Fundiert informiert - Sven Ebeling, Leiter Products & Advisory, Institutionelle Kunden

| Posted by: aa | Tags: Asset Servicing

Das Investment Reporting ist ein umfassendes Informationspaket. Es liefert den Gremien von Vorsorgeeinrichtungen die notwendigen Entscheidungsgrundlagen für eine effiziente Bewirtschaftung des Anlagevermögens.

Investment Reporting

Das Investment Reporting ist ein zentrales Führungsinstrument. Ein bedarfsgerechter Inhalt und dessen richtige Interpretation sind entscheidend.

Die klassischen Dimensionen, die ein Investment Reporting abdeckt, beziehen sich auf die Struktur des Anlagevermögens, die erzielte Performance und die dabei eingegangenen Risiken. Diese in Zahlen angegebenen und grafisch aufbereiteten Informationen beschreiben die Eigenschaften des konsolidierten Gesamtvermögens sowie einzelner Anlagekategorien oder Portfolios. Heutigen Ansprüchen jedoch genügt dies oftmals nicht mehr. So machen es Wünsche nach einer erhöhten Kostentransparenz erforderlich, Angaben zur Kostenstruktur und deren Treiber zu integrieren. Des Weiteren sind Kriterien der Nachhaltigkeit bei zahlreichen Vorsorgeeinrichtungen zu einem zentralen Element von Anlageentscheidungen geworden. Dies ruft nach einer Erweiterung um entsprechende Analysen, in deren Rahmen die einzelnen Anlagen oder eingesetzten Fonds beispielsweise nach ESG-Kriterien (Umwelt, Gesellschaft, Governance) klassifiziert werden. Diese Ansprüche erweitern das Risikomanagement um eine Dimension und schaffen die Möglichkeit, die Performance langfristig positiv zu beeinflussen

Kennzahlen korrekt verstehen

Informationen zum Anlagevermögen können im Investment Reporting zu interessanten Kennzahlen verdichtet werden. Dies erlaubt, die finanzielle Situation der Kasse einzuschätzen und zu überwachen, eine Anlagekontrolle vorzunehmen sowie Rendite- und Risikoanalysen durchzuführen. Dabei ist insbesondere zu beachten, dass Rendite-und Risikoaspekte simultan betrachtet werden. Eine erzielte Performance isoliert zu werten, ohne dabei das damit ein gegangene Risiko zu berücksichtigen, kann zu Fehlschlüssen führen. Kombinierte Kennzahlen wie die Information Ratio sind wesentlich aussagekräftiger. Bei dieser Ratio wird die erzielte Überschussrendite ins Verhältnis zum damit verbundenen zusätzlichen Risiko gesetzt. Nur damit kann die Frage beantwortet werden, ob das gegenüber der Benchmark zusätzlich eingegangene Risiko auch adäquat in Form einer Zu-satzrendite entschädigt wurde. Dies ist bei der fairen Beurteilung aktiver Vermögensverwalter essenziell. Einige Kennzahlen sind anfällig dafür, fehlinterpretiert zu werden. Beispielsweise wird der Tracking Error als Mass für die Abbildungsgenauigkeit bei indexiert geführten Mandaten verwendet. Er wird als Standardabweichung der erzielten Renditedifferenzen von Portfolio und Benchmark berechnet. Wenn die Rendite des Portfolios systematisch von jener der Benchmark abweicht und die Renditedifferenz konstant bleibt, wird zwar ein Tracking Error in Höhe von Null ausgewiesen, die zeitliche Kumulation der Abweichungen kann aber dennoch – trotz vermeintlich genauer Abbildung – zu deutlichen Renditedifferenzen führen. Ebenso schwindet die Aussagekraft vieler statistischer Kennzahlen, wenn die Beobachtungsperiode zu kurz ist und somit nur wenige Daten zur Verfügung stehen. So nützlich gewisse Kennzahlen sein mögen, ohne hinreichend lange Datenbasis geben sie nur ein verzerrtes Bild wieder.

