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Negativzinsen aus Unternehmenssicht schädlich

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Auch nach fünf Jahren Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) deutet nichts darauf hin, dass diese Phase in absehbarer Zeit beendet wird. Im Gegenteil, die wichtigsten Notenbanken weltweit gestalteten jüngst ihre Geldpolitik wieder expansiver. In diesem Zusammenhang haben wir 2500 leitende Angestellte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer in der Schweiz über die Auswirkungen der Negativzinsen auf ihr Unternehmen sowie auf die Schweizer Wirtschaft insgesamt befragt.

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2504 Antworten, Mehrfachantworten möglich, in Prozent

Wenn man die Unternehmen nach den Auswirkungen der Negativzinsen auf sie befragt, gibt die Mehrheit an, nicht direkt betroffen zu sein. 25 Prozent leiden selber unter der tiefen respektive negativen Verzinsung liquider Mittel und Spareinlagen, bei rund einem Drittel ist dieser Effekt indirekt über die jeweilige Pensionskasse zu spüren. Von steigenden Immobilienpreisen im positiven wie auch im negativen Sinn und durch tiefere Zinskosten bei ungedeckten Krediten sind die wenigsten Unternehmen betroffen. Unabhängig von der Branche ist die tiefe Verzinsung von liquiden Mitteln das dominierende Thema.

Wenig überraschend profitieren 51 Prozent der befragten Unternehmen in der Immobilienbranche von den tiefen Zinsen für gedeckte Kredite. Die meisten Unternehmen in der Schweiz haben jedoch keine gedeckten und ungedeckten Kredite aufgenommen, was sich mit Studien des Staatssekretariats für Wirtschaft deckt. Zudem hat die aktuelle Tiefzinsphase wenig Einfluss auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen.

2194 Antworten, in Prozent

Die SNB begründet die Geldpolitik mit der tiefen Inflation und der Überbewertung des Schweizer Frankens. 81 Prozent der befragten Unternehmen sind ausschliesslich binnenorientiert oder haben einen Exportanteil von unter 10 Prozent. Diejenigen, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes exportieren, machen weniger als 10 Prozent der Umfrageteilnehmer aus. Somit sind denn auch drei Viertel der befragten Unternehmen nicht direkt vom EURCHF- Wechselkurs abhängig, beim USDCHF-Wechselkurs sind es gar 86 Prozent. Dass ein höherer Anteil vom EURCHF- statt vom USDCHF-Wechselkurs abhängig ist, reflektiert die Bedeutung der Eurozone als wichtigster Handelspartner der Schweiz.

Von den vom EURCHF-Wechselkurs abhängigen Unternehmen würden rund 15 Prozent bei einem Wechselkurs von unter 1.10 in die Verlustzone abrutschen, bei den stark exportorientierten Unternehmen wären es sogar fast die Hälfte. Wenig überraschend nimmt der Anteil der Unternehmen, die bei einem EURCHF-Wechselkurs von unter 1.10 in die Verlustzone geraten, mit zunehmendem Exportanteil zu.

2194 Antworten, in Prozent

Nur 14 Prozent der Befragten bezahlen bei ihrer Bank Negativzinsen auf liquide Mittel und Spareinlagen. Je grösser die Unternehmen sind, desto öfter ist dies jedoch der Fall. So sind es bei einer Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 250 bereits 20 Prozent und bei mehr als 250 Arbeitnehmenden 25 Prozent. Finanzdienstleister sind mit knapp einem Drittel überraschend wenig von Negativzinszahlungen betroffen.

Ein Fünftel der Negativzinsen zahlenden Unternehmen (21 Prozent) haben die Konsequenzen gezogen und das Bargeld von der Bank abgehoben. Von denjenigen Unternehmen die bis jetzt noch nicht bezahlen, würden fast die Hälfte dies im Falle eines Eintretens ebenfalls tun.

1687 Antworten, in Prozent

Im September hat die SNB mit der Anhebung des Freibetrags bei den Negativzinsen die schädlichen Auswirkungen ihrer Politik etwas gemildert, hat aber im Gegenzug darauf hingewiesen, dass die Negativzinsphase noch länger andauern wird. Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen rechnet nicht vor 2022 mit positiven Leitzinsen, 41 Prozent sogar erst zwischen 2025 und 2029.

2504 Antworten, Mehrfachnennungen möglich, in Prozent

Angesprochen darauf, welche Auswirkungen der Negativzinsen den Unternehmen Sorge bereitet, gaben rund zwei Drittel eine Verschlechterung der finanziellen Situation der 2.-Säule-Einrichtungen an. Dass Spargelder nicht mehr verzinst werden, folgt mit 60 Prozent an zweiter Stelle. Eine mögliche Umverteilung und eine Bevorteilung exportorientierter Unternehmen durch die aktuelle Geldpolitik beunruhigen dagegen bloss 7 Prozent. Auch die Umverteilung zu Lasten der Konsumenten wird mit rund 21 Prozent wenig genannt. Die hohe Bewertung an den Finanzmärkten nehmen nur 16 Prozent als Problem wahr, jedoch lösen die gestiegenen Immobilienpreise bei rund einem Drittel Bedenken aus. Häufig wird argumentiert, dass mit der heutigen Negativzinspolitik den Notenbanken die Instrumente zur Stützung der Wirtschaft bei einer Rezession fehlen würden. Knapp ein Viertel der befragten Unternehmen sehen dies ebenfalls so.

