Energie sparen Haussanierung zahlt sich aus

Bevor Sie eine Sanierung planen, müssen Sie die Schwachstellen am Gebäude kennen. Wie lässt sich die Energieeffizienz messen?

Welches sind die typischen Schwachstellen an Gebäuden?

Die neuralgischen Teile des Gebäudes sind Dach, Wände bzw. Wärmedämmung, Fenster, Böden und die Haustechnik. Sehr viele Gebäude werden immer noch mit fossilen Brennstoffen beheizt. Als Nichtfachmann ist man oft nicht in der Lage, die bestehende Gebäudehülle oder die Haustechnik richtig einzuschätzen. Allein ein alter Ölkessel, der falsch dimensioniert und nicht optimal eingestellt ist, verursacht einen massiven Mehrverbrauch an Energie.

Wie kann man eine Standortbestimmung für das eigene Haus vornehmen?

Eine Möglichkeit einer Analyse bietet der offizielle Gebäudeenergieausweis der Kantone GEAK®. Dieser gibt zuverlässig darüber Auskunft, wie es aktuell um die Energieeffizienz der Gebäudehülle und des Gebäudes als Ganzes steht. Er zeigt zugleich das Verbesserungspotenzial von Gebäudehülle und Gebäudetechnik auf. Analog den bekannten Energieetiketten für Haushaltgeräte teilt der GEAK® Gebäude in die Energieklassen A bis G ein.

Welchen Standard muss ein Neubau heute erreichen?

Gemäss den geltenden Bauvorschriften darf ein Neubau jährlich nicht mehr als umgerechnet 4,8 Liter Heizöläquivalent pro Quadratmeter verbrauchen. Das entspricht heute der Energieetikette B. Die Kantone werden die Bauvorschriften in den nächsten Jahren noch sukzessive verschärfen.

Wie gross sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Energieklassen?

Die Unterschiede sind enorm. Alte, sanierungsbedürftige Häuser mit einer Energieetikette F oder G verbrauchen oft vier oder fünf Mal so viel Heizenergie wie ein Neubau. Es müsste das Ziel sein, diese Häuser so zu sanieren, dass sie zumindest ein C bekommen.

Stimmt es, dass bei Altbauten immer noch sehr viele Gebäude sehr schlecht abschneiden?

Gebäude in den Energieklassen F und G brauchen viel zu viel Energie, oft umgerechnet 15 bis 20 Liter Heizöläquivalent pro Quadratmeter. Diese Wohnhäuser sind dringend sanierungsbedürftig. Wir schätzen, dass rund 1 bis 1,5 Millionen Wohnhäuser zu dieser Gruppe zählen. Jährlich wird nur rund ein Prozent aller Gebäude in der Schweiz umfassend saniert – diese Quote ist zu tief.

Warum wird nicht mehr saniert?

Viele Leute gehen von falschen Annahmen aus und sind sich nicht im Klaren darüber, dass energetische Verbesserungen wirtschaftlich sind. Oft geht auch vergessen, dass es sich rächen kann, gar nichts zu machen. Denn ein Gebäude, das nicht gut unterhalten und nicht periodisch saniert wird, erleidet einen Wertverlust.

Kann man sich als Alternative zum GEAK® auch an einen Energieberater wenden?

Ein Berater ist sicher in der Lage, ein Haus fachgerecht zu beurteilen. Aber nur der GEAK® schafft eine klare Einordnung des Hauses und gibt zugleich Auskunft über Verbesserungsmöglichkeiten von Gebäudehülle und -technik. Damit ist er auch ein ideales Planungsinstrument. Einen noch detaillierteren Bericht kann man mit dem GEAK® Plus bestellen. Dieser Bericht liefert konkrete Vorschläge und bis zu drei Varianten für eine Sanierung, abgestimmt auf die individuelle Situation des Hauseigentümers.

Welcher Sprung von schlechten in bessere Energieklassen ist bei sehr alten Häusern möglich?

Im Allgemeinen zu wenig bekannt ist, dass auch bei Sanierungen gewisse Minimalanforderungen für Einzelbauteile – zum Beispiel für Fenster – eingehalten werden müssen. Eine Sanierung nach diesen Anforderungen bringt auch ein altes Haus mindestens zur Energieetikette C. Wenn das Haus mit einer sehr guten Wärmedämmung ausgestattet und auch die Haustechnik auf erneuerbare Energie umgerüstet wird, kommt man sogar zu einer Energieetikette A. Wenn man mit dem Haus über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach noch Strom erzeugt, erreicht man sogar das Level eines Plusenergiehauses. Je nach Kanton gibt es pro höhere Energieklasse verschiedene Förderbeiträge zur Unterstützung solcher Projekte.

Umfassende Sanierungen kommen relativ teuer. Kann man in Etappen vorgehen?

Wichtig ist, nach einem guten Konzept vorzugehen. So lohnt es sich zum Beispiel, mit dem Dach anzufangen, dann die Gebäudehülle zu sanieren und ein Jahr später die Heiz- und Gebäudetechnik. Falsch wäre es, mit der Energietechnik zu beginnen. Denn eine neue Heizung ohne Sanierung der Gebäudehülle wird oft falsch ausgelegt und ist viel zu gross dimensioniert.

Fachauskünfte: Ulrich Nyffenegger, Vorstandsvorsitzender Verein GEAK®.

1x1 des Finanzierens

Wie finanziere ich ein Eigenheim? In unserem Ratgeber finden wertvolle Finanzierungstipps.

Renovationsrechner

Berechnen Sie die Kosten für Renovationen an Ihrem Eigenheim. Schnell und einfach.