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Ein Jahr EURCHF-Untergrenze – wie weiter?

| Tags: Daniel Kalt

Es waren turbulente Tage, als vor einem Jahr der damalige Nationalbank-Präsident Philippe Hildebrand vor die Medien trat und ankündigte, keine EURCHF-Kurse von unter 1,20 mehr zuzulassen und bereit sei dafür unlimitiert Schweizer Franken zu drucken um damit Euros zu kaufen. Ein Jahr nach diesem drastischen geldpolitischen Schritt fällt die Bilanz zwiespältig aus.

In den ersten Monaten fiel es der Schweizerischen Nationalbank (SNB) relativ leicht, mit ihrer überzeugend angekündigten Politik die Untergrenze zu verteidigen. Die Stabilisierung des Euro-Wechselkurses zum Franken bei 1,20 hat sicherlich auch wesentlich dazu beigetragen, dass die Exportwirtschaft wieder Planungssicherheit sowie Zeit für Anpassungsmassnahmen an die neuen Währungsrelationen bekommen hat. Doch als im Frühling mit den chaotischen Wahlen in Griechenland die Schuldenkrise in Europa erneut dramatisch eskalierte, stieg der Druck auf den sicheren Hafen Schweizer Franken wieder stark an. Allein von Mai bis Juli musste die SNB knapp 170 Mrd. Franken investieren, um den Euro zu stützen. Die Devisenreserven der SNB sind seit 2008 von 50 Milliarden  auf  über 400 Milliarden  und damit auf 70% der jährlichen Wirtschaftsleistung der Schweiz angestiegen.

Angesichts dieser Entwicklung stellt sich zunehmend die Frage, wie lange die SNB diese Politik weiterführen kann. Denn eines ist klar: Unsere Notenbank ist im Prinzip gefangen in ihrer Politik. Je mehr Euros und US-Dollars sie auf ihre Bilanz laden muss, umso grösser wird ein allfälliger Verlust, sollte sie eines Tages die Untergrenze aufgeben müssen und sollte der Franken dann stark aufwerten. Rein theoretisch kann die SNB durchaus nochmals für 400 Milliarden Franken oder gar noch mehr Euros aufkaufen und damit Franken ins Finanzsystem pumpen. Allerdings schafft sie durch eine derart massive Frankenschwemme ein massives Inflationspotenzial. Diese schlägt sich zurzeit zwar noch nicht in den Konsumgüterpreisen, aber doch in Vermögenswerten wie beispielsweise den Immobilienpreisen nieder.

Die Interventionspolitik der SNB wird letztlich dann an Grenzen stossen, wenn damit der Primärauftrag unserer Notenbank, nämlich die Sicherung der Geldwertstabilität, gefährdet wird. Angesichts der vorderhand noch tiefen Konsumententeuerung sind wir allerdings wohl noch einige Zeit von diesem Punkt entfernt.

Als die SNB vor einem Jahr die Frankenuntergrenze einführte, ging sie – wie viele Beobachter damals auch – wohl davon aus, dass die Schuldenkrise in Europa in absehbarer Zeit gelöst würde, was den Druck auf den Franken verringern würde. In einer solchen Phase dürfte sich der Eurokurs von 1,20 lösen und gegen 1,25 oder noch weiter aufwerten. Dann könnte die SNB die Untergrenze offiziell fallen lassen und darauf bauen, dass eine Eurozone, die ihre Schuldenkrise bewältigt hat, eine erstarkende Währung aufweisen würde. Aber eben: könnte, würde.

Ein Blick nach Europa zeigt, dass die Schuldenkrise in den Peripherieländern alles andere als gelöst ist. Ganz Südeuropa befindet sich inzwischen in einer Rezession, was eine Stabilisierung der steigenden Schuldenberge zusätzlich erschwert. Die Europäische Zentralbank versucht derweil krampfhaft, die Brandschutzmauern um Spanien und Italien zu erhöhen, um bei einem in unserer Einschätzung zunehmend wahrscheinlichen Austritt Griechenlands aus dem Euro eine weitere Eskalation der Krise unterbinden zu können. Kein Umfeld also, das Hoffnungen auf ein baldiges Ausstiegsszenario für die SNB aufkommen lässt.

Als Investor können Sie durchaus davon ausgehen, dass die SNB die 1,20 noch einige Zeit eisern verteidigen wird. Bei vielen Anlegern ist inzwischen auch die Hoffnung, ihre Europositionen in absehbarer Zeit zu mehr als 1,20 in Franken tauschen zu können, markant gesunken. Und dann gibt es da noch das – wenn auch geringe – Restrisiko, dass die SNB die 1,20 nicht halten kann und der Euro erneut deutlich einbüsst. Für all diejenigen, die in Euro denominierte Werte investieren und gleichzeitig ruhig schlafen wollen, empfehle ich daher nach wie vor eine Absicherung des Wechselkursrisikos.