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Psychologische Anlegerfallen vermeiden

| Tags: Daniel Kalt

Hand aufs Herz – auch 2014 ist es für Sie nicht einfacher geworden, an den Finanzmärkten erfolgreich anzulegen. Im Gegenteil, nachdem schon der Start ins Jahr holprig verlief, hat die Krise um die Annektierung der Krim durch den entschlossen handelnden russischen Präsidenten Vladimir Putin für erneute Verunsicherung an den Märkten gesorgt. Wie schon so oft seit Ausbruch der globalen Finanzkrise hat sich einmal mehr gezeigt, dass es für eine objektive Einschätzung von Chancen und Risiken an den Märkten nicht mehr ausreicht, einfach nur die wirtschaftliche Entwicklung verschiedener Unternehmen oder Volkswirtschaften zu verfolgen. Heute müssen Sie neben Politikern auch Zentralbankgouverneuren, Regulatoren und ab und zu – wie im Fall der Beurteilung der Euro-Rettungsschirme durch das Bundesverfassungsgericht – auch Richtern auf die Finger schauen, um mögliche Bewegungen an den Finanzmärkten richtig antizipieren zu können. All dies macht erfolgreiches Anlegen heute zu einer äusserst komplexen und anspruchsvollen Angelegenheit.

Was zeichnet erfolgreiche Anleger aus?

Wir haben uns immer wieder intensiv Gedanken darüber gemacht, welche Faktoren langfristig erfolgreiche Anlegerinnen und Anleger auszeichnen und sind dabei auf drei wesentliche Merkmale gestossen. Erstens basiert erfolgreiches Anlegen auf einer systematischen und umfassenden Analyse der Anlagemärkte und deren fundamentalen Treibern. Diese Analyse erhalten unsere Anlagekundinnen und -kunden monatlich in kompakter Form in der vorliegenden Broschüre, der «UBS House View», in der wir Ihnen die Hausmeinung von UBS zu den Finanzmärkten darlegen.

Zweitens muss der erfolgreiche Anleger eine auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Anlagestrategie festlegen. Dies ist eine der wesentlichen Aufgaben einer guten Anlageberatung und beginnt damit, dass die Kundenberaterin oder der Kundenberater die Bedürfnisse des Kunden genau versteht. Es gilt also zuerst einmal zu zu hören und Fragen zu beantworten wie: Was sind meine langfristigen finanziellen Ziele und Rahmenbedingungen? Welche Renditeerwartungen habe ich mit meinem Anlageportfolio? Und besonders wichtig: Welche Schwankungsrisiken bin ich imstande zu tragen? All diese Überlegungen münden dann in der Festlegung eines bestimmten Anlegerprofils. Der eher risikoaverse Anleger wird in seinem Portfolio eine eher tiefe Aktienquote aufweisen und etwas weniger hohe Ertragserwartungen verfolgen. Demgegenüber darf ein risikofreudiger Anleger durchaus einen höheren Anteil von Aktien oder hochverzinslichen Unternehmensanleihen in seinem Portfolio halten und dadurch längerfristig höhere Ertragserwartungen haben.

Der dritte – und vielleicht entscheidende – Faktor für ein erfolgreiches Anlegen ist schliesslich, dass die einmal festgelegt Anlagestrategie sowie die Einschätzung der Märkte und der daraus abgeleiteten Anlageschwerpunkte mit viel Disziplin umgesetzt werden. Nur eine konsequente Umsetzung einer vorgegebenen Anlagestrategie garantiert letzten Endes auf lange Frist den Anlageerfolg.

Anleger oft durch Emotionen getrieben

Leider stellen wir jedoch immer wieder fest, dass sich Anlegerinnen und Anleger stark Emotionen leiten lassen. In den stark schwankenden Märkten der letzten zehn bis fünfzehn Jahre durchlief jeder Anleger ein wahres Wechselbad der Gefühle. Diese reichen von Optimismus über Euphorie in der Haussephase von 2004 bis 2007 bis hin zu Angst, Panik und Niedergeschlagenheit am Tiefpunkt der Finanzmarktkrise vom Herbst 2008 bis ins Frühjahr 2009.

