Wachstumsinitiative SEF4KMU Unternehmertum in der Schweiz stärken

Christine Novakovic über die Herausforderungen des Schweizer Binnenmarkts und die Förderung dynamischer Jungunternehmen.

Den Export stärken. Christine Novakovic leitet seit 2011 bei UBS Schweiz den Bereich Corporate & Institutional Clients, seit 2014 auch die Investmentbank Schweiz. Die Betriebs- und Volkswirtin wurde in ihrer internationalen Banklaufbahn 2003 in Deutschland zur «Managerin des Jahres» gekürt. Bild: Patric Spahni

Warum haben UBS und das Swiss Economic Forum vor mehr als drei Jahren die Wachstumsinitiative SEF4KMU lanciert?

Mit dem Swiss Economic Forum (SEF) verbindet uns eine langjährige Partnerschaft, die seit der Gründung des SEF besteht. UBS setzt sich seit vielen Jahren engagiert dafür ein, das Unternehmertum in der Schweiz ganz konkret zu fördern. Ein Beispiel dafür ist unsere Bildungsinitiative, in deren Rahmen wir eine Vielzahl von Projekten unterstützen, die den Bildungs- und Werkplatz Schweiz stärken. Deshalb haben wir auch zusammen mit dem SEF die Idee zur Initiative «Wachstum für KMU» entwickelt, um jüngere wachstumsstarke Unternehmen zu fördern, und arbeiten seither bei der Umsetzung der Initiative tatkräftig mit.

Weshalb brauchen diese Unternehmen eine besondere Förderung?

Die Schweiz ist ein kleines Land mit einer grossen regionalen und sprachlichen Vielfalt. In diesem besonders anspruchsvollen Binnenmarkt fällt es jüngeren Unternehmen oft schwer, aus eigener Kraft rasch zu wachsen und die kritische Grösse für eine Expansion ins Ausland zu erreichen. Hier kann UBS ihre breite Erfahrung im weltweiten Exportgeschäft und ihre Kontakte zu Experten und Investoren zur Verfügung stellen, besonders natürlich bei Fragen der Kapitalbeschaffung.

Ist die Kapitalbeschaffung für solche Unternehmen denn schwierig?

Speziell bei Finanzierungen im einstelligen Millionenbereich für junge oder stark wachsende Unternehmen haben wir eine Angebotslücke festgestellt. Eine wesentliche Ursache liegt bei den im Verhältnis zum investierten Kapital hohen Analysekosten massgeschneiderter Finanzierungslösungen.

Zudem sind oft präzise Marktkenntnisse erforderlich. Genau hier setzt die Initiative an, weil sie eine Beurteilung der Unternehmen durch unabhängige Fach- und Industrieexperten bietet. Dies erleichtert potenziellen Investoren – und auch UBS – die Analyse und bringt zudem auch die Unternehmen weiter.

Der Schweiz geht es doch wirtschaftlich gut. Warum ist es da überhaupt nötig, Wachstum zu fördern?

Wirtschaftlich gesehen stehen wir zwar im Vergleich zu unseren Nachbarländern noch relativ gut da. Gemessen an den in der Schweiz entwickelten Innovationen oder an der Anzahl Patente pro Bevölkerungszahl nimmt unser Land im internationalen Vergleich gar eine Spitzenposition ein.

«Bei Finanzierungen im einstelligen Millionenbereich für wachstumsstarke Unternehmen haben wir eine Angebotslücke festgestellt.»

Aber dies sind die Erfolge der Vergangenheit. Heute beobachten wir, dass unser bescheidenes Wirtschaftswachstum vor allem durch den Privatkonsum und die Zuwanderung gestützt wird. Die Exportindustrie dagegen, traditionell unser Wachstumsmotor, ist am Kämpfen. Wo sie noch wächst, schafft sie Arbeitsplätze, vor allem im Ausland. Mit der Initiative «Wachstum für KMU» wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Export­industrie ihre Stärken in Zukunft erhalten und auch wieder in der Schweiz wachsen kann. Auch wir als Bank profitieren natürlich vom Wachstum unserer Kunden; wenn es ihnen gut geht, können auch wir mit ihnen wachsen.

Wie erleben Sie die Wachstumsinitiative SEF4KMU ganz persönlich?

Das Schönste für mich sind die vielen Begegnungen mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, die ich im Rahmen unserer Initiative treffe. Ihre packenden Geschichten und mutigen Ideen, ihre Leidenschaft im Kampf um den Erfolg am Markt sind sehr motivierend. Ich empfinde es als besonderes Glück, all das zu erleben und damit auch einen Beitrag zur Stärkung des Unternehmertums in der Schweiz zu leisten.

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