Vorsorge nach Lebensphasen In welchem Alter Sie woran denken müssen

Wer im Rentenalter finanziell sorgenfrei leben will, sollte sich möglichst früh Gedanken machen, angefangen bei der dritten Säule.

Illustration: Pia Bublies

20-30

Je früher, desto besser

Wer jung ist, will die Welt entdecken, die Karriere aufgleisen und das Leben geniessen. Der Gedanke an die eigene Altersvorsorge ist oftmals noch weit weg. Doch das ist falsch. Denn je früher man mit dem Sparen beginnt, desto besser. Es lohnt sich, regelmässig in die dritte Säule einzuzahlen, selbst kleinere Beiträge. Das Vorsorgeguthaben steigt dadurch nach und nach an – dank Vorzugszinsen, dem Zinseszinseffekt sowie bei Vorsorgefonds dank Anlagerenditen.

Zudem sinkt die Steuerrechnung, weil Einzahlungen in die Säule 3a bis zu einer bestimmten Höhe vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können. Das dort angesparte Geld ist auch nicht «verloren», sollte beispielsweise später ein Hauskauf oder die Gründung eines Unternehmens geplant sein. Dafür kann es nämlich auch vor der Pensionierung verwendet werden.

Es bestehen weitere Gründe, sich schon in jungen Jahren um die Altersvorsorge zu kümmern: Um im Rentenalter die maximale AHV-Rente zu erhalten, sollten insbesondere Beitragslücken vermieden werden. Diese drohen zum Beispiel bei fehlenden Einzahlungen während eines Studiums. Auch bei der Planung längerer Auslandaufenthalte oder Arbeitsunterbrüche sollte die Altersvorsorge ein Thema sein.

30-40

Die Familie absichern

Die Karriere kommt voran, vielleicht rückt das Thema Familie auf den Plan. Unter Umständen lohnt es sich jetzt, im Rahmen der privaten Vorsorge eine Lebensversicherung abzuschliessen – um die Familie gegen finanzielle Engpässe bei Erwerbsunfähigkeit oder bei einem Todesfall abzusichern.

Vor allem wer ohne Trauschein lebt, sollte sich Gedanken zur finanziellen Absicherung machen. Die AHV bezahlt keine Witwen- oder Witwerrenten an Konkubinatspartner aus. Unter Umständen können aber solche in der 2. und 3. Säule begünstigt werden. Dafür ist jedoch Eigeninitiative erforderlich, gesetzlich geregelt ist dies nicht.

Wer regelmässig Geld in die Säule 3a einzahlt, sollte sich Gedanken über ein zweites Konto oder Depot machen. Als Faustregel gilt, dass ein solcher Schritt nach 50 000 Franken sinnvoll ist. Hintergrund ist, dass mit verschiedenen Konten die Auszahlung der gesparten Gelder im Alter schrittweise erfolgen kann - und damit die Steuerbelastung verringert werden kann.

40-50

Haus und Vorsorge

Der Wunsch kommt auf, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Dafür kann Geld aus der 2. und der 3. Säule verwendet werden. Bei der Säule 3a steht das ganze Ersparte für die Finanzierung einer selbst genutzten Immobilie zur Verfügung. Die mögliche Betragshöhe für den Vorbezug aus der Pensionskasse ist ab dem 50. Geburtstag eingeschränkt. Zu beachten: Bei einem Vorbezug aus der Pensionskasse verringern sich die Leistungen im Alter und unter Umständen reduziert sich der Versicherungsschutz bei Tod und Invalidität. Alternativ können Pensionskassengelder verpfändet werden, was keine Auswirkungen auf die Leistungen hat. Kehrseite der Medaille ist eine höhere Hypothek und damit eine höhere Zinslast. Es besteht ausserdem die Möglichkeit, die Altersvorsorge zur indirekten Amortisation einer Hypothek zu verwenden: Dabei bleiben die Schulden bestehen, Hausbesitzer zahlen jedoch in ein Säule-3a-Konto ein. Das 3a-Guthaben muss dann im Rentenalter zur Rückzahlung der Hypothek genutzt werden.

Nicht immer läuft es im Leben wie erhofft: Sollte es zu einer Scheidung kommen, ist davon auch die Altersvorsorge betroffen. Um dabei den Überblick zu behalten, lohnt sich eine professionelle Beratung.

50-60

Sind die Wünsche finanzierbar?

Höchste Zeit für eine Auslegeordnung im Hinblick auf den Ruhestand. Dabei sollten zunächst die eigenen Wünsche zur Sprache kommen. Welchen Lebensstandard wünsche ich mir im Rentenalter? Will ich bis zum ordentlichen Rentenalter Vollzeit arbeiten oder ist eine Teilzeitarbeit denkbar? Wird gar eine vorzeitige Pensionierung angestrebt? Diese Wünsche gilt es mit den finanziellen Möglichkeiten abzugleichen. Kommen dabei Lücken zum Vorschein, können die Weichen nun noch richtig gestellt werden. Entweder werden die Wünsche angepasst oder – falls möglich – die finanziellen Polster fürs Alter vergrössert. 

Grosser Beliebtheit erfreuen sich freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse. Hiervon Gebrauch machen kann man bei einer sogenannten Vorsorgelücke, die durch Lohnerhöhungen, Auslandsaufenthalte oder durch Arbeitsunterbrüche (zum Beispiel Familienpause) entstehen. Ob die Möglichkeit besteht, zeigt in der Regel ein Blick auf den Vorsorgeausweis. Vorteilhaft an solchen Einkäufen ist, dass sie vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können.

Weitere Optionen, das finanzielle Polster zu vergrössern, sind Einzahlungen in die Säule 3a und der Aufbau von Kapital ausserhalb des steuerlich begünstigten Rahmens (Säule 3b).

Ab 60

Eine wichtige Frage bleibt

Nach der Pensionierung können die angesparten Mittel geerntet werden. Davor gilt es jedoch noch eine Schlüsselfrage zu klären: Rente, Kapital oder Mischvariante? Hier geht es darum, ob das Pensionskassenguthaben auf einmal oder als monatliche Rente ausbezahlt werden soll. Eine generelle Antwort auf die Frage gibt es nicht. Die Entscheidung hängt von der Lebenssituation, der Risikobereitschaft, dem finanziellen Know-how sowie vom Einkommen und Vermögen ab.

Eine Rente bietet mehr Sicherheit. Damit erhält die Rentnerin oder der Rentner ein Leben lang ein sicheres monatliches Einkommen. Im Todesfall profitiert der Ehepartner von einer lebenslang garantierten Hinterlassenenrente, die jedoch meist geringer ausfällt als die Rente des Verstorbenen. Ein Kapitalbezug hingegen erhöht die Flexibilität. Und im Todesfall geht das gesamte nicht verbrauchte Guthaben vollständig an die Erben.

Abgesehen davon müssen vor der Pensionierung die Bezüge der 2. und 3. Säule organisiert werden. Ein gestaffelter Bezug bringt steuerliche Vorteile.

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