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Emotionen ablegen beim Anlegen

| Posted by: Daniel Kalt | Tags: Daniel Kalt

«Wie lange laufen die Aktienmärkte noch und wann kommt der Zeitpunkt, an dem ich aussteigen soll?» oder «Die Rally der letzten drei Jahre habe ich weitgehend verpasst, soll ich jetzt noch einsteigen?». So lauteten die Fragen, die mir Kundinnen und Kunden in den letzten Wochen und Monaten häufig stellten. Sie drehten sich alle um den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt bei Aktienmärkten – eine Frage, die ich, wenn ich ehrlich bin, gar nicht beantworten kann.  

Ein richtiges Timing der Märkte ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Kaum eine Anlegerin oder ein Anleger kann von sich behaupten, über lange Zeiträume immer genau den Tiefpunkt der Märkte für den Einstieg und den höchsten Punkt für den Ausstieg erwischt zu haben. Dazu kommt, dass uns unsere Emotionen genau das Gegenteil diktieren. Investoren, die emotional getrieben sind und ihre Anlageentscheide mit dem Bauch und nicht mit dem Kopf fällen, neigen dazu, in einer Euphoriephase (und damit irgendwo nahe der Höchststände) Aktien zu kaufen und dann im darauffolgenden, oft starken Einbruch der Märkte panikartig Aktien zu verkaufen. Diese Verhaltensweise haben auch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen bei Anlegern nachgewiesen.

Für Anleger, die sich nicht mehr ständig um den richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt kümmern wollen oder erkannt haben, dass ihnen ihre Emotionalität beim Anlegen gerne einen Strich durch die Rechnung macht, gibt es gute Nachrichten. Denn unsere Anlagelösungen basieren auf einer Philosophie, bei welcher derartige Sorgen hinfällig sind.

Auf die richtige Strategie setzen

Ausgangspunkt unseres Ansatzes bildet die Erkenntnis, dass ein breit über alle Anlageklassen und verschiedene Märkte diversifiziertes Anlageportfolio deutlich weniger Schwankungen unterworfen ist, als ein auf wenige oder gar nur einzelne Anlageklassen fokussiertes Portfolio. Auf Grund eingehender Analysen haben wir unsere Anlageportfolios strategisch optimal zusammengestellt. Diese strategische Vermögensallokation (Strategic Asset Allocation) strukturiert ein Anlageportfolio so, dass eine möglichst hohe Diversifikation erreicht wird. Dabei werden jene Anlageklassen und Märkte stärker gewichtet, von denen unsere Anlageexperten in den kommenden fünf bis sieben Jahren die höchsten Renditen bei möglichst geringen Schwankungen erwarten. Dabei berücksichtigen wir auch die Liquidität der gewählten Anlagen.

Derzeit bieten wir sechs verschiedene Risikoprofile für unsere Anlagestrategien an. Die Profile «Equity» (Aktien) und «Growth» (Wachstum) weisen relativ hohe Aktienquoten und damit Schwankungen auf, versprechen aber längerfristig auch die höchsten Renditen. Mit den Strategien «Balanced» (ausgewogen) und «Yield» (Rendite) wählt der Anleger eine gut ausbalancierte Strategie, während die Risikoprofile «Income» (Einkommen) und «Fixed Income» (Festverzinsliche) eine relativ geringe Aktienquote aufweisen und so auch minimalen Wertschwankungen ausgesetzt sein dürften.

Entscheidend für den Anleger ist die Wahl des richtigen Risikoprofils. Je nach individueller Risikofähigkeit, also der persönlichen Bereitschaft und Fähigkeit, Wertschwankungen im Anlageportfolio zu ertragen, soll ein eher defensives (mit niedriger Aktienquote) oder ein aggressives (mit höherer Aktienquote) Risikoprofil gewählt werden. Unsere Anlagephilosophie geht davon aus, dass ein Anleger die einmal gewählte Strategie eisern und mit viel Disziplin über den ganzen Zyklus durchzieht, also immer investiert bleibt. Die nervenzehrende Frage, wann man aus den Märkten aussteigen oder wann man einsteigen soll, erübrigt sich somit. Verschont bleibt der Anleger auch von der bitteren Erfahrung, in der Euphorie hoch zu kaufen, während des Crashs in Panik zu verkaufen und danach derart deprimiert zu sein, dass er gar nicht erst wieder einsteigt und dadurch die ganze Erholungsrally verpasst.

