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Warum wir jetzt auf Schweizer Mid-Caps setzen

| Tags: Daniel Kalt

Zwei lange Jahre hatten im Schweizer Aktienmarkt die grosskapitalisierten Titel gegenüber den klein- und mittelgrossen Firmen die Nase vorn. Erstaunlich dabei war insbesondere, dass sich die «Large-Caps» auch in der Rally seit letztem Sommer besser entwickelt haben, als der Rest des Marktes. Normalerweise hinken die «Grossen» den «Kleinen» in stark steigenden Märkten eher hinterher; oder finanztechnisch ausgedrückt: Large-Caps weisen in der Regel ein kleineres «Beta» auf als klein- und mittelgross kapitalisierte Unternehmen. Zumindest dieser Zusammenhang scheint seit einiger Zeit ausser Kraft gesetzt.

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass im liquiditätsgetriebenen Aktienrally viele Anlegerinnen und Anleger zwar mit eingestiegen sind. Weil sie dabei aber dem wirtschaftlichen Fundament für den Aktienmarktanstieg noch nicht wirklich trauten, haben sie auf die sicheren Werte allem im SMI gesetzt und nicht wie sonst üblich auf die zyklischen Wachstumswerte im Small- und Mid-Cap-Segment. 

Das Blatt wendet sich

Mehrere Gründe sprechen in unserer Einschätzung inzwischen dafür, dass sich das Blatt zugunsten von mittelgrossen Unternehmen wenden dürfte1. Als erstes zu nennen ist die weltweite Konjunkturerholung, so zaghaft diese momentan auch sein mag. Zumindest in den USA mehren sich die Anzeichen, dass die Wirtschaft allmählich wieder Tritt fasst. Der Immobilienmarkt hat Boden gefunden, die Bautätigkeit erholt sich und der US-Arbeitsmarkt generiert Monat für Monat um die zweihunderttausend Arbeitsplätze, womit die Arbeitslosigkeit kontinuierlich zurück kommt und die Konsumenten allmählich wieder tiefer ins Portemonnaie greifen. Zwar hinkt die Konjunkturerholung in Europa noch klar hinterher und auch China sowie andere grosse Schwellenländer verlassen derzeit erst die konjunkturelle Talsohle. Doch insgesamt gehen wir von einer weiteren graduellen Wachstumsbeschleunigung der Weltwirtschaft aus. Damit verbessert sich auch das wirtschaftliche Fundament für die Small- und Mid-Caps, die, wie bereits erwähnt, in einem solchen Umfeld in aller Regel besser abschneiden als die defensiveren, grossen Standardwerte, weil sie flexibler sind und die sich bietenden Marktchancen schneller nutzen können.

Eine zweite Überlegung betrifft die Gewinnbeeinflussung durch Währungsschwankungen. Grossunternehmen hatten insbesondere ab dem zweiten Quartal 2012 überdurchschnittlich stark von der Aufwertung des USD sowie Basiseffekten profitiert. Inzwischen haben sich die Wogen an der Währungsfront soweit geglättet, dass gemäss unseren Analysen wenn schon, dann eher die Klein- und Mittelunternehmen im Vorteil sind.

Solide Bilanzen und Bewertungen sprechen für Mid-Caps

Neben den erwähnten eher zyklischen Faktoren sprechen aber auch fundamentale Aspekte für ein verstärktes Engagement in Schweizer Mid-Caps. Obwohl die grossen Standardwerte allgemein als solide und defensiv gelten, zeigt ein Blick auf die Bilanzen der Unternehmen, dass Schweizer Mid-Caps deutlich stärker finanziert sind als ihre grossen Konkurrenten. Betrachtet man die Netto-Cash-Position, also die Summe aus liquiden Mittel und kuranten Wertschriften abzüglich der verzinslichen Verbindlichkeiten, offenbart sich Erstaunliches: Gemessen an der Indexkapitalisierung verfügen 51% der im SMIM (Swiss Market Index Mid) geführten mittelgrossen Unternehmen über eine positive Netto-Cash-Position, können also ihre Schulden mit liquiden Mitteln decken. Demgegenüber sind im SMI (Swiss Market Index) nur 7% der Indexgewichtung Unternehmen mit einer Netto-Cash-Position.

Nicht zuletzt sprechen derzeit auch verschiedene Bewertungsmassstäbe für Schweizer Mid-Caps. Sowohl beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wie auch beim Verhältnis von Unternehmenswert zu Gewinn vor Steuern und Zinsen (EV/EBIT) bestehen zur Zeit so gut wie keine Bewertungslücken. Dies obwohl in der Vergangenheit Mid-Caps gegenüber den Standardwerten mit einen Aufschlag gehandelt wurden. Insgesamt erachten wir daher Schweizer Mid-Caps im Vergleich zu den Large-Caps als attraktiv bewertet.