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Mindestlohn: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage

| Tags: Daniel Kalt

Auch am vergangenen 1. Mai, dem Tag der Arbeit, haben die Gewerkschaften erneut  und mit Nachdruck die flächendeckende Einführung eines Mindestlohns gefordert.

Die Mindestlohn-Volksinitiative verlangt, dass jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer, der eine 42-Stundenwoche arbeitet, einen Lohn von 4'000 CHF oder 22 CHF pro Stunde erhält. So nachvollziehbar die Forderung aus sozialpolitischen Gründen auch sein mag: Ein Mindestlohn ist auch ein Eingriff in die Marktwirtschaft. Und wie bei jeder starken Medizin, sind auch mit einem Mindestlohn Nebenwirkungen verbunden, die erst nach einiger Zeit sichtbar werden. Ein Mindestlohn dürfte längerfristig dazu führen, dass niedrigqualifizierte Arbeit wegrationalisiert und ausgelagert wird. Die strukturelle Arbeitslosigkeit – bisher in der Schweiz extrem tief – dürfte steigen. So gesehen, wird ein Mindestlohn längerfristig sogar unsoziale Konsequenzen haben: Er stützt zwar die „Insider“ (jene die Arbeit haben), aber er bestraft die „Outsider“ (jene oft wenig qualifizierten Arbeitskräfte, welche die stelle verlieren);  schlimmer noch, ein Mindestlohn marginalisiert die steigende Anzahl Langzeitarbeitsloser und drängt sie in die Schattenwirtschaft ab. Italien, Spanien und Griechenland mit ihren überregulierten Arbeitsmärkten und zum Teil hohen Mindestlöhnen lassen grüssen. Fazit: Ein Mindestlohn mag kurzfristig betrachtet sozialpolitisch populär klingen, längerfristig werden die Wirkungen alles andere als sozial sein.