2116 Antworten, in Prozent

Nach den Kosten und Nutzen der Negativzinspolitik befragt, bewerten die meisten Umfrageteilnehmer diese für ihr Unternehmen als neutral beziehungsweise ausgeglichen (59 Prozent). Jedoch überwiegen bei rund einem Drittel die Kosten. Im verarbeitenden Gewerbe und bei den Finanzdienstleistern ist dieser Anteil mit 29 respektive 42 Prozent am höchsten. Bei den Unternehmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes exportieren, bemerken knapp ein Drittel direkte negative Auswirkungen und nur 18 Prozent einen positiven Effekt. Je grösser die Unternehmen, desto negativer wird die aktuelle Geldpolitik bewertet.

Bezüglich den Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft stehen die befragten Unternehmen der Negativzinspolitik noch einmal deutlich kritischer gegenüber. Für fast zwei Drittel überwiegen die Kosten den Nutzen und lediglich 12 Prozent stufen es umgekehrt ein. Am schlechtesten bewerten die Branchen Verkehr und Kommunikation (68 Prozent) sowie das Gesundheitswesen (64 Prozent) die Negativzinspolitik. Bei den Unternehmen mit einem Exportanteil von über 50 Prozent ist der Anteil, der insgesamt positive Auswirkungen sieht, mit knapp einem Fünftel am grössten. Diese Unternehmensgruppe dürfte denn auch am meisten von der aktuellen Geldpolitik profitieren.

22. October 2019 Wirtschaft im Überblick

Bei der Erstellung der UBS CIO WM-Konjunkturprognosen haben die Ökonomen von UBS CIO WM mit Ökonomen von UBS Investment Research zusammengearbeitet. Die Prognosen und Einschätzungen sind nur zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Publikation aktuell und können sich jederzeit ändern.


Konjunktur und Finanzmärkte

Schweizer Wirtschaft

  • Die gegenwärtigen politischen und konjunkturellen Risiken sowie ein stärkerer Franken deuten auf eine schwache Schweizer Konjunktur Ende 2019 und in der ersten Hälfte des nächsten Jahres hin. Mit einem Wirtschaftsaufschwung ist global und in der Schweiz erst ab Mitte 2020 zu rechnen. Wir erwarten im 2019 und im 2020 ein Wirtschaftswachstum von unter einem Prozent.
  • Eine Rezession in der Schweiz dürfte jedoch dank des robusten Privatkonsums vermieden werden. Wenn sich allerdings eines der vielen Risiken auf internationaler Ebene realisiert, beispielsweise eine weitere Eskalation des sino-amerikanischen Handelsstreits oder aber ein harter Brexit, so könnte die europäische Wirtschaft und damit auch die Schweiz in eine Rezession abgleiten.
  • Die EZB und die Fed werden auf die Rezessionsrisiken mit noch tieferen Leitzinsen reagieren. Das dürfte dann auch die SNB im Frühjahr zu einer Zinssenkung zwingen, weshalb auch eine starke Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro in den nächsten zwölf Monaten ausbleiben sollte.

Geldpolitik

  • Die EZB und die Fed werden auf die Rezessionsrisiken mit noch tieferen Leitzinsen reagieren. Das dürfte dann auch die SNB im Frühjahr zu einer Zinssenkung zwingen.
  • Ist die SNB bereit der EZB weiterhin zu folgen, dann dürfte sich der EURCHF-Wechselkurs in der mittleren Frist seitwärts bewegen, weil auch die Zinsdifferenz zwischen Schweizer und Euro-Zinsen bestehen bleibt. Trotzdem ist eine temporäre Frankenaufwertung möglich, denn in einem Konjunkturabschwung suchen die Investoren den sicheren Hafen Franken.
  • Wenn die Zentralbanken in der Lage sind eine Rezession zu verhindern, dürften die Leitzinsen irgendwann wieder steigen. Da aber höhere Leitzinsen sehr weit in der Zukunft liegen, wird ein Anstieg der Anleihenzinsen in den nächsten Quartalen bescheiden bleiben oder es dürfte gar nur eine Seitwärtsbewegung resultieren

Prognosen

Reale Jahresveränderung, saison- und kalenderbereinigt, in %

 

Prognose UBS

 

 

Niveau*

2016

2017

2018

2019P

2020P

Bruttoinlandprodukt

704.0

1.7

1.9

2.8

0.7

0.9

Privater Konsum

370.7

1.4

1.3

1.0

1.1

1.3

Konsum Staat

 

