Finanzplanung Konkubinat oder Heirat? Ein Trauschein ändert vieles

Das Konkubinat ist der Ehe rechtlich nicht gleichgestellt. Das zeigt sich vor allem beim Thema Vorsorge. So existieren auch zwischen der 1., 2. und 3. Säule einige Unterschiede, die es zu beachten gilt.

Wer heiratet untersteht dem Eherecht. Das Konkubinat hingegen ist gesetzlich kaum geregelt. Besonders im Konkubinat lebende Frauen, die aufgrund der Kinderbetreuung reduziert oder gar nicht erwerbstätig sind, sollten sich zusätzlich absichern.

Zweimal Maximalrente im Konkubinat

Im Konkubinat haben beide Personen bei der Pensionierung Anspruch auf je eine maximale AHV-Einzelrente von 28 200 Franken. Bestenfalls sind das 56 400 Franken für das Paar. Hingegen wird der Rentenbetrag für zwei Einzelpersonen bei Ehepaaren auf 150 Prozent gekürzt. Verheiratete Paare erhalten somit zusammen nur maximal 42 300 Franken. Das sind 14 100 Franken weniger als bei Paaren ohne Trauschein (Stand 2017).

In der Regel keine Hinterlassenenrente

Bei einem Todesfall erhält die überlebende Ehefrau mit Kindern (gleichgültig welchen Alters) bzw. der überlebende Ehemann mit Kindern unter 18 Jahren aus der 1. Säule eine Hinterlassenenrente. Für Konkubinatspartnerinnen und -partner sind hingegen keine Hinterlassenenleistungen im Todesfall vorgesehen. Dieser Unterschied wiegt vor allem für jene Frauen oder Männer schwer, die wegen der Kinderbetreuung nicht erwerbstätig sind. In der 2. Säule sehen Pensionskassen für Ehepaare mit unterhaltspflichtigen Kindern Hinterlassenenrenten vor. Für Konkubinatspaare können Pensionskassen ebenfalls Hinterlassenenrenten festlegen. Ob das in der jeweiligen Pensionskasse vorgesehen ist, zeigt das Pensionskassenreglement.

Das müssen Sie wissen

  • Mit einem Konkubinatsvertrag können Sie beispielsweise Klarheit über die Aufteilung der Eigentumsverhältnisse oder die Verteilung der Lebenshaltungskosten schaffen.
  • Um Unklarheiten im Todesfall zu vermeiden, sollten Sie den Vorsorgestiftungen der 2. und 3. Säule mit einer schriftlichen Erklärung die Begünstigung des Konkubinatspartners mitteilen. Die unterschiedlichen Formvorschriften für die Begünstigung müssen im Einzelnen abgeklärt werden.
  • Im Scheidungsfall werden die während der Ehe erworbenen AHV-Gutschriften und Pensionskassenguthaben hälftig geteilt. Diese Regelung verhilft Ehefrauen ohne oder mit reduzierter Erwerbstätigkeit zu einer höheren Altersleistung. Konkubinatspaare sind bei einer Trennung von diesem Ausgleich ausgenommen, was die Altersleistungen der Frauen, die im Konkubinat gelebt haben, empfindlich beeinträchtigen kann.

Einschränkungen in Säule 3a und 3b

In der Säule 3a sind hinterbliebene Ehegatten an erster Stelle begünstigt. Wer beim Tod hingegen keinen Ehepartner hinterlässt, beerbt an erster Stelle Nachkommen und den Konkubinatspartner zu gleichen Teilen. Dies unter der Voraussetzung, dass das Konkubinat mindestens seit fünf Jahren besteht und die Vorsorgestiftung durch den Vorsorgenehmer über die Existenz der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners in Kenntnis gesetzt worden ist. Der überlebende Konkubinatspartner oder die -partnerin muss also das Säule 3a-Vermögen mit allfälligen Kindern teilen. Das kann problematisch werden, wenn etwa mit dem 3a-Vermögen eine Hypothek aus gemeinsamem Wohneigentum zurückbezahlt werden müsste. In diesem Fall muss der Vorsorgestiftung eine anderslautende prozentuale Aufteilung und die Namen der begünstigten Personen schriftlich mitgeteilt werden. In der freien Vorsorge 3b kann die Lebenspartnerin oder der -partner zusätzlich abgesichert werden. Die Begünstigung ist hier unter Berücksichtigung erbrechtlicher Einschränkungen frei wählbar.

Fehlende gesetzliche Erbansprüche

Ehepartner haben einen gesetzlichen Erbanspruch. Konkubinatspaare gehen im Erbfall hingegen leer aus. Mittels Testament/Erbvertrag kann zumindest die freie Erbquote dem Konkubinatspartner zugewiesen werden.

Grosse Besteuerungsunterschiede

Ehepaare werden, im Gegensatz zu Konkubinatspaaren, gemeinsam besteuert. Durch die progressiven Steuertarife kann sich für Verheiratete mit hohen Einkommen ein Steuernachteil ergeben. Was die Erbschafts- und Schenkungssteuer betrifft, sind Ehegatten in allen Kantonen steuerbefreit. Personen, die im Konkubinat leben, werden hingegen in vielen Kantonen oft sogar zum Höchsttarif besteuert.

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