich, dass wir uns für ein innovations- und investitionsfreundliches Klima einsetzen, beruhend auf Rechtssicherheit und verlässlichen Rahmenbedingungen. Die Gesellschaft der Zukunft braucht aber nicht für jedes Problem ein neues Gesetz. Innovation braucht Freiheit und Mut zur Veränderung. Ich bin überzeugt: Unsere liberale Tradition und demokratischen Grundüberzeugungen entpuppen sich im digitalen Zeitalter als eigentliche Stärken. Aber wir müssen dafür sorgen, dass wir mit dem Tempo des digitalen Wandels Schritt halten, um die Innovationskraft unseres Landes zu sichern. Gefordert sind alle – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, also jeder und jede Einzelne von uns.

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