Outlook: Digitalisierung Wachstum durch Digitalisierung

Besonders in Industrieländern sind die Digitalisierung und der technischer Fortschritt grundlegend für das Wirtschaftswachstum.

Weltweit wird die wirtschaftliche Entwicklung seit über zwanzig Jahren massgeblich durch den digitalen Wandel beeinflusst. Die Digitalisierung schreitet mit grossem Tempo voran und hat mittlerweile sowohl auf Produkt- als auch auf Prozessebene in praktisch alle Wirtschaftszweige Eingang gefunden.

In der Dienstleistungsbranche stark fortgeschritten

Der digitale Wandel setzt sich aus einer Vielzahl technologischer Trends und den damit einhergehenden wirtschaftlich-gesellschaftlichen Veränderungen zusammen. Abbildung 1 zeigt, dass in den letzten 25 Jahren die Anzahl der jährlich angemeldeten Patente im Kernbereich der digitalen Technologien weltweit deutlich gestiegen ist. Dabei entwickelte sich die Anzahl Patente im Einklang mit der konjunkturellen Entwicklung. Dies widerspiegelt klar das prozyklische Investitionsverhalten der Unternehmen, welche die Forschungsbudgets in Krisenzeiten jeweils stark kürzen, um sie in Expansionsphasen erneut aufzustocken.


Abbildung 1

Patentanmeldungen nehmen weltweit drastisch zu

Patente mit mindestens einer Patentklasse aus dem Kernbereich digitaler Technologien (in Tausend)

Quellen: Prognos, UBS

Besonders dynamisch entwickelte sich die Digitalisierung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. Die darauffolgende nachlassende Dynamik lässt sich im Wesentlichen auf das Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er Jahre zurückführen. Das schwindende Vertrauen der Geldgeber hatte spürbare Folgen für die Investitionen, da deutlich weniger Mittel für Forschung und Entwicklung im Bereich der digitalen Technologien zur Verfügung standen. Seitdem hat sich der Charakter des digitalen Wandels geändert. Während in den 1980er und 1990er Jahren noch das rasante Wachstum der originären Branchen, wie IT und Kommunikation, im Mittelpunkt stand, sind die Informations- und Kommunikationstechnologien mittlerweile aus nahezu allen Bereichen der Wirtschaft nicht mehr wegzudenken.

Gemessen am Anteil der Patente, die mit Digitalisierung im Zusammenhang stehen, sind heute die Dienstleistungsbranchen im Durchschnitt wesentlich stärker von digitalen Technologien durchdrungen als die Wirtschaftszweige des primären und sekundären Sektors. Dies liegt mitunter daran, dass Industrieprodukte noch zahlreiche weitere, «nicht-digitale» Patente umfassen. Zieht man auch die Prozessebene in die Analyse mit ein, steigt der Digitalisierungsgrad vieler Industriebranchen an. Darin kommt zum Ausdruck, dass die Industrie oftmals digitalisierte Dienstleistungen nutzt, um ihre Produktionsprozesse zu optimieren. Gleichzeitig gehören arbeitsintensive Teile der Wirtschaft zu den wenig digitalisierten Technologiebereichen. So weisen neben dem primären Sektor auch Branchen aus personenbezogenen und sozialen Bereichen sehr niedrige Digitalisierungsanteile auf.

Deutlich positiver Wachstumseffekt in Industrieländern

Der Wachstumsökonom Robert Solow behauptete 1987 spöttisch, das Computerzeitalter sei überall zu sehen, ausser in den Produktivitätsstatistiken. Zwar gestaltet sich die Suche nach klarer empirischer Evidenz auch heute noch schwierig. Aber die neuen Möglichkeiten der Speicherung, Verarbeitung und Verbreitung von Daten haben eindeutig das Potenzial, wirtschaftliche Abläufe effizienter zu gestalten, neue Bedürfnisse zu befriedigen und somit den Wohlstand zu erhöhen. Der Effekt der Digitalisierung auf das Wirtschaftswachstum ist jedoch je nach Land unterschiedlich.1 Dabei kommen entwickelte Volkswirtschaften in den Genuss deutlich höherer Wachstumsvorteile als Schwellenländer. Beispielsweise trug die Digitalisierung zwischen 1998 und 2012 durchschnittlich knapp die Hälfte zur jährlichen Zunahme der deutschen Bruttowertschöpfung bei.2

Der relativ starke Wachstumseffekt in Industrieländern ist vor allem darauf zurückzuführen, dass hier der Inlandkonsum und somit nicht-handelbare Güter von grosser Bedeutung sind. Die Produktivität bei der Erstellung dieser Güter wird durch Digitalisierung verbessert, womit über den technischen Fortschritt das Wirtschaftswachstum klar positiv beeinflusst wird. Aber der digitale Wandel hat auch die Art und Weise, wie Firmen ihre Produktionsprozesse ausgestalten können, verändert. Somit kommt es gleichzeitig zum Verlust von Arbeitsplätzen, da niedrigqualifizierte Arbeiten mit tiefem Wertschöpfungsanteil ins Ausland ausgelagert werden, wo der Produktionsfaktor Arbeit vergleichsweise billig ist. Demgegenüber sind Schwellenländer in der Regel stärker exportorientiert und daher von handelbaren Gütern abhängig. Sie profitieren mehr von den positiven Effekten der Digitalisierung auf die Beschäftigung als auf das Produktivitätswachstum.

