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Von vermeintlich sicheren Anlagen

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In seinem jüngsten Anlegerbrief hat unser Chief Investment Officer Alex Friedman in klaren Worten davor gewarnt, dass vermeintlich «sichere» Anlagen wie Staatsanleihen in der heutigen Welt alles andere als sicher sein können. Gerade auch für Schweizer Anlegerinnen und Anleger, die wesentliche Teile ihres Vermögens in Anleihen der Eidgenossenschaft halten – womöglich in solchen mit langen Restlaufzeiten – gilt diese Aussage mehr denn je. Wenn Staatsanleihen früher eine praktisch risikolose Rendite garantiert haben, so gilt heute eher das Gegenteil: Sie sind in Ihrem Portfolio ein renditeloses Risiko.

Staatsanleihen: von der risikolosen Rendite zum renditelosen Risiko
Renditelos deshalb, weil heute selbst eine zehn Jahre laufende Anleihe der Eidgenossenschaft eine Verfallrendite von nur noch rund 0,5% abwirft. Bei Bundesobligationen mit kürzerer Restlaufzeit liegen die Renditen noch tiefer – und das vor Steuern. Bei Anleihen mit Restlaufzeit unter vier Jahren waren die Anleger bis vor kurzen bereit, eine negative Verfallrendite in Kauf zu nehmen, also ein Prämie zu bezahlen, nur um ihre Gelder beim Schweizerischen Staat parkieren zu können.

Das Risiko bei einer länger laufenden Bundesobligation liegt beim möglichen Preiszerfall im Falle eines Zinsanstiegs. Wer heute eine zehnjährige Bundesobligation mit einem vordergründig attraktiven Coupon von 4% ins Portfolio legt, zahlt dafür einen stolzen Preis von 131, was bei einem Rückzahlungsbetrag von 100 in der erwähnt mageren Verfallrendite von nur 0,7% resultiert. Wenn nun in den nächten Jahren die Zinsen aufgrund steigender Inflationserwartungen um beispielsweise 2 Prozentpunkte ansteigen, fällt der Preis dieser Anleihe von 131 auf 109, also um 17%. Bei einem Zinsanstieg von 3 Prozentpunkten ist der Preisrückgang bereits 25%. Die vermeintlich sicheren Staatsanleihen, weisen daher bei praktisch null Verzinsung ein erhebliches Preisrückschlagsrisiko auf.

Verschiedene Beobachter sprechen daher auch schon von einer eigentlichen Preisblase an den Anleihenmärkten. Ein eindrücklicher Vergleich dazu fand sich jüngst in einem Artikel in der Finanz und Wirtschaft. Darin wurde das Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) von Aktien mit einem für Anleihen ähnlichen KGV-Mass verglichen. Während der Schweizer Aktienmarkt heute zu einem im historischen Vergleich leicht unterdurchschnittlichen KGV von 14 handelt, liegt das vergleichbare KGV für US-Staatsanleihen bei zwischen 60 und 70, für schweizerischen Eidgenossen gar bei 140! Solche Werte sah man letztmals im Frühjahr 2000 bei Technologiefirmen, kurz bevor die Internetblase geplatzt ist.

Diversifikation in Alternativen suchen
Wer heute noch hohe Anteile seines Portfolios in genau solchen Staatsanleihen investiert hat, ist einem hohen Konzentrationsrisiko ausgesetzt und sollte sich nach Alternativen umsehen. Seit längerer Zeit empfehlen wir nun schon, Engagements in Staatsanleihen zumindest teilweise in Unternehmensanleihen umzuschichten. Und wenn schon Staatsanleihen, dann solche aus Schwellenländern, die heute finanziell oft besser dastehen als viele Industrieländer und dennoch vergleichsweise attraktive Renditen bieten. Noch attraktiver als Schwellenländerstaatsanleihen sind nach unserer Einschätzung zurzeit Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Wer breit diversifiziert in diese schnell wachsenden Segmente des Anleihenmarktes investiert, erzielt attraktive Renditen bei insgesamt vertretbaren Risiken.

Und wenn alles doch anders kommt?
Es gibt im Grunde ein Szenario, in dem sich Staatsanleihen letztlich doch als sicherere Anlage erweisen würden als die eben genannten Alternativen. Falls die Welt – entgegen unseren Erwartungen – ähnlich wie schon 2008/09 erneut einen Beinahe-Zusammenbruch des Wirtschafts- und Finanzsystems erleben sollte, würde wohl eine dramatische Flucht aus den risikobehafteten Anlagen wie Aktien und hochverzinslichen Anleihen einsetzen und in die sicheren Häfen «Cash» und Staatsanleihen fliessen. Wer also auf vielen Staatsanleihen und Liquidität sitzt, muss zwangsläufig ein sehr düsteres Szenario vor Augen haben und sieht nur Staatsanleihen als sicheren Hafen. Wer jedoch davon ausgeht, dass in den Schuldenkrisen in Europa wie auch in den USA weiterhin auf Zeit gespielt wird, die Weltwirtschaft allmählich wieder Tritt fasst und die enorme Geldschwemme der Notenbanken früher oder später in einem deutlichen Inflationsanstieg endet, betrachtet Staatsanleihen eher als «renditeloses Risiko» in seinem Portfolio, das es gezielt abzubauen gilt.