Probleme der Illiquidität beachten

Ein ähnliches Problem bereiten illiquide Anlagen. Im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld sehen sich Vorsorgeeinrichtungen vermehrt veranlasst, in alternative Anlagen und/oder direkte Immobilien zu investieren – in der Hoffnung, dadurch die benötigte Sollrendite zu erzielen. Illiquidität, also eingeschränkte Handelbarkeit, hat jedoch im Sinne des Investment Reporting unerwünschte Nebeneffekte. Bewertungskurse stehen selten oder gar nicht zur Verfügung und müssen beispielsweise durch modellbasierte Berechnungen ersetzt werden. Risiken können wegen der nicht beobachtbaren Preisschwankungen nicht berechnet werden. Je grösser der Anteil solcher Vermögensteile in einem Portfolio ist, desto eingeschränkter wird die Aussagekraft konsolidierter Performance- und Risikozahlen für das Gesamtvermögen und desto grösser werden die Kompromisse bezüglich Aktualität der Zahlen. Es ist daher wichtig, dass dieses Dilemma offen angesprochen wird und den Entscheidungsgremien bewusst ist.

Checkliste

Damit das Investment Reporting die Rolle eines effizienten Führungsinstruments einnimmt, können Vorsorgeeinrichtungen auf folgende Checkliste zurückgreifen:

  • Inhalt: Werden Informationen in allen er­forderlichen und gewünschten Dimensionen zur Verfügung gestellt, um eine fundierte und differenzierte Beurteilung zu erlauben?
  • Vollständigkeit: Deckt das Investment Re­porting das gesamte Anlagevermögen mit angemessenem Detaillierungsgrad ab?
  • Frequenz: Stehen die Informationen so zeit­nah zur Verfügung, dass notwendige Anlage­entscheide – beispielsweise auch bei aussergewöhnlichen Vorkommnissen auf

den Finanzmärkten – hinreichend schnell getroffen werden können?

  • Zugänglichkeit: Werden die Angaben über einen zweckmässigen Kanal zur Verfügung gestellt, sodass Unabhängigkeit hinsichtlich Zeit und Ort gewährleistet ist?
  • Verständlichkeit: Werden die Informatio­nen stufengerecht und passend aufbereitet, sodass deren Aussagen inhaltlich klar sind und sie für Entscheidungen direkt eingesetzt werden können?

Die aufgeführten Anforderungen sollten regelmässig überprüft werden

Durchblick bei Fonds nötig

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der vermehrte Einsatz von kollektiven Anlagevehikeln. So haben Fonds als Bausteine bei der Umsetzung der Anlagestrategie aufgrund ihrer positiven Eigenschaften stark an Beliebtheit gewonnen. Damit solche Bausteine aber nicht zu einer «Black Box» werden, muss im Rahmen des Investment Reporting die nötige Transparenz geschaffen werden, meist als «Fund Look-through» bezeichnet. Erst unter dieser Voraussetzung sind Strukturanalysen auf konsolidierter Ebene möglich. Für das Risikomanagement ist dies ausschlaggebend, denn Dinge wie inhärente Zinsrisiken oder Währungsexpositionen lassen sich sonst kaum ermitteln.

Auch ein Blick nach vorne

Ein Investment Reporting fokussiert in erster Linie auf die statistische Beschreibung der vergangenen Anlagetätigkeit. Die erzielten und gemessenen Resultate werden quantitativ aufbereitet. Diese ex-post Betrachtung (Rückblick) sollte aber durch ex-ante Analysen (Ausblick) ergänzt werden. Daher ist es zweckmässig, im Investment Reporting auch Kennzahlen wie Value-at-Risk auszuweisen, ein standardisiertes Risikomass, welches das potentielle (zukünftige) Ausfallrisiko in absoluten Geldbeträgen misst. Ebenso können Szenario-Analysen integriert werden, welche eine Indikation zur (zukünftigen) Robustheit gegenüber bestimmten Risiken liefern (vergleiche Artikel Emele, Seite 39).

Die richtige Frequenz

Ein letzter kritischer Punkt ist die Frequenz des Investment Reporting. Damit dieses nicht nur einer «archäologischen» Betrachtungsweise dient, sondern als zentrales Führungsmittel eingesetzt werden kann, ist heute eine tägliche, online-basierte Zugriffsmöglichkeit ein Muss. Dies darf nicht mit Anlage-Aktivismus gleichgesetzt werden. Die Verfügbarkeit ist für die konsequente Wahrnehmung einer nachvollziehbaren Gestaltung, Überwachung und Steuerung der Vermögensbewirtschaftung (vergleiche Art. 49a Abs. 1 BVV 2) schlicht eine Voraussetzung.