79.2

1.3

1.2

0.3

1.0

0.6

Investitionen

 

170.6

2.6

3.6

1.1

0.0

0.3

 

Bau

60.9

-0.2

1.5

1.4

0.4

0.4

 

Ausrüstungen

109.7

4.2

4.8

1.0

-0.2

0.3

Exporte**

 

357.6

6.6

4.0

4.4

2.9

2.1

Importe**

 

261.9

4.4

4.5

2.5

0.8

3.0

Jahresteuerung

 

-0.4

0.5

0.9

0.4

0.5

Arbeitslosigkeit***

 

3.3

3.2

2.6

2.5

2.5

Graphiken zur Schweizer Wirtschaft

Diese nützlichen Grafiken enthalten aktuelle Wirtschaftsprognosen, Trends zu den wichtigsten makroökonomischen und geldpolitischen Variablen, branchenspezifische Strukturen und Entwicklungen sowie weitere interessanten Aspekte zur Schweizer Wirtschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Globale Konjunktur

  • Die Handelsunsicherheit nimmt zu, und die Märkte konzentrieren sich auf ein mögliches Treffen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi und US-Präsident Trump im November. Die Belastung durch die Handelsunsicherheit macht sich nach wie vor in schwächeren Investitionen bemerkbar. Ein partielles Handelsabkommen hätte positive, aber begrenzte Auswirkungen. Der Umbau von Lieferketten zur Vermeidung bestehender Handelszölle hat zugenommen und dürfte die negativen Auswirkungen dämpfen.
  • Von der Industrie und Investitionen abhängige Volkswirtschaften wie Deutschland leiden bereits unter den Auswirkungen der Handelsspannungen. Volkswirtschaften, die auf den Welthandel ausgerichtet sind (kleine offene Volkswirtschaften in Asien und Europa) oder vom Investitionszyklus abhängen, sind stärker gefährdet als solche, die sich auf die Binnenwirtschaft stützen.
  • In den meisten grossen Volkswirtschaften ist die Arbeitsmarktlage nach wie vor gut. Dies unterstützt die Einkommen der Konsumenten (durch höhere Beschäftigung, steigende Löhne oder beides). Die globale Arbeitslosigkeit liegt auf oder nahe dem tiefsten Stand seit 40 Jahren. Die Binnennachfrage dürfte die Belastung durch die Schwäche bei Exporten und Investitionen begrenzen.
  • Je länger der Rückgang der Investitionen anhält, umso grösser ist das Risiko, dass er auf die Arbeitsmärkte übergreift und die Binnennachfrage schwächt.
  • Die zugrunde liegenden Inflationstrends sind relativ moderat, da die Unternehmen die Handelszölle lieber absorbieren, als sie weiterzureichen. Die Auswirkungen auf die bisher gute Arbeitsmarktlage sollten im Auge behalten werden.

FX

EURCHF

  • Wir belassen unsere EURCHF-Prognose am Ende des vierten und ersten Quartals bei 1.07 und setzen sie für das Ende des zweiten und dritten Quartals auf 1.10.
  • Das Ausmass der geldpolitischen Lockerungen der Fed und der EZB sowie die globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten dürften massgebend dafür sein, wie weit sich der Abwärtsdruck auf EURCHF erhöht.
  • Die SNB hat sich einen gewissen Spielraum vorbehalten und die Zinssätze auf ihrer Sitzung im September trotz der Lockerungen der EZB und der Fed im selben Monat nicht geändert.

USDCHF

  • Wir behalten unsere USDCHF-Prognose von 0.98 für Ende Dezember bei, unsere Prognose für Ende September 2020 belassen wir bei 0.94.
  • Der USD hat in den letzten Wochen aufgrund verschiedener Faktoren nachgegeben. Die Marktteilnehmer scheinen zu glauben, dass durch die jüngsten Handelsgespräche die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Anhebung der Strafzölle gesunken ist.
  • Die SNB setzt ihr übliches Repertoire an Massnahmen ein, um den CHF im Zaum zu halten. Auf ihrer Sitzung im September beschloss sie, ihr Pulver trocken zu halten und die Zinsen nicht zu senken. Sie könnte dies jedoch ausserhalb des Zyklus tun, falls der CHF steigt.

Immobilien

  • Die Eigenheimpreise stiegen im 2. Quartal 2019 um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Vorjahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 2,4 Prozent.
  • Die Transaktionspreise stiegen in den letzten vier Quartalen am stärksten in den teuersten Regionen an. In der Südschweiz zeichnet sich eine Trendwende ab.
  • Angesichts der attraktiven Finanzierungsbedingungen bleibt die Nachfrage auf dem Eigenheimmarkt robust.

Branchen

  • Bei den Industrieunternehmen verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation weiter.
  • Bei den Dienstleistern hingegen ist nach drei aufeinanderfolgenden Quartalen mit wirtschaftlicher Eintrübung wieder ein Silberstreifen am Horizont zu sehen.

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