Monatliche Neuausrichtung des Portfolios

Das entscheidende Element, das die von uns immer wieder betonte Disziplin in ein Anlageportfolio bringt, nennt sich monatliches «Re-Balancing». Hinter diesem angelsächsischen Fachbegriff verbirgt sich ein ganz einfacher Mechanismus, den wir in unseren Anlagelösungen für Delegationskunden eisern und mechanistisch Monat für Monat wiederholen. Wenn Sie sich für eine Delegationslösung mit dem Risikoprofil «Balanced» entscheiden, dann ist in einem solchen Portfolio standardmässig eine strategische Aktienquote von 42% vorgesehen. Wenn nun die Aktienmärkte stark steigen, dann wird sich die Aktienquote im Portfolio Monat für Monat nach oben bewegen, auf 43%, dann 44%, 45% und so weiter. Im Rahmen unseres monatlichen «Re-Balancings» verkaufen wir Monat für Monat einen Teil der Aktien aus dem Portfolio, sodass die Aktienquote bei steigenden Märkten konstant bei 42% bleibt. Das heisst, dass wir bei steigenden Märkten laufend einen Teil der Aktiengewinne realisieren und wieder exakt gemäss strategischer Vermögensallokation ins Portfolio reinvestieren. Umgekehrt kaufen wir bei fallenden Aktienmärkten laufend etwas Aktien nach, damit die Aktienquote im Portfolio nicht unter die strategische Quote von 42% sinkt. Durch dieses mechanistische, monatliche Nachadjustieren des Portfolios verkaufen wir also Aktien in steigende Märkte hinein und kaufen Aktien nach, wenn die Märkte fallen. Damit tun wir genau das Gegenteil von dem, was bei vielen emotional getriebenen Anlegern zu beobachten ist.

Taktische Positionierung zur Feinsteuerung

Das Fundament unserer Anlagestrategie bildet die strategische Ausrichtung und breite Diversifikation eines Portfolios auf Anlagen, die wir mit einem Anlagehorizont von fünf bis sieben Jahren als attraktiv erachten. Rund 80% des Anlageerfolgs unserer Lösungen lassen sich durch eine gute oder eben weniger gute Ausrichtung dieser strategischen Anlageverteilung erklären. Quasi als Überbau zu dieser strategischen und mit eiserner Disziplin umgesetzten Ausrichtung eines Portfolios implementieren wir zusätzlich eine taktische Vermögensallokation (Tactical Asset Allocation) in den Portfolios. Hierbei betrachten wir einen viel kürzeren Anlagehorizont von lediglich sechs Monaten. Wir fragen uns dabei Monat für Monat, ob in den nächsten sechs Monaten beispielsweise von Aktienanlagen eine bessere Performance zu erwarten ist als von Anleihen. Wenn wir in unseren monatlichen Sitzungen des Anlageausschusses zum Schluss kommen, dass dies so ist, setzen wir in den Anlageportfolios eine Übergewichtung von Aktien gegenüber Anleihen um. Im Beispiel eines ausgewogenen Portfolios (Risikoprofil «Balanced») würden wir also die Aktienquote von 42% auf beispielsweise 45% erhöhen und im Gegenzug die Anleihenquote um 3 Prozentpunkte reduzieren. Genauso nehmen wir taktische Positionierungen zwischen einzelnen Aktienmärkten, den verschiedenen Anleihen- und Kreditmärkten oder Währungen vor. Insgesamt sind diese eher kurzfristig ausgerichteten, taktischen Positionen jedoch nur für rund 20% der Gesamtportfoliorendite verantwortlich. Entscheidend ist und bleibt die gewählte strategische Anlageverteilung. Diese überarbeiten wir – je nach Handlungsbedarf hervorgerufen durch Marktveränderungen – in einem Intervall von eineinhalb bis drei Jahren.

So entschieden wir bei der letzten Überarbeitung der strategischen Vermögensallokation Anfang 2014, Rohstoffe vollständig aus den Portfolios zu entfernen. Ein Entscheid, der mit Blick auf die Preisentwicklung bei Erdöl und Gold sehr gut war. Ausserdem beschlossen wir, sämtliche Währungsrisiken auf Anlagen im Ausland konsequent abzusichern. Dies verschonte unsere international breit diversifizierten Lösungen insbesondere nach der Aufhebung der EURCHF-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank Mitte Januar vor grösseren, währungsbedingten Rückschlägen.

Ich denke, diese Ausführungen zu unserer Anlagephilosophie verdeutlichen, warum mich die häufigen Fragen unserer Kunden nach dem richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt jeweils relativ entspannt lassen. Denn wer nach der beschriebenen Methode investiert ist, den beunruhigt das Auf und Ab der Märkte nur noch am Rande, denn man ist bereit und auch willens, gemäss der gewählten Anlagestrategie über den Zyklus und mit einem längerfristigen Anlagehorizont vollständig investiert zu bleiben. Wer diesem Ansatz wenig abgewinnen kann, darf sich natürlich weiterhin darin versuchen, das nervöse Auf und Ab der Märkte zu interpretieren und den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen. Viel Glück dabei!