Wichtiges Instrument zur Standortförderung

Staatliche Institutionen versuchen seit jeher, die Vorteile derjenigen Branchen zu verteidigen, die für die jeweilige nationale Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind. In Sektoren, in denen eine Volkswirtschaft international bereits einen Wettbewerbsvorteil besitzt, kann dieser Vorsprung mithilfe einer verstärkten Digitalisierung vergrössert werden. Im aktuellen Umfeld mit verhaltenem Wachstum in Industrieländern stellt die Schaffung digitalisierungsförderlicher Rahmenbedingungen also ein wichtiges standortpolitisches Instrument dar, um das Wirtschaftswachstum von staatlicher Seite aus zu unterstützen. In der Schweiz lassen sich in Bereichen, in welchen der Markt spielt, kaum Hinweise für eine ungenügende Nutzung digitaler Technologien finden. Einen zentralen Beitrag zur Förderung der digitalen Wirtschaft kann der Bund jedoch leisten, indem er der Erhaltung eines kompetitiven Umfelds Sorge trägt. Daneben verfügt er in gewissen Bereichen über Gestaltungsspielraum: So liessen sich beim Staat selbst mittels E-Government deutliche Effizienzgewinne erzielen (siehe unten).


Abbildung 2

Innovationen breiten sich immer schneller aus

Anzahl Jahre bis zur Erreichung des Massenmarkts (>50 Millionen Endnutzer)

 

Quellen: B. King (2010), UBS

Mittlerweile erreichen technologische Innovationen den Massenmarkt in immer kürzeren Zeitspannen (siehe Abbildung 2). Während es 50 Jahre dauerte, bis 50 Millionen Menschen ein Telefon benutzten, konnte Facebook in nur zwei Jahren diese Schwelle überschreiten. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Netzwerkeffekte, also der Umstand, dass der Nutzen für alle Beteiligten umso grösser wird, je mehr Nutzer vorhanden sind. Die Geschwindigkeit der Ausbreitung und die globale Abdeckung technologischer Neuerungen sind zu einem ernst zu nehmenden Faktor geworden, weshalb die Digitalisierung bei der Standortförderung umso mehr beachtet werden sollte. Beispielsweise hat Singapur, für dessen Wirtschaft Frachthäfen von zentraler Bedeutung sind, vor knapp einem Jahrzehnt das weltweit erste Hafen-WLAN mit einer Netzabdeckung entlang der südlichen Küste lanciert. Zusätzlich wurde ein Fonds zur Unterstützung von Projekten eingerichtet, die digitale Innovationen im Seeverkehrsbereich zum Ziel haben. Damit soll die Verbesserung und Transformation betrieblicher Abläufe beim Warenumschlag in den Häfen Singapurs vorangetrieben und deren bereits starke Position im internationalen Wettbewerb weiter verbessert werden.

Öffentliche Verwaltung 2.0

Der Staat kann nicht nur die Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Digitalisierungsbemühungen verbessern, er kann sich auch selbst digitalisieren. Unter dem Begriff E-Government versteht man die Vereinfachung von staatlichen Prozessen mittels digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien. In ihrer Leistungserbringung wird die öffentliche Verwaltung dadurch flexibler (keine Bindung mehr an Öffnungszeiten von Ämtern), transparenter (der aktuelle Bearbeitungsfortschritt kann besser überprüft werden) und generell effizienter (das heisst, es werden Ressourcen wie Papier oder Personalkosten eingespart). Wie weit fortgeschritten sind die Schweizer Behörden im Bereich E-Government?

Zwar findet man die Schweiz in internationalen Wettbewerbsrankings meist in den Top-Rängen, doch in der UN E-Government Survey 2014 ist sie nur auf Rang 30 platziert. Weltweit am stärksten digitalisiert ist die öffentliche Verwaltung in Südkorea (1. Rang), Australien (2. Rang) und Singapur (3. Rang). Aber auch die vier grossen Nachbarländer liegen vor der Schweiz – Frankreich belegt gar den vierten Rang. Laut dem Bericht besteht hierzulande vor allem Aufholbedarf in der Verwendung von online Bezahlungsdiensten und bei Bewilligungsanträgen. Auch im EU E-Government Report 2014 bleibt die Schweiz in vielen Bereichen unter dem europäischen Schnitt; eine Lücke gegenüber den führenden Ländern besteht in der Transparenz. Elektronische Identifikationen (eID) oder elektronisch beglaubigte Dokumente (eDocuments) – wichtige Voraussetzungen für eine rein elektronische Abwicklung – kommen ebenfalls noch zu wenig zur Anwendung.

Ein Vorantreiben der Digitalisierung bietet folglich das Potenzial, die öffentliche Verwaltung in der Schweiz noch flexibler, transparenter und vor allem effizienter zu gestalten. Kurzfristig ist dies zwar mit zusätzlichen Investitionen verbunden. Längerfristig dürfte sich aber dadurch eine Möglichkeit bieten, dem auf allen drei Staatsebenen vorhandenen Spardruck entgegenzuwirken.

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