Patrick Müller, Sie kennen die Anlagestrategien der Schweizer Pensionskassen im Detail. Wie gut schlafen Sie eigentlich mit Blick auf Ihre persönliche Altersvorsorge?

Sehr gut, ich mache mir keine Sorgen. Einerseits weil ich die Leute kenne, die diese Gelder managen – das sind Profis – und andererseits, weil wir gute gesetzliche Rahmenbedingungen haben, um die Sicherheit unserer Pensionskassengelder zu gewährleisten. In den nächsten Jahren werden geopolitische Risiken weiterhin im Vordergrund stehen und dürften immer wieder zu erhöhter Marktvolatilität führen. Aus diesem Grund müssen die Anlagen heute breit diversifiziert sein.

Und wie steht es mit den Renditen. Lassen sich auch künftig genügend hohe Renditen erzielen, um unsere Renten zu finanzieren?

Ich bin davon überzeugt, dass wir trotz gestiegener rechtlicher sowie regulatorischer Rahmenbedingungen und der nach wie vor tiefen Zinsen in Europa über genügend interessante Anlagemöglichkeiten verfügen, um attraktive Renditen zu erzielen.

Wie sind Sie zum Leiter Institutional Clients geworden?

Ich bin seit 2006 bei UBS tätig und durfte in unterschiedlichen Bereichen der Finanzindustrie führende Positionen bekleiden. Die jetzige Rolle stellt eine spannende Ergänzung zu meiner bisherigen Arbeit dar. Bisher durfte ich mit institutionellen Kunden vor allem im Aktienbereich zusammenarbeiten. Die Möglichkeit, mich nun strategisch wie auch taktisch über alle Anlageklassen mit professionellen Investoren austauschen zu dürfen, bereitet mir grosse Freude. Deshalb habe ich diese neue Aufgabe auch gerne übernommen.

Wo liegt für Sie der Reiz in der Zusammenarbeit mit institutionellen Kunden?

Was mich reizt, ist die Komplexität dieses Geschäfts. Die Welt verändert sich, es gibt laufend neue Herausforderungen, und man lernt praktisch jeden Tag dazu. Diese Herausforderungen zusammen mit ausgezeichneten Leuten angehen zu können, motiviert mich. Der Austausch mit professionellen Kunden ist extrem spannend und herausfordernd. Es bereitet mir grosse Freude, auf die heterogenen Kundenbedürfnisse eingehen zu dürfen und zudem in dieser Funktion als Partner wahrgenommen zu werden.

Die persönliche Kundenbeziehung wird immer wichtiger.

Patrick Müller

Vom Private Banking weiss man, wie wichtig eine über lange Jahre gepflegte persönliche Kundenbeziehung ist. Wie steht es damit im IC-Bereich?

Die Beziehungen zwischen Berater und Kunden im IC-Bereich sind sehr stabil. Gerade in unserem Bereich sind Vertrauen und Expertise zentral – so etwas lässt sich nicht über Nacht aufbauen. Man kann nur konstant wachsen, wenn man auch konstant aufgestellt ist. Diese Beständigkeit spiegelt sich darin, dass unsere Berater ausgesprochen lange in ihrem Job bleiben. In unserer schnelllebigen Welt und mit Blick auf die anstehende Digitalisierung wird die persönliche Kundenbeziehung immer wichtiger.

Sie haben in Schottland und den USA studiert. Welche Unterschiede zur Schweiz gibt es im IC-Bereich?

Gewisse amerikanische Pensionskassen legen ihr Geld nach strengen ethischen Merkmalen an. Wir sind in der Schweiz genauso bestrebt, ethische und nachhaltige Grundsätze in die Anlageberatung einzuführen. Wir betreiben zum Thema Nachhaltigkeit viel Research und unterbreiten auch Vorschläge zu nachhaltigen Musterportfolios. Zudem bieten wir für Kunden Portfolioanalysen hinsichtlich der Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien und Produktlösungen aus unserem Asset Management an.