Ein ganzes Forschungsfeld in der Finanzmarktanalyse, bekannt unter dem englischen Begriff «behavioural finance», hat zahlreiche von Emotionen getriebene Verhaltensmuster von Anlegern untersucht. Viele zum Teil irrationale Verhaltensweisen von Anlegern wurden dabei in zum Teil gross angelegten Experimenten untersucht und erklärt. Diese Forschungsarbeiten zeigen beispielsweise, dass sich Anleger in Haussephasen getrieben durch die allgemeine Euphorie wie Herdentiere verhalten und alle demselben Trend hinterherrennen. Ein anderes häufig beobachtbares Verhalten von Anlegern ist die Verlustaversion. Es fällt Investoren oftmals schwer, sich von Titeln in ihrem Depot zu trennen, wenn diese Verluste aufweisen; und dies auch dann wenn die Aussichten für den entsprechenden Titel offensichtlich schlecht sind und weitere Verluste durch einen Verkauf zu vermeiden wären – offensichtlich stirbt die Hoffnung oft wirklich ganz zuletzt.

Resultat dieses Verhaltensmusters ist gemäss verschiedenen Studien, dass Anleger Verlusttitel viel länger in ihrem Depot halten, als Aktien, die im Plus sind – ein völlig irrationales Verhalten. Anstatt Gewinne laufen zu lassen, werden Verluste laufen gelassen. In der Summe führen die erwähnten verhaltenspsychologischen Fehlentscheide dazu, dass Anleger oft zum falschen Zeitpunkt kaufen und verkaufen – sprich: Sie kaufen in der allgemeinen Euphorie hoch und verkaufen nach dem Crash und in der allgemeinen Panik spät und tief.

Vergessen Sie Market-Timing!

Damit wären wir beim Thema «Market-Timing». Die Kunst, immer genau am Tiefpunkt zu kaufen und am höchsten Punkt zu verkaufen beherrscht praktisch niemand – jedenfalls nicht konstant und über längere Zeit. Und wie wir vorher festgestellt haben, verleiten uns unsere Emotionen nur allzu oft genau das Gegenteil zu tun, hoch zu kaufen und tiefer zu verkaufen.

Die Erfahrung zeigt, dass es sich für viele Privatanleger in der Regel auszahlt, über längere Zeit investiert zu bleiben und an einer einmal gewählten Anlagestrategie – allenfalls mit genau definierten taktischen Über- und Untergewichtungen – festzuhalten und nicht zu versuchen, durch ständiges Ein- und Aussteigen den Markt zu «timen». Was die Folgen sein können, wenn ein Anleger nicht immer investiert ist und zeitweise vollständig aus seinen Aktienengagements aussteigt und in Cash umschichtet, zeigt die nachfolgend dargestellte Analyse eindrücklich.

In diesem Beispiel zeigen wir, dass jemand der 1989 ein Anfangsinvestment von USD 100 000 im amerikanischen S&P-Aktienindex tätigte, bis Mitte 2013 ein Vermögen von USD 1,018 Mio. erreichte. Wir haben in einem nächsten Schritt berechnet, welches Vermögen resultiert, wenn jeweils die 5, 10, 15 usw. besten Handelstage verpasst wurden. Die Resultate sind verblüffend: Wer schon nur die 5 besten Handelstage zwischen 1989 und 2013 verpasst hat, weist ein um 34% tieferes Endvermögen aus. Wer die 10 besten Handelstage verpasst, «verliert» schon die Hälfte des Vermögens und wer an den 25 besten Handelstagen nicht investiert war, macht aus seinen USD 100 000 nicht eine Million, sondern nur gerade USD 256 000. Investiert bleiben, heisst also die Devise.

Disziplin, Disziplin und nochmals Disziplin

Zum Schluss noch einige Überlegungen zu einem weiteren Phänomen in der Verhaltensforschung, der Selbstüberschätzung. Wer hundert Autofahrer befragt, wie sie ihre Fahrkünste einschätzen, wird in der Regel von rund 70% bis 80% der Antwortenden hören, sie seien überdurchschnittlich gute Fahrer – ein wesentlicher Anteil der Autofahrer neigt offensichtlich zur Selbstüberschätzung. Genauso verhält es sich vermutlich auch beim Anlegen, wo wohl ein ähnlich hoher Anteil von Investoren sich als überdurchschnittlich gut einstufen würde. Dies kann einer der Gründe sein, weshalb viele Anleger sich schwer damit tun, Anlageentscheide einem professionellen Portfoliomanager zu übertragen.

Für Anleger ist es zentral, sich der genannten, durch Emotionen verursachten Fehlverhalten und Irrationalitäten bewusst zu sein. Und letztlich hilft bei der Vermeidung dieser irrationalen Verhaltensmuster nur die oben erwähnte hohe Disziplin in der Umsetzung der definierten Anlagestrategie.