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Euro-Krise vor neuerlicher Eskalation?

| Tags: Daniel Kalt

Etwas vorschnell haben gewisse «Europhoriker» vor wenigen Wochen das Ende der Euro-Krise verkündet. Spätestens nach den Wahlen in Italien sind viele, welche die Rally an den Finanzmärkten über die vergangenen Wochen und Monate als Signal einer nachhaltigen Überwindung der Krise auffassten, abrupt auf den Boden der Realität zurückgeholt worden.

Italien, dann Spanien und am Ende Frankreich?

Italien scheint unregierbar, das haben die Wahlergebnisse deutlich gezeigt. Und damit bleibt der grösste Schuldner in der Eurozone gelähmt, unfähig weitere Reformen umzusetzen und damit der schlingernden Wirtschaft jene dringend benötigten Wachstumsimpulse zu verleihen, die das Land vor der Schuldenspirale retten könnten. Und es drohen weitere Stolpersteine: Die schlingernden Fliegengewichte Zypern und Slowenien fallen ökonomisch kaum ins Gewicht, doch droht mit Spanien der Fall eines weiteren Schwergewichts. Ministerpräsident Rajoy kämpft mit Korruptionsvorwürfen, erneut verfehltem Defizitziel, weiterhin maroden Banken und einer hartnäckigen Rezession – schon ziemlich viele Bälle, die der Mann in der Luft halten muss. Ganz zuletzt, aber umso bedrohlicher entwickelt sich derzeit Frankreich in eine ungewünschte Richtung. Die jüngsten Konjunkturindikatoren lassen für den Wirtschaftsverlauf wenig Gutes erwarten. Zudem scheint es zunehmend fraglich, ob es Frankreich unter sozialistischer Regierung gelingt, die verlorene Wettbewerbsfähigkeit des Landes wieder herzustellen. Immerhin zeigen die Kernländer der Eurozone – allen voran Deutschland – wie auch die globale Konjunkturentwicklung klare Erholungsanzeichen. Zumindest von dieser Seite sollte somit Unterstützung kommen.

Super-Mario (Draghi) fährt notfalls die Notenpresse hoch

Falls in den europäischen Krisenländern dennoch weitere Stricke reissen sollten, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) unter ihrem umtriebigen Präsident Mario Draghi notfalls wie angekündigt «alles tun, um den Euro zusammen zu halten». Konkret will Draghi über das «OMT»-Programm unlimitiert Staatsanleihen von wankenden Staaten mit Hilfe der Notenpresse aufkaufen. Insofern kann man als Anleger zumindest davon ausgehen, dass die EZB eine eigentliche Kernschmelze im Euro mit aller Kraft verhindern wird. Allerdings ist es gerade im Falle Italiens fraglich, ob die EZB auch einem Land zu Hilfe eilen wird, das weder eine handlungsfähige Regierung hat, noch willens scheint, weitere Reformen umzusetzen. Wenn es hart auf hart kommt, müsste die EZB wohl auch die letzten Stabilitätsprinzipien über Bord werfen und die Notenpresse anwerfen.

Implikationen für den Schweizer Anleger

Die Eurokrise dürfte so immer wieder neu aufflackern. Dies wiederum dürfte die EZB auf den Plan rufen, welche die Brandherde mit viel Liquidität bekämpfen wird. Für Schweizer Anleger bedeutet dies, dass der Franken wohl in diesen Phasen erneut Aufwertungsschübe sehen wird. Wer also noch viele Euros im Portfolio hat, sollte vorübergehende «Ausflüge» von EURCHF auf 1,25 oder darüber dazu nutzen, Euros abzustossen. Genau dies haben wir, als Mitte Januar EURCHF kurz bei 1,25 notierte, wiederholt empfohlen. Im Bereich der Aktien haben wir derzeit in unserer taktischen Anlagepositionierung ein Übergewicht in den USA und in den Schwellenländern, jenen Weltregionen also, in denen die Konjunkturerholungen am solidesten ist. Davon profitiert haben in den ersten Wochen dieses Jahres auch die global sehr breit ausgerichteten Schweizer Grossunternehmen. Entsprechend hat der Swiss Market Index (SMI) den Durchschnitt der globalen Aktienmärkte klar geschlagen. Inzwischen scheinen uns die Kursavancen insbesondere der grosskapitalisierten Schweizer Werte etwas gar weit fortgeschritten. Wir haben daher unsere Präferenz für Schweizer «Large Caps» zurückgenommen und fokussieren vermehrt auf jene Schweizer Unternehmen, die qualitative hochwertige und stetig steigende Dividendenzahlung versprechen.