Wie gross ist denn das Bedürfnis der institutionellen Kunden nach nachhaltigen Anlagemöglichkeiten?

Da gibt es enorme Unterschiede. Es gibt Pensionskassen in Übersee, welche schon sehr weit und auch sehr konsequent bei der Umsetzung sind. Und es gibt andere, die begleiten wir dabei, diese neue Herausforderung anzugehen.

Expertise bei den Anlegern ist gewachsen.

Patrick Müller

Themenwechsel: Der Anteil von alternativen Anlagen am Anlagemix der Pensionskassen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Lassen sich die notwendigen Renditen im heutigen Umfeld tatsächlich nur mit höherer Risikobereitschaft erzielen?

Aus Sicht eines optimalen Rendite-Risiko-Profils von Kapitalanlagen lassen sich mit alternativen Anlagen die Renditen im Durchschnitt erhöhen bei gleichzeitiger Reduktion des eingegangenen Risikos. Entscheidend ist, dass man auch in diesem Bereich breit diversifiziert ist und nicht alles auf eine Karte setzt. Doch jede Pensionskasse hat ihre eigenen Strukturen, und letztendlich muss jeder Anleger selbst definieren, wie viele Risiken er eingehen kann, um die Anforderungen des Gesetzes und der eigenen Kasse einzuhalten.

Pensionskassen setzen also nicht aus Anlagedruck auf alternative Anlagen?

Nein, es ist nicht so, dass Kassen unter Druck stehen, auf alternative Anlagen zu setzen, nur weil die Renditen anderswo schlecht geworden sind. Man muss sehen, dass die Expertise, um überhaupt in solche Vehikel investieren zu können, auch auf der Anlegerseite zugenommen hat. Doch der Anteil alternativer Anlagen ist immer noch sehr gering. Wir empfehlen übrigens, ihn weiter auszubauen – nicht etwa, weil wir zu höheren Risiken raten, sondern weil wir auf breit diversifizierte Portfolios achten und die Beimischung von alternativen Anlagen das Portfolio weniger volatil macht.

Beratungspakete mit transparenter Preisgestaltung.

Patrick Müller

UBS bietet im IC-Bereich ganze Beratungspakete an. Welchen Mehrwert bieten diese Ihren institutionellen Kunden?

Was uns von der Konkurrenz unterscheidet: Wir legen starkes Gewicht auf Research und können deshalb Beratungsangebote wie die Fondsauswahl oder Asset-Liability-Studien und vieles mehr bieten. Unsere Kunden erhalten zum Beispiel Anregungen zur strategischen und zur taktischen Anlagestrategie oder einen Asset Health Check, das heisst eine umfassende Analyse ihres Portfolios. Zudem sind wir völlig transparent, was den Preis dieser Leistungen und den Umfang der Beratungen betrifft. Wir waren die Ersten, die solche Beratungspakete mit transparenter Preisgestaltung eingeführt haben.

Letzte Frage: Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?

Das hat sich massiv verändert, seit vor gut einem Jahr unser Sohn auf die Welt gekommen ist. Der hält uns auf Trab. Spätestens, wenn ich daheim ankomme, ist alles andere vergessen und die Work-Life-Balance sehr schnell wieder im Lot.

Patrick Müller leitet seit Dezember 2017 den Bereich Institutional Clients. Er begann seine Karriere 2006 im Aktiengeschäft der UBS Investment Bank. Nach Führungspositionen innerhalb Swiss Equity Sales und Sales Trading, wurde er 2016 zum Leiter Cash Equities Switzerland ernannt und Mitglied des Global Cash Equities Management Committee. Patrick Müller hält einen Bachelorabschluss von der ZHAW sowie einen MBA der Strathclyde Business School. Zudem ist Patrick ein Alumnus des Harvard Business School GSM Executive Program.

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